Mehr als 6000 Mal wurden in den vergangenen Jahren in Berlin vor Häusern sogenannte Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an Bewohner, die in der Nazizeit verfolgt und vertrieben wurden. Nun verlangt ein Hausbesitzer, dass die Platten vor seinem Haus beseitigt werden.

Der Architekt Karl Heinz Fischer aus Westend ist Eigentümer des Hauses Dahlmannstraße 1 in Charlottenburg. Vor dem Eingang liegen sieben Stolpersteine – sie erinnern an die Familien Cohn, Brück und Kallmann, die dort gewohnt haben. Sie wurden 1941 bis 1944 in Konzentrationslager deportiert, Martin Cohn beging Selbstmord.

„Jetzt will ich, dass die Steine wegkommen“

Karl Heinz Fischer hat sich nicht um die Geschichte der früheren Bewohner gekümmert. Genau so wenig, wie er bis vor kurzem überhaupt wusste, dass vor seinem Haus die Steine ins Pflaster eingelassen sind. Auch von seinen Mietern habe er nie darüber gehört. „Ein Bekannter hat sie entdeckt und Bescheid gesagt“, sagt Fischer der Berliner Zeitung. „Jetzt will ich, dass die Steine wegkommen“, sagt er. Es könnte jemand darauf ausrutschen, sich verletzen, und er als Grundeigentümer würde dann in Haftung genommen werden. Im Übrigen, so der 89-Jährige, könne er nichts dafür, dass im Nationalsozialismus Menschen verfolgt und ermordet wurden.

Nun hat Fischer Briefe geschrieben und Fristen gesetzt. Die Steine müssten weg. Und wenn es nur 30 Zentimeter weit wäre, auf den öffentlichen Bürgersteig. Hauptsache außerhalb seines Grundstücks.

Die Initiative für die Stolpersteine um den früheren Senatssprecher Helmut Lölhöffel hat alle Fristen verstreichen lassen. Man denke nicht daran, die Steine zu versetzen. „Denkmäler versetzt man nicht. Und die Steine sind Denkmäler für Menschen, die kein Grab haben“, sagt Lölhöffel.

Könnte dennoch sein, dass Hauseigentümer Fischer sich am Ende durchsetzt. Denn ganz offenbar liegen die Stolpersteine auf seinem Grundstück. Anders als üblich wurde 2009, als die ersten Steine an der Dahlmannstraße verlegt wurden, nicht darauf geachtet, dass sie auf öffentlichem Straßenland – und damit genehmigt – liegen. Auch bei der Verlegung für Familie Kallmann im April dieses Jahres fiel es nicht auf.

„Auch wenn man sich wünschen würde, dass solche Sachen im Gespräch gelöst würden: Das Eigentumsrecht ist stark. Die Chancen des Eigentümers stehen gut“, sagt Dieter Blümmel vom Eigentümerverband Haus & Grund.