Gedenken an Terroropfer von St. Petersburg: Berlins Kultursenator Klaus Lederer würde Brandenburger Tor beleuchten - ein letztes Mal

Beleuchten oder nicht? Die fehlende Solildariatätsbekundung Berlins in Form der russischen Nationalfarben am Brandenburger Tor hat nach dem Anschlag in St. Petersburg eine Debatte ausgelöst. Auch unter Politikern. Der rot-rot-grüne Senat scheint sich uneins zu sein. 

Berlins Kultursenator, Klaus Lederer (Linke), kritisierte am Dienstag auf seiner Facebook-Seite die Entscheidung des Regierenden Bürgermeisters, Michael Müller (SPD), das Brandenburger Tor nicht mit der russischen Flagge anzustrahlen, da St. Petersburg keine Partnerstadt Berlins ist. Gleichzeitig stellt das Anleuchten des Tores als Solidaritätsbekundung in Frage.

Inflationierende Trauerbekundungen

Lederer schrieb, seine Empathie gelte unterschiedslos allen Opfern der mörderischen Terroranschläge weltweit. Denen in St. Petersburg, wie denen in Berlins Partnerstädten. Ja, auch die russische Flagge gehörte eigentlich auf das Brandenburg Tor projiziert, wie auch die irakische, tunesische oder die afghanische“, so Lederer.

Jedoch inflationiere jeder offizielle Gedenkakt oder jede offizielle Trauerbekundung, wenn sie nicht mehr die Ausnahme sei und deswegen glaube er, der beste Weg wäre, künftig ganz auf die Beleuchtung des Tores zu verzichten. Auch, damit die Unterstellung ausgeräumt werden könne, es gebe eine Hierarchisierung der Opfer. Der Empathie solle stattdessen in anderen Formen Raum gegeben werden. Das Brandenburger Tor solle demnach mit den russischen Nationalfarben, aber auch zum letzten Mal nach einem Anschlag angestrahlt werden.

Was man jedoch nicht tun solle, sei, dieses Dilemma zu ignorieren oder zu unterstellen, es gäbe es nicht, so Lederer. Dies werde weder der Senatskanzlei noch dem Gedenken an die Opfer gerecht.

Flaggen von Paris, Brüssel, London und Istanbul

Am Montagnachmittag explodierte in einer U-Bahn in St. Petersburg ein Sprengsatz und riss mindestens 14 Menschen in den Tod. 49 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben von Behörden aus Kirgistan wurde der Anschlag von einem Selbstmordattentäter verübt. Er soll kirgisischer Staatsbürger sein.

Nach Anschlägen wie etwa in Paris, Brüssel, London, Istanbul (Partnerstädte von Berlin) und Jerusalem war das Berliner Wahrzeichen in Solidarität mit den Betroffenen in den Nationalfarben der jeweiligen Länder angestrahlt worden. Nach dem Massaker eines islamistischen Attentäters in einem Schwulen-Club in Orlando in Florida mit rund 50 Toten im vergangenen Sommer war das Brandenburger Tor in die Regenbogenfarben der Schwulenbewegung getaucht.

Nach dem Anschlag in Nizza, bei dem auch eine Lehrerin und zwei Schülerinnen aus Berlin ums Leben kamen, war die französische Botschaft in der Nähe des Brandenburger Tores in den Farben der Trikolore angestrahlt. (mit dpa)