Gedenkmedaille für Klaus Wowereit: Wowi-Münze jetzt doch mit „ie“

Berlin - Die Meldung klang wie eine Ente: Berlins scheidender Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit erhält noch zu Amtszeiten eine Erinnerungsmünze. 13 Euro soll die Silbermedaille kosten und neben dem Konterfeit des SPD-Mannes, auch einige seiner markigsten Sprüche zeigen – von „Ich bin schwul, und das ist gut so“ bis hin zu „Wir sind nicht in Haiti“. Für besondere Aufregung sorgte dabei ein herber Fehler in einem Spruch. Dabei ging es um ein Zitat aus den Anfängen von Wowereit Regierungszeit: „Sparen bis es quietscht“. Auf der Abbildung der Münze auf der Internetseite der Staatlichen Münze Berlin, die das Silberstück produziert, fehlte zunächst eindeutig das „e“ in „quietschen“. Spekulationen setzten ein, denn derartige Fehler können zu deutlichen Wertsteigerungen führen.

Später war das „ie“ da

Das wird nun nicht der Fall sein, denn auf den geprägten Münzen finde sich der Fehler nicht, erklärte Andreas Schikora, Geschäftsführer der Münze: „Auf allen 2014 Exemplaren ist quietschen mit „ie„ geschrieben.“ Es habe lediglich ein Malheur beim Versenden der Pressebilder gegeben. Statt der aktuellen Version sei hier versehentlich ein alter Entwurf verschickt worden.

Orthografisch einwandfrei ist jedoch auch die finale Variante der Münze nicht. In den Wowereit Zitaten „Berlin ist arm aber sexy“ und auch in „Sparen bis es quietscht“ fehlt jeweils ein Komma.

Hoffnungen auf einen späteren Wertzuwachs verwirft Schikora allerdings: „Ich gehe davon aus, dass der materielle Wert der Medaillen nicht steigen wird.“ Die Prägungen hätten für die Besitzer vor allem ideellen und historischen Wert.

Die Staatliche Münze gehört dem Land Berlin und ist der Senatsfinanzverwaltung unterstellt. Im Kerngeschäft prägt sie im Auftrag des Bundes die deutschen Euromünzen, in diesem Jahr nach eigenen Angaben gut 170 Millionen Stück. Das zweite Standbein der Firma ist gewerblich orientiert. Hier verkauft die Staatliche Münze Medaillen, so die offizielle Bezeichnung, da die Prägungen nicht als Zahlungsmittel genutzt werden können. 600.000 Exemplare mit 400 Motiven werden jährlich in Reinickendorf produziert.

In diesen Bereich fällt auch die Wowereit-Münze. Die Idee sei intern entstanden, kurz nach dem der Regierende Bürgermeister im Spätsommer seinen Rücktritt angekündigt hatte, berichtet Schikora: „In unserem gewerblichen Geschäft müssen wir auf Gewinnoptimierung achten. Da versuchen wir Themen aufzugreifen, die in den Medien aktuell sind.“ Er betont: Weder die Senatsfinanzverwaltung noch Wowereit selbst hätten im Vorfeld von der Münze gewusst. Dies sei bei Personen des öffentlichen Lebens auch nicht notwendig. Eine Reaktion aus dem Roten Rathaus habe er bisher noch nicht erhalten.

Beim Senat nimmt man den Alleingang der Tochterfirma gelassen. Man wundere sich zwar, dass eine Münze noch in der Amtszeit erscheint und hätte sich gewünscht, dass die Zitate abgesprochen worden wären, aber insgesamt sei der Vorgang unproblematisch. „Dit is Berlin“, nutzt Senatssprecher Richard Meng ein ebenfalls auf der Münze befindliches Zitat seines Chefs.

Der ist nun, laut Schikora, das erste Berliner Stadtoberhaupt, dem bereits zu Amtszeiten eine eigene Erinnerungsmedaille gewidmet wurde. Allerdings ist er nicht der erste, dessen Antlitz in Metall geprägt wurde. So finden sich im Portfolio der Staatlichen Münze neben Motiven wie John F. Kennedy oder Schneewittchen auch Medaillen mit den Köpfen von Walter Momper und Richard von Weizsäcker. Beide Prägungen sind derzeit jedoch nicht erhältlich.

Auch die Wowereit-Münze, deren Rückseite ein Motiv zum 775. Stadtjubiläum 2012 ziert, dürfte bald vergriffen sein. Der mediale Hype um den „ie“-Fehler der Münze erwies sich dabei nachträglich eher als Verkaufshilfe für das Unternehmen: Geschäftsführer Schikora rechnet damit, dass die Medaille bereits Anfang nächster Woche vergriffen sein wird.

Knut bekam drei Auflagen

Eine zweite Wowereit-Edition schließt er deshalb nicht aus: „Die müsste dann aber ein anderes Motiv haben, weil wir unseren Käufern versprochen haben, dass es von dieser Version nur 2014 Exemplare geben wird.“ Für den scheidenden Bürgermeister könnten die Münzkäufe so zu einem Beliebtheitsindikator werden. Die Messlatte hat der frühzeitig verstorbene Eisbär Knut gelegt. Er brachte es sogar zu einer dritten Edition.