Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat begrüßt, dass die Gedenkstätte Hohenschönhausen die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen politischen Gefangenen Siegmar Faust als Gedenkstättenführer ausgesetzt hat. „Ich finde es richtig und begrüße es, dass die Stiftung sofort reagiert und die Zusammenarbeit mit Herrn Faust beendet hat“, sagte er auf Anfrage der Berliner Zeitung. „Ansonsten bin ich mir mit der Stiftung einig, dass ein Qualitätsmanagement zur Sicherung einer zeitgemäßen Gedenkstättenarbeit im Sinne der Werte des Grundgesetzes notwendig ist. Das sollte weiter entwickelt werden.“

Lederer, der Vorsitzender des Stiftungsrates von Hohenschönhausen ist, fügte hinzu: „Ich glaube, dass in der Einrichtung eine gute Arbeit gemacht wird.“ Jede pauschale Unterstellung einer AfD-Nähe sei „völlig unangebracht“. Der Stiftungsrat tagte nach Informationen dieser Zeitung am Montag; die Affäre Faust war ein Thema.

Betroffener soll gehört werden

Die Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker, die dem Stiftungsrat ebenfalls angehört, erklärte, sie finde „die Entscheidung des Direktors, Herrn Faust vorerst keine Führungen mehr zu gestatten, nachvollziehbar“. Sie fuhr fort: „Allerdings muss und wird Herr Faust Gelegenheit bekommen, sich zu den Vorgängen noch einmal zu äußern. Danach wird das Direktorium entscheiden, ob es bei der Trennung bleibt.“

Der 73-jährige Faust hatte der Berliner Zeitung in der Gedenkstätte ein Interview gegeben, dabei aus seiner Sympathie für die AfD kein Hehl gemacht und schließlich der Justiz vorgeworfen, den Holocaust-Leugner Horst Mahler zu hart zu behandeln. Der Direktor der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, beendete noch am Tag des Erscheinens des Artikels die Zusammenarbeit mit Faust, der zu DDR-Zeiten als außergewöhnlich mutig galt. Dieser habe vor dem Interview keine Genehmigung eingeholt. Überdies vertrügen sich seine Aussagen nicht mit dem Anliegen der Stiftung.

Kritiken eindeutig rechts konnotiert

Konträre Meinungen gibt es darüber, wie repräsentativ Fausts Äußerungen sind. Er selbst sagte der Berliner Zeitung, es gebe wenige unter den ehemaligen politischen Gefangenen, die anders dächten. Jens Gieseke, Mitglied des Beirates der Gedenkstätte und Historiker am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, erklärte: „Ich betrachte mit Sorge die wachsende Nähe der Gedenkstätte Hohenschönhausen zur AfD und ihrem Rechtspopulismus.“

Christian Booß, Vorsitzender des Bürgerkomitees 15. Januar, betonte: „Das ist kein Problem, das nur die Gedenkstätte Hohenschönhausen hat. Es gibt in zahlreichen Aufarbeitungsveranstaltungen Kritiken an der SED, die eindeutig rechts konnotiert sind, und das seit Jahren.“ Offiziell wird dies meistens dementiert.