Volle Züge, genervte Fahrgäste: Wer zwischen Brandenburg und Berlin pendeln muss, hat es nicht leicht. Die Zahl der Reisenden, die in S-Bahnen und Regionalzügen unterwegs sind, steigt weiter an. Jetzt denken auch in Berlin Planer darüber nach, wo zusätzliche Gleise nötig sind.

Der Entwurf des Bedarfsplans für den Nahverkehr, der nun fertiggestellt worden ist, sieht Aus- und Neubauten vor. Doch die Pendler müssen noch viel Geduld aufbringen. Ginge es nach dem Konzept, würde es teils erst in den 2030er-Jahren Verbesserungen geben. Reichlich spät, meinte Peter Cornelius vom Fahrgastverband Pro Bahn: „Schon lange vorher werden wir auf vielen Strecken Überlastungen spüren.“

Für die S-Bahn sieht der Entwurf vor, die Strecke zwischen Schönholz und Tegel bis 2025 zweigleisig auszubauen. Bis 2030 sollen auch drei S-Bahn-Abschnitte, die nach Brandenburg führen, jeweils mit einem zweiten Gleis ergänzt werden: die S1 ab Frohnau, die S2 ab Buch und die S7 ab Wannsee. Dadurch würde es möglich, den S-Bahnbetrieb auszuweiten und zu stabilisieren.

S-Bahn ins Falkenhagener Feld

Für die Zeit nach 2035 ist die Wiederinbetriebnahme der Siemensbahn Jungfernheide–Gartenfeld vermerkt. Aber dafür soll nur die niedrigste Dringlichkeitsstufe gelten: „weiterer Bedarf“. Dagegen wird ein anderes Neubauprojekt im Westen unter „vordringlicher Bedarf“ eingeordnet und für den Zeitraum 2031 bis 2035: die Verlängerung der S-Bahn, die heute noch in Spandau endet. Von der geplanten Trasse in Richtung Stadtgrenze/Falkensee zweigt eine Strecke ins Falkenhagener Feld ab.

Für zwei Projekte im Regionalverkehr wird als Umsetzungszeitraum ebenfalls 2031 bis 2035 angegeben. Ein Vorhaben ist die Verlängerung der Kremmener Bahn von Hennigsdorf bis Gesundbrunnen. Das zweite Projekt sieht vor, die Heidekrautbahn nach Wilhelmsruh wieder aufzubauen und nach Gesundbrunnen zu verlängern. Orte wie Wandlitz und Basdorf würden eine zusätzliche Verbindung nach Berlin erhalten.

„Verkehrliche Bewertungen und weitere Untersuchungen“

Eine zusätzliche Umlandverbindung im Süden Berlins soll nach Angaben der Deutschen Bahn früher kommen: Der Neubau der Dresdner Bahn, die durch Lichtenrade in Richtung Zossen führt, wird 2025 fertig.

Noch ungewiss ist, ob der Außenring im Osten der Stadt für den Regionalzugverkehr (ab 2031) oder für die S-Bahn (ab 2035) ausgebaut wird. Was mit der Verbindung zwischen dem Karower, dem Biesdorfer und dem Grünauer Kreuz geschieht, hängt von „verkehrlichen Bewertungen und weiteren Untersuchungen“ ab, hieß es. Das gilt auch für die Stammbahn im Südwesten. Die erste preußische Eisenbahn, die vor 180 Jahren zwischen Berlin, Schöneberg, Zehlendorf und Potsdam eröffnet wurde, liegt seit langem brach.

Anregungen der Fahrgäste ernst nehmen

Mit dem Entwurf, der Teil des Berliner Nahverkehrsplan für die Jahre 2019 bis 2023 werden soll, liegt nun ein weiteres Konzept für den Verkehr zwischen Berlin und Brandenburg auf dem Tisch. Es wurde in der Senatsverkehrsverwaltung in Zusammenarbeit mit Beratern vom Center Nahverkehr Berlin erstellt. Wie berichtet wird auch auf anderen Ebenen daran gearbeitet, den Verkehr zu verbessern. Im Projekt i2030 arbeiten der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, beide Bundesländer und die DB daran, in acht Bereichen den Schienenverkehr zu verbessern, durch weitere Gleise und Strecken.

Doch die Jahreszahl 2030 deutet darauf hin: Bis in Deutschland Bahnstrecken gebaut werden dürfen, vergehen meist viele Jahre. Langwierige Planungen und Genehmigungsverfahren sind zu absolvieren. „Ich hoffe, dass die Konzepte miteinander in Einklang gebracht werden“, so Peter Cornelius von Pro Bahn. Er forderte, Einwendungen und Anregungen der Fahrgäste ernst zu nehmen.

Expressbusse ins Umland

Für den Berliner Bedarfsplan wurde auch überlegt, wie der Stadt-Umland-Verkehr erweitert werden könnte. Vorgeschlagen wird unter anderem, den Zehn-Minuten-Takt auf der Linie S5 bis Strausberg auszudehnen. Für den Busverkehr stehen diverse Projekte auf der Liste – zum Beispiel Expressbusse zwischen Hönow und Altlandsberg sowie zwischen Spandau und Potsdam. Auch Fahrten auf der Linie 136 Spandau–Hennigsdorf könnten als X-Bus beschleunigt werden, hieß es.

„Der Stadt-Umland-Verkehr hat überproportional zugelegt“, heißt es in dem Konzept. Gemessen an der Zahl der Fahrgastfahrten, die der Verkehrsverbund 2007 und 2016 gezählt hat, nahm die Nutzung der Regionalzüge um 42,4 Prozent zu. Die Zahl der zurückgelegten Kilometer stieg immerhin um 31,2 Prozent.