Lebensgefährlich: Berlins schlimmste Kreuzungen für Radfahrer und Fußgänger

Wer zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, der sollte diese Kreuzungen nur sehr aufmerksam überqueren. Eine unvollständige Liste der schlimmsten Verkehrswege.

Auch nicht gerade übersichtlich: die Kreuzung Schönhauser Allee/Eberswalder Straße
Auch nicht gerade übersichtlich: die Kreuzung Schönhauser Allee/Eberswalder StraßeBenjamin Pritzkuleit

Es gibt Kreuzungen in Berlin, die sollten mit einem Warnhinweis versehen werden, so wie Zigarettenschachteln oder Chemikalien. Denn auch hier besteht Gefahr für Leib und Leben, wenn man nicht im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte ist und auf alles gleichzeitig achtet.

Wir haben aus unserem Alltag als Radfahrer und Fußgänger sechs Kreuzungen herausgefischt, die man besser meiden sollte. Ob Kreuzberg oder Mitte, Wedding oder Weißensee – alle Knotenpunkte haben eines gemeinsam: Weder Verkehrsführung noch Ampelphasen, weder bauliche Planung noch Gestaltung sind hier durchdacht. Jedenfalls wurde scheinbar kein Gedanke daran verschwendet, dass es auch nicht motorisierte Möglichkeiten der Fortbewegung gibt.

Diese Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Würde man alle gefährlichen Kreuzungen Berlins aufzählen wollen, man würde kaum fertig. Aber einen Ausschnitt können wir liefern – betreten auf eigene Gefahr!


Stroboskope statt Ampeln: Müllerstraße/Fennstraße/Reinickendorfer Straße

Keine Frage: Was den Anschluss ans ÖPNV-Netz angeht, könnte Moabit durchaus besser aufgestellt sein. Im ganzen Ortsteil gibt’s gerade mal drei S-Bahnhöfe – Beusselstraße, Westhafen und Hauptbahnhof – die allesamt strategisch ungünstig an den niemandsländischen Rändern der Moabiter Insel liegen. Genauso die vier U-Bahnhöfe, von denen sich lediglich an der Turmstraße so richtig im Zentrum aussteigen lässt. Ansonsten ist man in Moabit weitgehend auf Busse angewiesen – zumindest noch. Dass die M10 ausgebaut wird und fortan auch über den Hauptbahnhof hinaus durch Moabit führen soll, ist gar keine schlechte Idee. Bisher bringt der Plan den Verkehr im Ortsteil allerdings eher zum Stocken.

Kann man wohl laut sagen: Eine Schmiererei bringt’s an der Kreuzung in Wedding auf den Punkt.
Kann man wohl laut sagen: Eine Schmiererei bringt’s an der Kreuzung in Wedding auf den Punkt.Imago

Auf Teilen der Invalidenstraße, der Rathenower Straße und Alt-Moabit wird bereits pressluftgehämmert – die Metall-Lawinen bahnen sich ihren Weg also durch andere Gefilde. Besonders schlimm ist’s auf der Perleberger Straße Richtung Wedding. Wer dort mit dem Bus runter will, muss für zwei läppische Stationen derzeit – ohne Witz – rund 20 Minuten einplanen. Im Schritttempo arbeiten sich Autos, Busse und Roller dem größten Problem entgegen: der Kreuzung in Wedding, an der Müllerstraße, Fennstraße und Reinickendorfer Straße aufeinandertreffen; ein ohnehin abscheulicher Ort, der von der grauen Bräsigkeit der Bayer-Zentrale dominiert wird.

Die Grün- und Rotphasen der Ampeln wechseln sich in stroboskopartiger Schnelligkeit ab, was einen lässigen Verkehrsfluss unmöglich macht. Intelligenterweise wurde zudem eine der Busstationen U Reinickendorfer Straße/Fennstraße in Fahrtrichtung nicht vor, sondern hinter die Kreuzung mit den Discolicht-Ampeln gebaut – nicht, dass die Ausstiegszeit der Busreisenden auch noch praktischerweise mit einer Rotphase zusammenfällt! Aktuell nutzen einige Busfahrerinnen und Busfahrer die zermürbende Standzeit vor der Kreuzung trotzdem dafür, schon mal ein paar Leute rauszulassen, die möglichst schnell zur U-Bahn-Station Reinickendorfer Straße wollen. An der permanenten Aggro-Stimmung rund um Müllerstraße, Fennstraße und Reinickendorfer Straße ändert das allerdings nichts. Manuel Almeida Vergara


Uneinsehbar: Kommandantenstraße, Ecke Alte Jakobstraße

Geschichtstechnisch ist diese Kreuzung hochinteressant, markiert sie doch den Übergang von West-Berlin nach Ost-Berlin, von Kreuzberg nach Mitte. Das Verlagsgebäude der Berliner Zeitung und des Berliner KURIERs steht genau dort und ist somit das letzte Haus in Kreuzberg. Für alle anderen, also für Fußgänger und Radfahrer, ist die Kreuzung Kommandantenstraße/Alte Jakobstraße ein absoluter Albtraum.

Historische Ecke Alte Jakobstraße/Kommandantenstraße: Wo früher die Mauer stand, muss man heute aufpassen, nicht überfahren zu werden.
Historische Ecke Alte Jakobstraße/Kommandantenstraße: Wo früher die Mauer stand, muss man heute aufpassen, nicht überfahren zu werden.Imago Images

Läuft man auf Verlagsseite gen Mitte, so kann man die Kommandantenstraße nicht einsehen. Wie bei einem Versteckspiel muss man also vorsichtig um die Ecke blicken, um nicht mit anderen Fußgängern zusammenzustoßen. Gefahr droht auch von E-Scootern auf dem Bürgersteig und natürlich von Radfahrern, die die Gelegenheit nutzen, dem prähistorischen Kopfsteinpflaster zu entgehen. Und wer mal mit dem Rad darübergefahren ist, der hat dafür vollstes Verständnis. Marcus Weingärtner


Verkehrswende galore: Mollstraße/Otto-Braun-Straße

Da hat man es gerade am Alexa vorbeigeschafft, diesem rosaroten Ungetüm, und denkt, es könnte scheußlicher nicht kommen. Doch weit gefehlt: Wer die Bundesstraße 2 stadtauswärts fährt, für den hält die Berliner Verkehrsplanung noch einige Schmankerl bereit. Zum Beispiel die Kreuzung Mollstraße/Otto-Braun-Straße.

Hier kommt alles zusammen, was der Berliner Verkehrsteilnehmer braucht, um seinen täglichen Adrenalinspiegel hochzutreiben. Autofahrer, die die richtige Spur nicht finden und sich gegenseitig in Rage hupen, E-Scooter-Touristen, die plötzlich und unvermittelt vom Bürgersteig auf den Radweg hopsen, Fußgänger, die „es bestimmt noch bei Grün über die Ampel schaffen“, Radfahrer, die kreuz und quer überholen und auch dann noch die Kreuzung überqueren, wenn die Ampel ganz sicher schon Rot zeigt.

Wer selbst als Radfahrer unterwegs ist, weiß, wie schwer es ist, sich an dieser Stelle zu bremsen. Denn während locker sechs bis sieben Autos pro Grünphase um die Ecke kommen, schaffen es vielleicht drei Radler in der äußerst knäpplich bemessenen Zeit, die ihnen die Fahrradampel zugesteht. Verkehrswende galore! Anne Vorbringer


Nur echt mit Miniatur-Gehweg: Urbanstraße/Hermannplatz

Irgendetwas an den Proportionen am Hermannplatz stimmt nicht so ganz. Speziell dort, wo Urbanstraße, Kottbusser Damm, Weserstraße und Sonnenallee aufeinandertreffen. Eine für Autos unverhältnismäßig riesige Fahrfläche, die es größentechnisch durchaus mit dem daneben gelegenen Hermannplatz aufnehmen kann. Und die Bürgersteige? Winzig, geradezu mikroskopisch klein. Gerade das putzige Trottoir an der Urbanstraße, das sich speziell an der Karstadt-Ecke auf vielleicht eineinhalb Meter verengt, wirkt wie ein straßenbaulicher Witz.

Nichts wie weg: Passantinnen und Passanten lassen die Mini-Bürgersteig-Ecke am Karstadt hinter sich.
Nichts wie weg: Passantinnen und Passanten lassen die Mini-Bürgersteig-Ecke am Karstadt hinter sich.Imago

In einem Bezirk wie Neukölln, der sich jetzt nicht gerade durch Ruhe und Leere auszeichnet, ist das natürlich besonders ärgerlich. Denn an der Miniaturecke stauen und schieben sich nun aufmüpfige Jugendliche und Rentner mit Hackenporsche, Straßenmusikantinnen und Schulkinder, vollbärtige Hipster und leicht bekleidete Nagelstudio-Girls. Eine hochexplosive Mischung, gerade weil am Straßeneck eben nicht nur gedrückt und gedrängelt, sondern auch gestanden wird. Denn genau am schmalsten Gehweg der Kreuzung wurde nonchalant die Busstation platziert – passenderweise direkt vor dem Nordeingang zum Karstadt, aus dem zusätzlich die Kaufhaus-Kundschaft strömt. Toll. Manuel Almeida Vergara


Eine Zumutung: Karl-Liebknecht-Straße/Memhardstraße

Eine Kreuzung, so groß wie der Plänterwald. So jedenfalls kommt es einem vor, wenn man von der Memhardstraße aus in die Karl-Liebknecht-Straße abbiegt, oder sie gar, was noch schlimmer ist, überqueren muss. Als Fußgänger hat man noch die Zebrastreifen, auf die man sich retten kann, als Radfahrer jedoch steht einem eine Überfahrt aus der Hölle bevor. Gemeinsam mit Bussen und Autos überquert man den Asphalt-Styx für gefühlt mindestens zehn Minuten.

Sieht harmlos aus, ist zum Überqueren aber eine absolute Zumutung: die Memhardstraße, Ecke Karl-Liebknecht-Straße in Mitte.
Sieht harmlos aus, ist zum Überqueren aber eine absolute Zumutung: die Memhardstraße, Ecke Karl-Liebknecht-Straße in Mitte.Imago

Mittlerweile ist die Verkehrsführung zwar durchdacht, trotzdem ist die Überquerung ein großstädtisches Abenteuer der besonderen Art, bei der man nach wie vor höllisch achtgeben muss und zwar nicht nur auf die Autofahrer, sondern auch auf die anderen Verkehrsteilnehmer, die mit dem Rad unterwegs sind. Marcus Weingärtner


Man lebt gefährlich: Berliner Allee/Ecke alle

Die Berliner Allee hoch oben im Berliner Nordosten ist, man kann es gar nicht oft genug schreiben, ein einziges Desaster. Welche Kreuzung ist hier die schlimmste – suchen Sie sich eine aus; Sie werden immer richtig liegen, weil alle schrecklich sind. Zwischen donnernden Schwerlastern, Bussen, Straßenbahnen und Pkw kommen nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer sprichwörtlich unter die Räder. Geändert wird, trotz mannigfaltiger Anwohnerproteste und Bürgerinitiativen, nichts.

Eine Zumutung, auch ohne Baustelle: die Berliner Allee in Weißensee
Eine Zumutung, auch ohne Baustelle: die Berliner Allee in WeißenseeSabine Gudath

Für Begrünung, Radwege und sichere Querungen ist kein Platz, dafür gibt es jede Menge Raum für Lärm, Dreck, Stau und Hupkonzerte. Wer jemals mit einem Kleinkind an der Hand versucht hat, an der Ecke Indira-Gandhi-Straße über die Fahrbahn zu kommen, der weiß, wie gefährlich man hier lebt.

Hat man sich über die erste Ampel gehetzt, steht man auf einem winzigen Stück Fußgängerfurt, vorn rauscht die Tram entlang, hinten die Autos. Alle zum Greifen nah, den Fahrtwind kann man fühlen. Die schlechte Nachricht: Bis man wieder auf sicherem Terrain ist, hat man noch mindestens zwei Ampeln vor sich. Albtraum! Anne Vorbringer