Berlins Strafgefangene haben immer weniger Respekt vor dem Personal in den Gefängnissen, besonders weibliche Vollzugsbedienstete sind betroffen. „Es gab Vorkommnisse vor allem in Moabit. Es wird geschildert, dass dies in der letzten Zeit zugenommen hat“, sagte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Montag der Berliner Zeitung. Man werde es jedoch nicht hinnehmen, wenn weibliche Bedienstete angegriffen werden.

Nach Angaben von Thomas Goiny, dem Landeschef der Gewerkschaft Strafvollzug, gibt es sogar noch wesentlich mehr Vorfälle als bekannt. „Nicht jedes Vorkommnis wird gemeldet, denn das bedeutet immer auch Papierkram“, sagte Goiny. 

Nach seinen Angaben sei das Problem auch durch die jahrelange Personalpolitik des Senats befördert worden. 2655 Mitarbeiter arbeiten laut Goiny derzeit offiziell im Strafvollzug. Real seien es jedoch nur 2500 Frauen und Männer. Hinzu komme ein in diesem Bereich hoher Krankenstand von 20 bis 25 Prozent und ein Altersdurchschnitt beim Personal von fast 50 Jahren.

Damit glichen die  jährlich 120 Neuzugänge bis zum Jahr 2020 lediglich die Altersabgänge im Strafvollzug  aus. Dagegen stehe eine nicht adäquate Sicherheitsausstattung des Personals in den Gefängnissen.

In Tegel bisher keine Probleme

Goiny kritisierte vor allem den liberalen Strafvollzug. „Gefangene können machen, was sie wollen“, sagte er. Die Politik müsse endlich einsehen, dass es Strafgefangene gebe, die sich nach deutschem Recht nicht resozialisieren ließen. „Weil sie unsere Gesellschaftsform ablehne.“

Nach Angaben des Gewerkschaftschefs sind es nicht nur Nordafrikaner, die zunehmend respektlos gegen weibliche Bedienstete vorgingen. „Es sind auch Russen, Tschetschenen und Ukrainer, die von Jugend an Gewalt erfahren haben.“ Auch türkische Großfamilien gehörten dazu. Habe man früher Frauen von den Brennpunkten abgezogen, so sei dies aus Personalmangel heute nicht mehr möglich. „Jeder Bedienstete wird eingesetzt, wo er gerade gebraucht wird.“

Das will der Justizsenator auch so belassen. „Wir werden Frauen auch weiterhin im Vollzugsdienst einsetzen und nicht etwa zurückziehen“, sagte Behrendt. Es gebe disziplinarische Möglichkeiten, um auf solche Vorfälle zu reagieren. Man werde auch in Schulungen für Bedienstete Maßnahmen zur Deeskalation üben.

Martin Riemer, der Leiter der Justizvollzugsanstalt Tegel, sagte, in Tegel gebe es bisher keine Probleme. „Allerdings ist Respektlosigkeit natürlich immer ein Thema in Gefängnissen. Das betrifft auch nicht nur Frauen.“