„Gefahrenlage“: Übler Scherz löst Großeinsatz an Grundschule in Gesundbrunnen aus

Mütter gerieten in Panik und brachen in Tränen aus. Väter versuchten, Absperrungen zu durchbrechen und riefen: „Wo ist mein Kind?“ Die Schüler einer Grundschule in Gesundbrunnen hatten am Dienstagvormittag das Schulgelände fluchtartig verlassen müssen, weil die Polizei von einer Gefahrenlage ausging.

Ein übler Scherz hatte den Großeinsatz an der Wilhelm-Hauff-Grundschule ausgelöst. Ein unbekannter Anrufer hatte gegen 10 Uhr den Notruf gewählt. Der Mann gab an, er habe zwei verdächtige Personen mit Pistolen beobachtet, die in die Schule gegangen seien. Die Polizei ging von einer möglichen Gefahrenlage aus und forderte Anwohner und Passanten über Twitter auf: „Bitte meiden Sie den Bereich.“

Viele Eltern waren aufgebracht

Etwa 250 Polizisten fuhren zum Einsatzort, darunter schwer bewaffnete Beamte eines Spezialeinsatzkommandos. Die Schule wurde geräumt. Schüler und Lehrer wurden in Gruppen zu einem etwa 200 Meter entfernten Innenhof geleitet. Der Bereich rund um die Gotenburger Straße wurde großräumig abgesperrt. Männer, die sich in der Nähe des Schulgeländes aufhielten, wurden nach Waffen durchsucht.

Vor den Absperrungen kam es zu dramatischen Szenen. Aufgebrachte Eltern versammelten sich hinter den Absperrungen, weil sie zu ihren Kindern wollten. Einige von ihnen mussten zurückgedrängt werden, weil sie versuchten, die Absperrungen zu durchbrechen. „Mein Neffe Ceyda ist in der Schule, ich hab ihn noch nicht gesehen“, sagte der Geschäftsmann Yussuf, der direkt gegenüber einen Im- und Exporthandel betreibt.

Nach zwei Stunden gab es Entwarnung

Die Polizei versuchte, die sich aufschaukelnde Stimmung zu beruhigen. Eine Moderatorin der Polizei sprach über Lautsprecher auf die Eltern ein: „Ich kann Ihre Sorgen verstehen, Ihre Kinder sind in Sicherheit.“ Die Sätze wurden in Arabisch und Türkisch wiederholt. „Solange ich meine Tochter nicht sehe, bin ich nicht beruhigt“, rief ein Vater.

Nach zwei Stunden gab die Polizei Entwarnung: „Es gibt keine Gefahrenlage.“ Es sei nichts Verdächtiges entdeckt worden, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Die Kinder konnten daraufhin schrittweise von ihren Eltern abgeholt werden. Der Anrufer war nach dem Notruf nicht mehr erreichbar. Es werde geprüft, ob der Anruf strafbar war, hieß es.