Geflohener Mörder wieder in JVA Moabit: Clever beim Ausbruch, doof nach der Flucht

Der am Donnerstag nach seiner spektakulären Flucht wieder eingefangene Metin M. ist zurück in der Untersuchungshaftanstalt Moabit. Die Sicherheitsvorkehrungen für ihn wurden verschärft, berichten Gefangene am Freitag. So soll er in eine Zelle verlegt worden sein, in der undurchsägbare Stahlstäbe vor den Fenstern angebracht sind.

Ihm zustehende Hofgänge absolviere er allein, damit jedweder Kontakt zu Mitgefangenen ausgeschlossen werden könne. Seine Zelle werde regelmäßig durchsucht und beobachtet, sagen Häftlinge. Sie behaupten, dass der 34 Jahre alte mutmaßliche Mörder vom Wachpersonal besonders streng behandelt werde. Die Justizangestellten seien sauer auf ihn wegen des Ausbruchs und ließen ihn das spüren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen Justizangestellte wegen des Verdachts der Gefangenenbefreiung.

5000 Euro Belohnung

Metin M. war zusammen mit Ulrich Z., einen verurteilten Betrüger, am 19. Mai dieses Jahres aus der als sicher geltenden Untersuchungshaftanstalt Moabit geflohen. Sie überkletterten Mauern, auf denen Stacheldraht befestigt ist, und sprangen in die Freiheit. Der Ausbruch war angeblich nicht beobachtet und nicht gemeldet worden. Es dauerte mehrere Stunden, bis Suchhunde der Polizei die Spur der geflohenen Häftlinge aufnahmen. Am S-Bahnhof Tiergarten verlor sich die Spur.

Ulrich Z. wurde am 3. Juni in einem Charlottenburger Hotel von einer Angestellten erkannt und konnte festgenommen werden. Die Polizei vermutete zunächst, dass sich Metin M. ins Ausland abgesetzt haben könnte. Doch das bestätigte sich nicht. Er kontaktierte einen Bekannten, ließ sich falsche Papiere anfertigen und mietete sich in dessen Wohnung ein. Er ahnte allerdings nicht, dass zur gleichen Zeit Zielfahnder seinen Freundeskreis und seine Familie unter die Lupe nahmen. Dabei stieß man auf die Wohnung des Bekannten, der auffällig kleinwüchsig sein soll. Metin Z. und sein Bekannter ließen sich öfter gemeinsam in Alt-Reinickendorf sehen. Das erfuhren auch die Zielfahnder. Am Donnerstag riefen sie das Spezialeinsatzkommando.

Kaum hatte der Bekannte gegen 15 Uhr seine Wohnung verlassen, stürmten Polizisten die Räume und überwältigten den mutmaßlichen Mörder. Er habe sich nicht gewehrt, hieß es. Die Flucht sei spektakulär gewesen, sagen Ermittler, aber das so genannte Fluchtnachverhalten „doof“. Die 5000 Euro, die als Belohnung für Hinweise auf den Aufenthaltsort des Flüchtigen ausgesetzt waren, werden zurück in die Staatskasse gehen.