Berlin - Gegen Gentrifizierung, gegen das „Pussy Riot“-Urteil und gegen höhere Gema-Gebühren für Musikveranstaltungen: Mit mehr als 9000 Teilnehmern ist am Samstag die sogenannte Fuck Parade durch Berlins Mitte gezogen. Dabei richteten sich viele Teilnehmer offenbar auch gegen das Gesetz, es kam zu 15 Festnahmen, wie die Polizei am Sonntag berichtete. Unter den Festgenommenen waren auch zwei Täter, die am Rande der Veranstaltung einen 25-Jährigen lebensgefährlich mit einem Messer verletzt haben sollen. Das Opfer musste notoperiert werden.

Mehrere Zwischenfälle

Die Polizei registrierte sonst vor allem Verstöße gegen das Betäubungsmittel- und gegen das Versammlungsgesetz. Auch Sachbeschädigungen und Diebstähle beschäftigten die Beamten, die die Parade mit einem großen Aufgebot begleitet hatten. 75 Strafverfahren wurden eingeleitet. In diesem Jahr seien deutlich mehr Teilnehmer unterwegs gewesen als sonst, hieß es.

Dies führte auch zu mehr Arbeit für die Berliner Stadtreinigung: „Auffallend waren ... eine erhebliche Verschmutzung der Aufzugsstrecke, so dass dauerhaft ein Reinigungsfahrzeug der BSR hinterherfahren musste“, hieß es im Abschlussbericht der Polizei. Immer wieder hätten Teilnehmer ihre Notdurft in Hauseingängen und Hinterhöfen verrichtet.

Als der Demozug die Ebertbrücke passierte, musste der Schiffsverkehr auf der Spree für eine Dreiviertelstunde gestoppt werden. Wiederholt wurden Flaschen in den Fluss geworfen. Durch gemeinsames Springen versuchten die Teilnehmer, die Brücke ins Schwingen zu versetzen. Dies konnte die Polizei aber unterbinden.

„Gema nach Hause“

Bei sonnigem Wetter protestierten die Demonstranten in Mitte und Kreuzberg gegen die als bedrohlich empfundene Aufwertung von Stadtteilen, die sogenannte Gentrifizierung. Auch das Moskauer Urteil gegen die Künstlerinnen von „Pussy Riot“ sowie höhere Abgaben an die Gema bei Musikveranstaltungen erregten ihren Unmut. Auf einem Schild stand etwa „Gema nach Hause“.

Die Fuck Parade wurde einst als Gegenveranstaltung zur Love Parade konzipiert, als diese noch jährlich durch die Hauptstadt zog. Die Initiatoren verstehen sich mit ihrer Demonstration als Sprachrohr der Berliner Subkultur. (mit dpa/dapd)