Berlin - Beamter in Berlin sein, das heißt für Polizisten der unteren  Dienstränge häufig geregelte Armut. Viele kommen finanziell nur knapp über die Runden. Der Senat erklärte auf Anfrage des CDU-Abgeordneten Peter Trapp, dass über 1200 der 16.400 Vollzugsbeamten Nebentätigkeiten nachgehen.  Ein Polizeiobermeister berichtete der Berliner Zeitung, warum er in seiner Freizeit arbeiten geht.

Der Beamte, 40, seit 15 Jahren bei der Polizei, rechnet vor: „Ich habe mit allen Zulagen und  Kindergeld etwa 2400 Euro netto.“ Davon gehen für die private Krankenversicherung, die er neben der den  Beamten gewährten Beihilfe braucht, 240 Euro ab. 1200 Euro kostet die  Miete für die 90 Quadratmeter große Wohnung im  Umland, monatlich werden für den kleinen Sohn 300 Euro Kitagebühr fällig. Zwar verdient seine Ehefrau  als Krankenschwester mit, deswegen landet die Familie am Monatsende nicht oft in den roten Zahlen.  Aber „passieren darf nichts. Eine Autoreparatur oder große Urlaube sind nicht drin“, sagt der Polizist.

Der Berliner arbeitet deshalb bis zu 24 Stunden im Monat als Fitnesstrainer, meist an  Vormittagen vor  Nachtdiensten.  Er verdient so im Durchschnitt 300 Euro dazu, ist aber auch selten zu Hause. „Manchmal sehe ich meinen kleinen Sohn ein, zwei Wochen lang nicht. Er erkennt mich dann kaum wieder.“ Leicht fällt ihm die Doppelarbeit nicht. „Das zehrt“, sagt er. Denn   der Hauptberuf  mit seinen Zwölf-Stunden-Schichten verlange ihm auch immer mehr ab.    Zwischen fünf und   30 Überstunden macht er im Monat, das bringt zwar Geld  – aber die Familie leidet.

Mit solchen Problemen ist er keineswegs alleine. Um Miete zu sparen, wohnten manche Kollegen  noch bei ihren Eltern, erzählt der 40-Jährige. Andere seien  bis nach Frankfurt (Oder)  gezogen, weil der Wohnraum dort billiger  ist.  „Wir sind wegen des Kindes aus einer nicht so guten Gegend Berlins ins Umland gezogen. Aber nicht  so weit weg, meine Familie werdender  stundenlangen Pendelei gar nicht mehr sehen würde.“ Außerdem würde das  viel Benzingeld verschlingen.

Ein Kollege der Brandenburger Polizei  aus  der gleichen Besoldungsstufe  habe  mehrere hundert Euro im Monat mehr auf dem Konto.  Das Gehalt ist höher, und Brandenburg gewährt im Gegensatz zu Berlin „freie Heilfürsorge“. Die private Krankenversicherung  muss der Brandenburger Kollege  nicht zahlen.

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin: „Es sollte zu denken geben, wenn ein Berliner Polizist nebenbei jobben muss, um über die Runden zu kommen. Der Senat muss die  Besoldung deutlich anheben, wenn er den öffentlichen Dienst funktionsfähig halten will.“ Das Jahresbrutto der Gehaltsstufe A 9 liegt zum Beispiel in Berlin um 2056 Euro  oder 5,4 Prozent unter  Bundesschnitt.

Berlin will es bis 2021 schaffen, dass seine Beamten so viel verdienen wie ihre Kollegen im Bundesschnitt. Seit 2016 will der Senat   immer ein halbes Prozent mehr zahlen, als es die bundesweiten Tariferhöhungen für

Angestellte  vorsehen, die in der Regel für Beamte übernommen werden. Doch, so sagt es die GdP, reiche das halbe Prozent nicht um aufzuholen. Brandenburg habe nicht nur die zwei Prozent Tariferhöhung rückwirkend zum 1. Januar übernommen, sondern auf 2,65 Prozent aufgestockt.