Gehaltsunterschiede am Equal Pay Day: Warum verdienen Frauen in Berlin weniger als Männer?

Berlin - Der Abstand des Lohns  zwischen Berlinerinnen und Berlinern ist im vergangenen Jahr nur ganz wenig geschrumpft  – von 15 Prozent 2015 auf 14 Prozent. Damit bleibt die Stadt auf dem Stand von 2010. In Brandenburg ist die  „geschlechtsspezifische Lohnlücke“ bei vier Prozent gleich geblieben, nachdem sie 2014 wie schon 2010 noch sieben Prozent betragen hatte. Auf Arbeitstage im Vergleich zu Männern umgerechnet: In Berlin arbeitete eine Durchschnittsfrau 55 Tage ohne Lohn, in Brandenburg 15 Tage.

Berlin und Brandenburg liegen bei der Bezahlungslücke wie alle Ost-Bundesländer unter dem Bundesschnitt von 21 Prozent. Am stärksten ist der Unterschied der Bezahlung in Baden-Württemberg (27 Prozent), am geringsten in Sachsen-Anhalt (2 Prozent).

Die Fachleute des Amts für Statistik erklären den Ost-West-Unterschied so: Im alten Westen gibt es mehr industrielle Arbeitsplätze, die gut bezahlt und meistens von Männern besetzt sind.

Manager sind meistens Männer

Insgesamt würden Frauen weniger verdienen, weil sie häufiger in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen tätig sind als Männer – als Verkäuferinnen, Friseurinnen, Alten- und Krankenpflegerinnen. Im besser bezahlenden produzierenden Gewerbe Berlins beispielsweise war zuletzt ein knappes  Viertel aller  Vollzeit-Beschäftigen männlich, aber weniger als ein Zehntel weiblich.

Frauen sind auch häufiger in schlechter bezahlten Teilzeitjobs beschäftigt: In Berlin sind knapp 41 Prozent der arbeitenden Frauen in Teilzeit (Männer: 15,6 Prozent), in Brandenburg liegen die Zahlen bei 41,6 beziehungsweise 10 Prozent.  

Nina Lepsius, Sprecherin des DGB Berlin-Brandenburg, hat weitere Erklärungen: Die Ost-West-Lücke sei nicht nur auf die geringere Zahl von gut bezahlten (Männer-)Jobs in der Industrie zurückzuführen, sondern auch auf das Fehlen von Unternehmenszentrale mit lukrativen Manager-Posten, die nach wie vor meistens von Männern besetzt sind.

Sozialberufe sollen besser bezahlt werden

Das Schrumpfen der Lücke in Brandenburg von 2014 auf 2015 sei darauf zurückzuführen, weil der Anfang 2015 eingeführte Mindestlohn Wirkung zeigte. Denn in Brandenburg ist das Lohnniveau geringer als in Berlin, gerade  Frauen verdienten2014 weniger als die anfangs 8,50 Euro Mindestlohn.

Die  Löhne in Brandenburg  liegen nach wie vor weit hinter denen in Berlin: In der Hauptstadt verdienten Frauen 2016 im Durchschnitt 15,09 Euro, Männer 15,69 Euro. In Berlin waren es 17,18 beziehungsweise 20,03 Euro. Die Bundeszahlen: 16,26 und 20,71 Euro. Am  besten verdienen  Hamburgerinnen   (18,39 Euro) und Hamburger (23,13 Euro).

Das Hinterherhinken Brandenburgs liegt laut DGB auch daran, dass das Bundesland sehr viele kleine und nicht an Tarifverträge gebundene Betriebe hat, die schlechter Zahlen: nur 52 Prozent der brandenburgischen Beschäftigten werden nach einem Tarifvertrag bezahlt, im Westen Deutschlands sind es 59 Prozent.

Der DGB fordert, dass „Frauenberufe“ im Sozialbereich, der Erziehung und der Pflege besser bezahlt werden müssten, auch, um dem Fachkräftemangel gegenzusteuern.

Bei der Teilzeitarbeit müsste es die Möglichkeit geben,  sie befristet anzutreten. Außerdem müsse es ein Recht auf Rückkehr  in Vollzeit geben. Die Bundesregierung ist dabei, ein entsprechendes Gesetz zu erarbeiten.