Geheimnis gelöst : Waldjunge kommt aus Holland

Berlin - #image0

Das Geheimnis des Waldjungen ist gelöst. Ray heißt in Wirklichkeit Robin. Er ist 20 Jahre alt und stammt aus dem niederländischen Hengelo nahe der deutschen Grenze. Das haben Polizisten im Nachbarland sowie in Berlin bestätigt. Nach Veröffentlichung eines Fotos des Mannes, das europaweit gedruckt und gesendet wurde, meldete sich aus Holland eine ehemalige Freundin des jungen Mannes bei der Polizei und sagte, dass sie den Vermissten kenne. Auch ehemalige Schulfreunde sowie Robins Stiefmutter bestätigten die Identität des Mannes.

Ermittlungen ergaben, dass Robin van Helsum im August vergangenen Jahres seine Wohngemeinschaft in Hengelo verlassen hatte und nach Berlin gereist war. Als er am 3. September, wie es mit einem Mitbewohner abgesprochen war, nicht nach Holland zurückkehrte, zeigten ihn Freunde als vermisst an. Sie sagten, dass er Probleme mit sich selbst und hin und wieder vom Beginn eines neuen Lebens geredet habe.

Rückblick: Am 5. September tauchte der Holländer im Roten Rathaus auf und erzählte eine schauerliche Geschichte. Er sagte, dass er 17 Jahre alt sei und Ray heiße. Nachnamen sowie Herkunftsort kannte er angeblich nicht. Zuvor will er mit seinem Vater Ryan fünf Jahre lang in der Natur nach Karte und Kompass gewandert sein. Die Nächte hätten sie im Zelt und in Höhlen verbracht, sagte er.

Als sein Vater im August 2011 gestorben sei, habe er die Leiche in einer Grube unter Steinen beerdigt. Den genauen Ort wisse er nicht mehr, sagte der Junge. Fünf Tage nach dem Tod seines Vaters sei er in Richtung Norden gelaufen und schließlich nach Berlin gekommen. Seine Mutter sei tot, gestorben bei einem Unfall, als er zwölf war.

Möglicherweise Ermittlungen wegen Betrugs

Die Polizei zweifelte von Anfang an am Wahrheitsgehalt der Geschichte. Dennoch begann sie mit Ermittlungen zur Identität des Jugendlichen. Mitarbeiter der Vermisstenstelle im Landeskriminalamt wandten sich an Sicherheitsbehörden anderer Länder. Dort konnte man den Berliner Kollegen nicht helfen.

Selbst in Holland war der junge Mann nicht als Jugendlicher vermisst gemeldet worden. Dort war er als vermisster Erwachsener registriert. Seine Freunde hatten der Polizei das reale Alter mitgeteilt. Nach Erwachsenen wird in Holland, wie auch in Deutschland, eher zurückhaltend gesucht. Es sei denn, es gibt Hinweise auf eine Straftat oder eine Gefährdung, die eine Fahndung rechtfertigen, sagen Polizisten. Ansonsten könne sich ein Erwachsener dort aufhalten, wo er wolle, ohne es jemanden mitzuteilen.

Robin van Helsum lebte bis zum Freitag in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. Das Jugendamt bestellte ihm einen Vormund, eine Sozialarbeiterin aus Tempelhof. Inzwischen ist der 20-Jährige ausgezogen.

Seine ausgedachte Geschichte könnte für ihn teuer werden. Die Polizei prüft jetzt, ob gegen den Holländer wegen Sozialleistungsbetrug ermittelt wird. Die Kosten für seine zehn Monate lange Unterstützung von 30 000 Euro muss er möglicherweise zurück zahlen.