Die drei Autorinnen des Buches „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss" sind mit Stadtplan, Fotoapparat und Notizblock wochenlang durch Berlin gestreift, um die ausgefallensten, ungewöhnlichsten und überraschendsten Hauptstadtorte aufzutun. Wir haben ihre Tipps durchforstet - und stellen Ihnen zehn spannende Orte daraus vor, die Sie sicher in keinem Reiseführer finden werden.

Der Boule-Boulevard am Paul-Lincke-Ufer

Boulen kann man nur in Frankreich? Da irren Sie sich aber gewaltig. Berlin hat sich zur außerfranzösischen Boule-Metropole entwickelt. In der ganzen Stadt haben Liebhaber des Spiels liebevoll Plätze geschaffen, um ihrer Leidenschaft nach und vor dem Feierabend zu frönen.

Der eindrucksvollste Platz mit 15 Bahnen liegt am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg. Das "Boulodrome" ist der Boule-Boulevard unter allen Plätzen: Hier trifft man schmallippige Profis, die gekonnt ihre Kugel neben dem Schweinchen platzieren, ebenso wie Anfänger, die mit Bierflasche in der Hand und Kippe im Mundwinkel ihre Kugeln auf fremde Bahnen werfen.

Wo? Paul-Lincke-Ufer in der Höhe Forsterstraße, 10997 Berlin.

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David Bowies Stammkneipe

„Eine Stadt voller Bars für traurige, enttäuschte Menschen. Das liebe ich“, soll David Bowie über Berlin gesagt haben – und blieb konsequenterweise gleich drei Jahre hier wohnen. Mit seinem Nachbarn Iggy Pop versumpfte er regelmäßig im „Anderen Ufer". Auch heute befindet sich in der Hauptstraße 157 noch eine Bar, inzwischen heißt sie allerdings das „Neue Ufer". Welche Whisky-Sorte Bowie hier trank, ist leider nicht überliefert.

Wo?Neues Ufer, Hauptstraße 157, 10827 Berlin.

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Das Berliner Zimmer

Das sogenannte Berliner Zimmer ist Bestandteil fast jeder größeren Altbauwohnung und stellt deren Bewohner bei Einrichtung und Nutzung vor große Herausforderungen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele Wohnungen mithilfe eines Durchbruchs zum Seitenflügel vergrößert. Dieses Zimmer am Ende des Flures nennt man Berliner Zimmer: Es ist ein langgestrecktes Durchgangszimmer mit vielen Türen.

Zu allem Unglück ist es auch meist noch recht duster, da das einzige Fenster ganz hinten in der Ecke zum Hof zeigt. Das Berliner Zimmer wird oft als Wohnzimmer genutzt. Wegen der prekären Lichtverhältnisse baumelt in fast allen ein großer Kronleuchter von der Decke.

Wo? Einfach mal im Freundeskreis herumfragen. In größeren Altbauwohnungen immer am Ende des Flurs zu finden. Oder hier: Museumwohnung Pankow, Heynstraße 8, 13187 Berlin.

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Die Mensa der Kunsthochschule

Über Berliner Kantinen, Mensen und Betriebsgaststätten könnte man ein eigenes Buch schreiben. Hier stellen wir eine Mensa mit einem schönen und schlichten Design vor. Bauhaus-Fans werden von dem Ausflug nach Berlin-Weißensee begeistert sein: In der Kunsthochschule am Hamburger Platz öffnet von Montag bis Freitag täglich ab neun Uhr die Mensa und Caféteria der Kunsthochschule. Bauhausarchitekt Selman Selmanagi? – auch Leiter des Fachgebietes Architektur an der Hochschule – entwarf in den Fünfzigern den Neubau für die Hochschule für angewandte Kunst in Weißensee.

Wo?Mensa in der Kunsthochschule Weißensee, Bühringstraße 20, 13086 Berlin.

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Wo der Rainer mit der Uschi...

1969 löste sich die Kommune 1 auf. Davor war sie bereits vier Mal umgezogen. Das letzte Jahr bewohnten die Kommunarden um Rainer Langhans und Uschi Obermaier eine 100 Quadratmeter große Fabriketage in Moabit. Hier scheiterte der Versuch, das Politische und das Private zu revolutionieren. Am Ende gaben Langhans und Obermaier Interviews zu ihrem Liebesleben. Heute kann man die K 1 als Feriendomizil mieten - für 222 pro Nacht. Das Ehepaar Barré wohnt seit 1997 in der Remise und hat diese nach und nach saniert.

Wo? Stephanstraße 60, 10559 Berlin. Infos über www.berlinlofts.de

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Das Dong Xuan Center

Berlins größter Asiamarkt befindet sich in Lichtenberg, nur 15 Minuten mit der Tram vom Alex entfernt. Das Lichtenberger Dong Xuan Center wurde nach Vorbild des ältesten und größten Marktes in Hanoi gebaut. Vor allem die große vietnameische Gemeinde nutzt diesen Markt als kulturellen und kommerziellen Treffpunkt in Berlin.

Hier geht man zum Friseur, trinkt Tee, isst typisch vietnamesische Gerichte, kauft exotische Gewürze oder chinesische Winke-Katzen. Nach der Wende sind viele Vietnamesen, die als Gastarbeiter in der DDR lebten, arbeitlos geworden. Einer von ihnen hat diesen Markt gegründet. Wollen Sie wissen, wie die vietnamesische Nationalsuppe Phò Bo wirklich schmecken sollte? Dann ab nach Lichtenberg.

Wo?Dong-Xuan-Center, Herzbergstr. 128-139, 10365 Berlin. Täglich 10 bis 20 Uhr geöffnet, Dienstag ist Ruhetag.

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Verein zur Dokumentation der DDR-Alltagskultur e.V.

Noch ein DDR-Museum? Nein. Elke Matz stellt in ihrem kleinen Laden Intershop 2000 (einem ehemaligen Konsum) in Friedrichshain Fundstücke aus dem DDR-Alltag aus. Begonnen hat alles mit ihrer Liebe zum Mitropa-Geschirr. Heute kann man in dem liebevoll gestalteten „Schaufenster des Ostens" Requisiten, beliebte Ostprodukte und Sammelobjekte ansehen und kaufen.

Wo? Intershop 2000, Danneckestraße 8, 10245 Berlin. Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

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Der Zehner im Olympia-Schwimmbad

Ein Tipp zum Vormerken für den Frühling: Dann zeigt sich im Olympia-Schwimmbad wieder, wer wirklich Mumm in den Knochen hat. „Haste Traute?“ fragen sich die Halbstarken im Freibad gegenseitig und dann beginnt der Zirkus. Wer traut sich, von welchem Sprungbrett zu springen? Wer imponiert den Gaffern, die lieber unten am Beckenrand bleiben?

Und den Mädchen, die aufmunternd zurufen: „Dit schaffste schon!" Zuerst öffnet der Bademeister den Fünfmeter-Sprungturm, der Fünfer. Der schwindelerregende Spaß steigert sich über siebeneinhalb Meter bis zum Zehn-Meter-Sprungturm. Wer traut sich?

Wo? Olympia Schwimmbad, Olympischer Platz 1, 14053 Berlin. Nur von Mai bis August, täglich 7 bis 20 Uhr.

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Die beste Jukebox der Stadt

Wer noch nie seine Münzen in der Jukebox der Ankerklause versenkt und mit pochendem Herzen auf die ersten Töne seines Lieblingslieds gewartet hat, der kann das nachholen. Denn unverrückbar steht die Jukebox dem Tresen gegenüber, immer mit guter Musik bestückt - wenn auch keine stilechten Sixties-Schmonzetten, sondern Songs von Seeed oder Michael Jackson.

Nachts kann es etwas dauern, um endlich mal auswählen zu dürfen, aber irgendwann kommt jeder dran. In Zeiten von Spotify-Playlists eine echte Entschleunigung. Und man hat einen weiteren Grund, doch noch ein Bier zu trinken.

Wo?Ankerklause, Kottbusser Damm 104, 10967 Berlin.

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Knutschen im Foto-Automaten

Warum sind diese Automaten – auch in Zeiten von Smartphone-Kameras – so beliebt? Es gibt zwei schlagkräftige Gründe: Man sieht immer gut aus, da die leicht überbelichteten Fotos kein Interesse an Pickeln und Augenringen haben und man hat den Schwarzweiß-Fotostreifen mit vier Fotos sofort in der Hand.

Nutzer teilen ihn und so hat jeder gleich eine handfeste Erinnerung im Portemonnaie stecken. Handy geklaut? Laptop kaputt? Egal! Die Fotostreifen überstehen alles und sind eine schöner Erinnerung an Spaziergänge, Kinobesuche oder durchfeierte Nächte.

Wo? Es gibt viele Fotoautomaten in Berlin. Einer steht auf dem Hof der Kulturbrauerei, einer an der Falckensteinstraße/Ecke Schlesische Straße in Kreuzberg. Hier ist eine Karte mit weiteren Automaten.

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Das Buch „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss“ ist im Emons-Verlag erschienen und kostet 14,95 Euro.