Seit Wochen läuft eine öffentliche Debatte über die angeblich drohende Spaltung der Gesellschaft, weil gegen das Coronavirus Geimpfte ihre Rechte zurückerhalten sollen, während Nichtgeimpfte – eventuell, womöglich und vielleicht – nicht im gleichen Umfang alle diese Rechte werden genießen können. Alles im Konjunktiv und so, als müsse im endlich wachsenden Impf-Erfolg gegen die Pandemie schon die nächste Katastrophe heraufbeschworen werden. Dafür, dass diese Debatte übers Ziel hinausschießt, spricht das eigene Umfeld: Darunter sind ein paar Erst- und wenige vollständig Geimpfte, die meisten haben noch gar keine Impfung erhalten, viele noch keinen Termin.

Trotzdem gehen alle weitgehend entspannt mit der Situation um – mal mehr, mal weniger genervt zwar, aber ob nun jemand ein paar Tage früher im Café sitzt, als man selbst, ist dann doch eher egal. Auch wer komplett geimpft ist, scharrt nicht mit den Hufen, sondern will sich selbst nach weiteren Lockerungen noch zurückhalten. Die einen aus Solidarität mit Ungeimpften, die anderen, weil man sich eben doch erst langsam wieder an so etwas wie Normalität wird gewöhnen müssen.

Bis auch hier eine Ausnahme auftaucht und vorschlägt, am Tag ihrer bevorstehenden Öffnung sogleich die Außengastronomie aufzusuchen. So eine Entscheidung ist jedem und jeder selbst überlassen. Es ist sicherlich gut für die  Wirte, wenn sie endlich wieder Gäste begrüßen können. Aber so gut die Argumente für einen Besuch sind, so gut sind auch jene, die dagegen sprechen. Mutanten, zum Beispiel. Pro oder Contra, das sollte eine individuelle Entscheidung bleiben, solange niemand, der möchte (oder eben nicht möchte) zum Gegenteil gezwungen wird.

Auf die Absage mit Verweis auf den fehlenden Impfschutz bei gleichzeitig absehbarem Impftermin folgt jedoch eine etwas flapsige Reaktion. Bei den letzten Treffen im August und Oktober vergangenen Jahres sei man ja schließlich auch noch nicht geimpft gewesen. Also, nur so zur Erinnerung. Wie ein Kind, das bockig wird, weil die anderen nicht zum Spielen rauskommen wollen. Droht die Spaltung am Ende eher dort, wo abwartende Menschen als Spaßbremsen gelten und sich für ihre Vorsicht rechtfertigen müssen?