Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr an der Unfallstelle am Bahnhof Zoo. 
Foto: dpa/Paul Zinken

BerlinNach einem schweren Unfall am Berliner Bahnhof Zoo werden drei schwer verletzte Obdachlose weiter in Kliniken behandelt. Der Fahrer eines Geländewagens kam nach seiner Vernehmung wieder auf freien Fuß, wie die Polizei am Montag mitteilte. Bei dem Crash am Sonntagmorgen wurden neben den auf der Straße lebenden Männern auch drei Passanten leicht verletzt. Der 24-Jährige hatte beim Abbiegen die Kontrolle über das massive Auto verloren und war in die Gruppe gerast. Der Fahrer soll viel zu schnell unterwegs gewesen sein.

Der Fall ist inzwischen der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Es werde von einem Unfall ausgegangen. Ermittelt wird wegen Gefährdung des Straßenverkehrs sowie fahrlässiger Körperverletzung, sagte eine Sprecherin. Zunächst hatte die Polizei Ermittlungen wegen versuchten Totschlags und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr aufgenommen.

Der unverletzte Fahrer war nach dem Unfall zunächst festgenommen worden, noch am Sonntag konnte er aber den Polizeigewahrsam wieder verlassen. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. 

Laut Polizei gibt es bislang keine Erkenntnisse, dass der 24-Jährige vom Unfallort flüchten wollte. Es lägen auch keine Hinweise vor, dass er in suizidaler Absicht mit dem Wagen in die Gruppe krachte, so der Sprecher. Dies habe sich aus der Vernehmung des Mannes ergeben.

Ein Atemalkoholtest hatte laut Angaben etwa 0,7 Promille ergeben. Der Wagen wurde beschlagnahmt. Dem Mann sei auch Blut abgenommen worden. Es gebe keine Hinweise auf eine «Intoxikation durch Betäubungsmittel», hieß es.

Bislang gebe es keine Hinweise auf eine politische oder religiöse Motivation, hieß es bei der Polizei. Auf einen Anschlag habe nichts hingedeutet. Auch ein illegales Autorennen wurde nicht angenommen.

Die Schwerverletzten sollten noch zu dem Unfall befragt werden. Zwei Obdachlose konnten noch nicht identifiziert werden, der dritte ist 32 Jahre alt. Bislang waren zwei der Männer wegen ihrer Verletzungen nicht ansprechbar.

Einer von ihnen schwebte laut Polizei am Sonntag in Lebensgefahr, über seinen Zustand wurde am Montag zunächst nichts bekannt. Er war laut Feuerwehr unter dem Fahrzeug eingeklemmt worden und musste nach der Bergung reanimiert werden.

Zeugen hatten laut Polizei beobachtet, dass der Mann deutlich zu schnell unterwegs gewesen sei. Darauf deuteten auch die Spuren am Unfallort hin. Zum Stehen kam der Wagen schließlich an einem Briefkasten - die Wucht des Aufpralls riss diesen aus der Verankerung.

Wer laut Strafgesetzbuch den Straßenverkehr gefährdet und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, kann mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe sanktioniert werden.