Ailenys T. konnte der Betrug nicht nachgewiesen werden. Sie wird lediglich wegen Geldwäsche in zwei Fällen zu einer Geldstrafe verurteilt. 
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BerlinDie Freundschaftsanfrage bekam Heiderose D. im Juli 2018 auf Facebook. Ein „General Bryan Adams“ hatte sich bei ihr gemeldet. Auf dem Foto schaute der Seniorin aus Hessen ein junger hochdekorierter Soldat entgegen. Eigentlich, so sagt es Heiderose D. an diesem Donnerstag vor dem Amtsgericht Tiergarten, nehme sie keine Freundschaftsanfragen von Leuten an, die sie nicht kenne. Hier sei sie aber irrtümlich auf annehmen gegangen. Heiderose D. erfuhr, dass dieser Bryan Adams in Afghanistan stationiert sei und eine Tochter habe. Irgendwann erkundigte sich der angebliche General, ob Heiderose D. verheiratet oder einsam sei und Kinder habe. Darauf habe sie nicht geantwortet, erklärt die 72-Jährige.

Erst im Herbst 2018 wurde sie aktiv und verlor viel Geld an den imaginären US-Militär. Sie fiel auf einen Betrug herein, um den es an diesem Tag vor Gericht geht und für den sich die 33-jährige Ailenys T. verantworten muss. Laut Anklage soll sie der angebliche Afghanistan-General sein und auch später noch versucht haben, eine Frau aus Stuttgart zu betrügen.

Mitte Oktober, so berichtet die Seniorin, habe ihr „General Bryan Adams“ geschrieben, dass er in den Norden Afghanistans verlegt werde, und dass es dort viele Tote und Verletzte geben würde. Er erklärte, dass sein Geld nun nicht mehr sicher sei und er sein Vermögen in Höhe von 935.000 US-Dollar zu Heiderose D. schicken wolle. Er bat sie, das Geld für ihn aufzubewahren. „Ich habe zuerst abgelehnt“, sagt die Frau nun. Aber er habe sie mehrfach gebeten, das Paket mit dem Geld entgegenzunehmen. Er würde es mit einem Kurier schicken.

Der angebliche Kurier erschien nicht zum vereinbarten Termin. Am nächsten Tag teilte ihr „General Bryan“ mit, dass sie für das Paket erst eine Flughafengebühr von 2600 Euro zahlen müsse. Heiderose D. überwies das Geld. Doch das reichte nicht. Nun sollte die Frau auch noch ein „Antiterrorzertifikat“ begleichen. Kosten: 9480 Euro. Sie habe es getan, weil ihr der „General“ 100.000 Euro versprochen habe, so die Zeugin. Mit ihrem Mann habe sie über das „Antiterrorzertifikat“ nicht gesprochen. Das Geld überwies sie nach Berlin, auf das Konto der Angeklagten.

Ailenys T. bestreitet, der General zu sein

Ailenys T. muss sich vor Gericht wegen gewerbsmäßigen Betrugs verantworten. Die Mutter eines kleinen Kindes bestreitet, sich als „General Bryan Adams“ ausgegeben zu haben. Sie lebt vom Geld ihres Mannes und dem Kindergeld. In der Anklage wird ihr zudem noch ein versuchter Betrug vorgeworfen. Sie soll bei einer Frau in Stuttgart angerufen und für die Kinderkrebshilfe Namibia eine Spende von 2800 Euro gefordert haben. Das Geld sollte wieder auf das Konto von Ailenys T. überwiesen werden. Dazu kam es nicht mehr, weil der Sohn des Opfers die Überweisung stoppte.

Die Anwältin der Angeklagten gibt für ihre Mandantin eine Erklärung ab. Danach will die 33-Jährige im Oktober 2018 in einer Bar in der Torstraße in Mitte einen jungen Syrer namens Hassan kennengelernt haben. Beide seien ein Paar geworden. Hassan habe Ailenys T. erzählt, er sei Automechaniker, habe in Syrien eine Werkstatt besessen und wolle sich nun in Neukölln selbstständig machen.

Dieser Hassan habe Ailenys T. berichtet, dass ihm Bekannte ein Darlehen gewähren wollten. Da er noch kein Konto habe einrichten können, habe er die Angeklagte gefragt, ob sie nicht ihr Konto zur Verfügung stellen könne. „Sie hat im guten Glauben eingewilligt“, sagt die Anwältin. Nach und nach hob die Angeklagte das Anfang November eingegangene Geld ab, dass Heiderose D. für den „General Bryan Adams“ eingezahlt hatte. Mal waren es 500 Euro, mal 6000 Euro. Insgesamt kamen so mehr als 12.000 Euro zusammen.

Hassan habe sich nach und nach zurückgezogen. Er sei nicht mehr erreichbar gewesen. „Meine Mandantin hat sich zu keinem Zeitpunkt auf Facebook als General ausgegeben, sie habe auch nie um Geld für die Kinderkrebshilfe Namibia geworben“, sagt die Anwältin.

Angeklagte ließ sich einwickeln

Als die Richterin den vollen Namen von Hassan oder die Adresse des Mannes wissen will, schüttelt Ailenys T. bedauernd dem Kopf. Sie sei nur einige Male in der Wohnung eines Freundes von Hassan in Neukölln gewesen. Den Weg dorthin würde sie heute nicht mehr finden. „Ich stelle fest, sie kannten den Mann gar nicht, und dann stellen sie ihm ihr Konto zur Verfügung?“, fragt die Richterin. Sie habe nicht gewusst, wie gefährlich das sein könne, antwortet die Angeklagte.

Am Ende der Verhandlung wird Ailenys T. wegen Geldwäsche in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt. Zudem wird die Einziehung der 12.080 Euro angeordnet, die von Heiderose D. auf ihrem Konto landeten. Ebenso wie die 14.000 Euro, die wenig später auf ihrem Konto eingingen. Die Betrugstaten konnten der Angeklagten nicht nachgewiesen werden. Mit dem Urteil bleibt die Richterin etwas unter der vom Staatsanwalt geforderten Geldstrafe von 1800 Euro. Die Anwältin der Angeklagten hatte Freispruch beantragt.

Die Richterin sagt in ihrem Urteil, Ailenys T. hätte ihr Konto nie zur Verfügung stellen dürfen. Sie hätte davon ausgehen müssen, dass das Geld aus strafbaren Handlungen stammte. Die Angeklagte habe sich von dem ominösen Hassan einwickeln lassen, einem Typen, „der ihnen etwas vom Pferd erzählt“. „Hassans Story hätte sie von Anfang an misstrauisch machen müssen.“

Die betrogene Heiderose D. zeigt sich vor Gericht sichtlich enttäuscht, dass es solche Betrüger gebe, auf die sie hereingefallen sei. Ihr Geld, die an „General Bryan Adams“ überwiesenen 12.080 Euro, möchte sie gerne wiederhaben. Die Chancen dafür stehen nicht wirklich gut.