Berlin - Der spektakulär anmutende Überfall auf einen Geldtransporter  im Oktober in Mitte scheiterte nicht nur grandios, weil die Täter ohne Beute ausgingen. Jetzt hat auch noch einer der Tatverdächtigen seine Komplizen an die Polizei verraten. 

Am Donnerstagmorgen vollstreckten Ermittler des Raubdezernats und Beamte eines Spezialeinsatzkommandos in Mariendorf einen zweiten Haftbefehl, den zuvor ein Richter erlassen hatte: Der 32-jährige beschuldigte Abdallah T. soll ein Helfer der Täter sein, die am 19. Oktober in der Schillingstraße nahe dem Alexanderplatz einen Geldtransporter überfallen haben. Nach Angaben von Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft, wird er der Beihilfe zum schweren Raub dringend verdächtigt.

Ein Klein-Schauspieler

Nach Informationen der Berliner Zeitung wurde Abdallah T. im libanesischen Tyros geboren. Seine Staatsangehörigkeit ist ungeklärt. Er lebte in Berlin zusammen mit einer Frau und Kindern. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung im Hochparterre eines Mietshauses stellten die Beamten umfangreiche Beweismittel sicher.

Abdallah T. ist nach Angaben von Ermittlern mit einem polizeibekannten palästinensisch-libanesischen Clan verbandelt. Mitglieder dieser Großfamilie fallen seit Jahren immer wieder durch Überfälle, Einbrüche, Zuhälterei und Gewalttaten auf. Nach Schätzung der Polizei leben vermutlich 200 bis 300 Mitglieder der Großfamilie in Berlin. Vor einigen Jahren verdiente Abdallah T. auf legale Weise Geld. Er spielte unter anderem als Klein-Schauspieler in einem Film über einen Musiker.

Für den Transporterüberfall soll er laut Staatsanwaltschaft als „Logistiker“ der Bande ein Tatfahrzeug und die Hydraulikwerkzeuge besorgt haben, die zur Öffnung des Geldtransporters erforderlich waren. 

Vom Komplizen verraten

Neben weiteren Ermittlungserkenntnissen stütze sich der dringende Tatverdacht vor allem auf die geständigen Angaben eines Mitbeschuldigten, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Bereits am vergangenen Freitag haben SEK-Beamte den 38-jährigen, ebenfalls aus dem Libanon stammenden Suphi S., der  in einer geräumigen Villa in Mariendorf wohnte, verhaftet. Gegen ihn hatte ein Richter Haftbefehl nicht nur wegen schweren Raubes, sondern auch wegen versuchten Mordes erlassen.

Insgesamt fünf Vermummte hatten am Morgen des 19. Oktober in der Schillingstraße den Geldtransporter gestoppt und ausraubt. Währenddessen wurden die beiden Wachleute darin mit einer Kalaschnikow bedroht.

Geldkisten zurückgelassen

Ein Funkstreifenwagen, der zufällig in der Nähe war, nahm die Verfolgung der flüchtenden Räuber auf. Es folgte eine wilde Verfolgungsjagd durch Mitte. Als der Funkwagen in der Neuen Grünstraße aus einem der beiden Fluchtfahrzeuge  heraus beschossen wurde, mussten die Polizisten die Verfolgung abbrechen.

Während der Flucht verursachte der  Fahrer eines der Fluchtautos einen Unfall, weshalb ein Reifen platzte. Die Täter stiegen in das zweite Fahrzeug um und ließen die erbeuteten Geldkisten im kaputten Wagen zurück.

Ob es der in Untersuchungshaft sitzende Suphi S. war, der die Mittäter verriet, wollte Staatsanwaltschafts-Sprecher Steltner nicht sagen. „Es war einer der Mitbeschuldigten“, sagte er lediglich. Auch Suphi S. soll enge Verbindungen zu dem Palästinenserclan haben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels schrieben wir im letzten Absatz, dass Suphi S., der in Untersuchungshaft sitzt, geständig sei. Nach Angaben seines Anwalts ist Suphi S. keineswegs geständig sondern bestreitet jedwede Tatbeteilgung.