Luft nach oben: Beim Schulessen gibt es deutliches Entwicklungsotenzial. 
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MUTTER: Die Grünen wollen eine Ernährungswende: klimafreundlich, sozialgerecht und ohne Massentierhaltung. Das soll in Berlin das Essen in den Kantinen der Schulen und Kitas revolutionieren. Die Kantine ist allerdings so ziemlich der letzte Ort, an dem ich gutes Essen vermute.

TOCHTER: Aber das ist ja nur ein Anfang. Soll es auch einen vegetarischen oder veganen Tag in der Woche verpflichtend für Schulen, Kindergärten und Berufsschulen geben?

Weiß nicht. Den Vorschlag gab es jedenfalls schon mal. Das gab damals eine riesige Empörung.

Weil es bevormundend ist?

Ja, genau. Ich glaube allerdings, dass sich bei diesem Thema einiges geändert hat. Es wird nicht mehr so viel Empörung geben. Es werden sich natürlich immer noch Leute aufregen, weil sie es als Bevormundung empfinden.

Oft ist nicht so entscheidend, dass die Leute kein Fleisch kriegen, sondern dass sie kein Fleisch kriegen können. Vielleicht würden sie, wenn sie die Auswahl zwischen Suppe und Steak haben, die Suppe nehmen, weil sie gestern schon Fleisch hatten. Wenn es aber am vegetarischen Tag nur Suppe und Salat gibt, empfinden sie es als bevormundend, obwohl sie vielleicht gar keine Lust auf Fleisch haben. Das ist eine Grundsatzdiskussion, die keinen weiter bringt.

Zumal ja jeder trotzdem noch zum Frühstück oder Abendbrot Fleisch essen könnte. Es wäre ja nur in der Kantine kein Fleisch. Wie ist das denn bei euch in der Schule?

Es gibt immer zwei Gerichte und man kann sich aussuchen, was man nimmt. Aber ich bin ganz lange nicht mehr dort gewesen.

Du gehst nicht hin, weil es dir nicht schmeckt. Das hat mit Fleisch oder nicht Fleisch nichts zu tun.

Ja, aber das liegt am Anbieter. Es gibt ja auch Schulkantinen, die gutes Essen machen oder selber kochen. Die sind natürlich dann vielfältiger, können selbst entscheiden, ob sie Fleisch oder kein Fleisch verkaufen wollen. Aber die großen Anbieter müssen sich nach ihren Kunden richten, und wenn die Kunden sagen, wir wollen jeden Tag Fleisch zumindest als Angebot haben, dann liefern sie das.

Aber aus Sicht der Schulen ist es doch eine gute Idee, in den Schulkantinen weniger oder gar kein Fleisch anzubieten.

Ich finde auch, dass es eine gute Idee ist. Vor allem, weil es Kinder sind. Erwachsene sind so eingefahren, die lassen sich vielleicht nicht mehr umstimmen. Die wollen jeden Tag Fleisch und wollen das dann auch als Prinzip durchsetzen – das hab ich immer schon so gemacht und das ist dann auch gut so. Aber Kinder und Jugendliche, wenn man denen erklärt, dass man jetzt einen vegetarischen Tag hat und warum, dann verstehen die das auch. Dann nehmen die das eher an, als Erwachsene. Und gut ist auch, dass sie es dann gewöhnt sind, weniger Fleisch zu essen, so dass sie es auch von sich aus wollen, wenn sie irgendwann ausziehen. Sie wollen dann nicht mehr so viel Fleisch und auch nicht so viel essen. Deshalb finde ich es bei Kindern, also in Grundschulen und weiterführenden Schulen, sinnvoller als in Firmen bei Erwachsenen in der Kantine.

Wie ein Bildungsprogramm also. Aber leider hast du die Erwachsenen offenbar schon aufgegeben.

Bei Erwachsenen wird es aus Prinzip mehr Widerstand geben. Kinder und Jugendliche sind zugänglicher für Argumente, weil sie nicht schon seit 20 Jahren Fleisch essen. Sie setzen sich damit auseinander und fragen dann zuhause, warum es da keinen vegetarischen Tag gibt. Es muss natürlich auch schmecken.