Genervte Anwohner : Stress auf der Mauerpark-Spielwiese

Jeden Sonntag wird der Mauerpark zum Tummelplatz für tausende Menschen. Berliner und Touristen schlendern über den Trödelmarkt, sie schauen sich die Karaoke-Shows von Joe Hatchiban an, sitzen auf der Wiese und tanzen zur Musik der vielen Bands und Trommler. So geht das schon viele Jahre. Je schöner das Wetter, desto voller wird es im Party-Park. Bands, Trommelgruppen, Liedermacher, Elektro-Musiker – fast könnte man meinen, jeden Sommersonntag findet ein Festival statt. Doch mit der entspannten Sonntagsstimmung ist es jetzt erst einmal vorbei.

Die Bewohner der nahen Häuser sind von der lauten Musik im Mauerpark zunehmend genervt. Sie beschweren sich über den „durchdringenden Trommellärm bis tief in die Nacht“ und die elektronisch verstärkte Musik. „Bei aller Lebendigkeit und Gemeinschaft müssen Anwohner mit ihren Familien und Kindern auch ein Recht auf einen Sonntag ohne Party und auf Ruhe und Schlaf in den Abend- und Nachtstunden haben“, hat die Bürgerinitiative Mauerpark auf ihr Flugblatt geschrieben. Sie ruft die Nachbarn auf, sich beim Ordnungsamt Pankow und der Polizei über die laute Musik zu beschweren. Und so sind in den vergangenen Wochen beim zuständigen Ordnungsamts-Stadtrat Daniel Krüger (für AfD) mehr Beschwerden angekommen als üblich.

Im Ordnungsamt fehlen Mitarbeiter

Nun ist es in Berlin nicht verboten, in der Öffentlichkeit Musik zu machen, doch Musiker, die mit Verstärker spielen, benötigen eine Genehmigung. In Grünanlagen ist das Musizieren nicht erlaubt. Weil der Mauerpark aber mehr als eine Grünanlage sei, habe der Bezirk die Musiker im Mauerpark bisher jahrelang geduldet. Die einzige offiziell genehmigte Veranstaltung ist die bekannte Karaoke-Shows von Joe Hatchiban. 23 Veranstaltungen pro Jahr sind aktuell gestattet, maximal 60 wären rein rechtlich möglich, doch das würde dem Ruhebedürfnis der Anwohner widersprechen, so der Bezirk.

Stadtrat Krüger sagt, regelmäßige Kontrollen könne seine Behörde sonntags wegen fehlender Mitarbeiter nicht durchführen. Doch an den vergangenen Sonntagen haben Mitarbeiter des Ordnungsamts mit Hilfe der Polizei gleich mehreren Musikern die Instrumente und die Verstärkeranlagen weggenommen. Sie wurden zudem wegen einer Ordnungswidrigkeit angezeigt. Die Musiker müssen nun mit einem Bußgeld rechnen. Oder auch nicht: Denn weil die Musiker, wie Stadtrat Krüger sagt, oft aus der ganzen Welt zu einem Auftritt in den Mauerpark anreisen und oftmals keinen Wohnsitz in Deutschland haben, fehle dem Ordnungsamt eine Zustelladresse.

Kultur und Ruhe in friedlicher Koexistenz

Von Lärm im Mauerpark will Laura Hoo nicht sprechen. Für die finnische Liedermacherin ist es laute Musik. Doch sie kann die Beschwerden der Anwohner gut verstehen. „Es muss sich was ändern, damit es weitergeht. Auch für die nächste Generation von Straßenmusikern soll der Mauerpark ein sicherer Spielort sein.“ Laura Hoo hat mit anderen Straßenmusikern und Anwohnern die Initiative „Save Mauerpark“ gegründet und an Sonntagen gegen das Spielverbot protestiert. „Bisher galt der Mauerpark als sicherer Ort für Straßenmusiker“, sagt sie. Die Initiative spricht von einer „nachhaltigen Straßenmusikkultur“, zu der auch Verstärker gehören. „Wir haben noch keine Antwort, aber wir wollen eine Lösung.“ Über alle Fragen und Probleme wollen die Musiker mit den Anwohnern sprechen.

Am 6. November haben Anwohner und Musiker dazu Gelegenheit. Dann tagt zum zweiten Mal der Runde Tisch Mauerpark, an dem sich auch Politiker und Mitarbeiter der Behörden beteiligen. „Der Ball liegt ganz deutlich im Feld der Politik“, sagt Alexander Puell vom Verein Freunde des Mauerparks. „Sie muss einen Weg finden, wie die legitimen Interessen nach Kultur wie auch Ruhe friedlich koexistieren können, selbst wenn Berlin wächst und Freiräume dadurch knapp werden.“

Auf Beschwerden reagieren

Erste Ideen gibt es bereits. So schlägt Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) vor, bestimmte Bereiche des Parks für kulturelle Zwecke zu reservieren. „Wir sollten versuchen, Bereiche zu schaffen, in denen Dinge möglich sind, die an anderen Orten nicht möglich sind.“ Der Mauerpark stehe für Berlin. „Wir können nicht eine der letzten großen Spielwiesen der Stadt abschaffen. Aber wir müssen auf die Anwohnerbeschwerden reagieren.“ Der Bezirk wird Lärmmessungen durchführen.

Auch Stadtrat Krüger will das Musizieren in ausgewiesenen Bereichen erlauben. Ein Kompromiss müsse gefunden werden. Er sagt, nächstes Jahr sollen an allen Sonntagen Ansprechpartner der Behörden im Mauerpark unterwegs sein. Dafür müsse es Unterstützung vom Senat geben. Denn der Mauerpark sei eine Touristenattraktion von ganz Berlin, nicht nur von Pankow.