Gentrifizierung in Berlin Friedrichshain: 20 Euro pro qm: Schöner Wohnen für Studenten

Friedrichshain ist beliebt bei Studenten. In kaum einem anderen Stadtteil Berlins leben mehr künftige Akademiker als dort. Entsprechend begehrt sind Unterkünfte für Studenten. Doch preisgünstige Angebote gibt es kaum. Wohnungen um die 30 Quadratmeter sind selten unter 320 Euro nettokalt zu haben. Bei WG-Zimmern sieht es ähnlich aus. Im Internet werden ein sechs und ein acht Quadratmeter großes WG-Zimmer für jeweils 340 Euro offeriert, ein weiteres Zimmer mit 25 Quadratmetern soll 460 Euro kosten.

Kein Wunder also, wenn auch Investoren den Markt für Studentenwohnen für sich entdecken. So wie das Unternehmen Cresco Capital Studenthouse Projektentwicklung GmbH. Die Firma, die seit Mitte August 2013 im Handelsregister eingetragen ist, will ein altes Bürohaus an der Warschauer Straße/Karl-Marx-Allee zum Studentenwohnheim umbauen. Der Gebäuderiegel, in dem zuletzt die Oberfinanzdirektion und die Bundesbauverwaltung residierten, liegt in bester Friedrichshain-Lage, fußläufig zu den Ausgehkiezen Boxhagener Platz und Ostkreuz.

Entschiedener Widerstand

„Wir wollen das Gebäude entkernen und auf dem Hof zwei Neubauten errichten“, sagt Alexander Bürk, Geschäftsführer von Cresco Capital. 478 möblierte Zimmer für knapp 500 Studenten sind geplant, im Erdgeschoss soll es ein Sportstudio, Läden, ein Restaurant und eine Apotheke geben, im Keller ist eine Kegelbahn mit Bar geplant. „Wir wollen mit dem Wohnheim dazu beitragen, dass große Wohnungen, die als WGs genutzt werden, wieder für Familien zur Verfügung stehen“, sagt Bürk.

Doch die Pläne stoßen bei den Verantwortlichen im Bezirk auf entschiedenen Widerstand. Denn die Zimmer im Wohnheim sind teuer. Genaue Zahlen wollte Bürk nicht nennen, doch die Rede ist von 20 Euro pro Quadratmeter nettokalt. Viel zu hoch, finden die Bezirksverordneten. Von einer „Hochpreis-Gelddruckmaschine“ ist die Rede. Der SPD-Politiker John Dahl: „Eigentlich sollte ein Wohnheim ja für jene gedacht sein, die sich teure Wohnungen nicht leisten können. Aber 400 Euro nettokalt für 19 Quadratmeter ist unangemessen.“

"Eine Unverschämtheit"

Auch im Studentenwerk Berlin, das in der Stadt gut 9000 Wohnheimplätze bewirtschaftet, ist man entsetzt. „Solche Preise sind eine Unverschämtheit“, sagt Sprecher Jürgen Morgenstern. Allerdings seien sie keine Ausnahme: Da Berlin bei der Versorgung mit Wohnheimplätzen an letzter Stelle im Bundesvergleich liege, versuchten Investoren zunehmend, diese Unterversorgung für sich zu nutzen. Laut Morgenstern hat ein Student in Berlin derzeit durchschnittlich rund 921 Euro monatlich zur Verfügung. Beim Studentenwerk kostet ein möbliertes Zimmer im Durchschnitt 199 Euro warm. Auf der Warteliste stünden mehr als 1500 junge Leute, sagt er. „Wir möchten, dass die Politik endlich zu ihrer Zusage steht, in der Stadt 5 000 neue Plätze für Studierende in Hochschul- und Innenstadtnähe zu schaffen.“

In Friedrichshain ist Cresco Capital mit seinen Plänen erst mal abgeblitzt. Die soziale Komponente werde vermisst, heißt es. Die Bezirksverordneten, die Bauprojekten zustimmen müssen, fürchten auch, dass sich das allgemeine Mietniveau im Viertel erhöht, wenn das Heim so hochpreisig ausfällt. Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) hofft auf eine Überarbeitung des Konzepts. Er sagt: „Es sollte sich schon einfügen in unsere Planungen, in diesem Gebiet vor allem preisgünstiges Wohnen zu ermöglichen.“