Berlin - Seit zwei Wochen liegen die Listen aus, mehr als 800 Menschen haben sich schon eingetragen. Mit ihrer Unterschrift protestieren sie gegen die Kündigung ihres Kiez-Cafés „Filou“ an der Reichenberger Straße 86 in Kreuzberg. Der kleine Laden an der Ecke zur Glogauer Straße, den es dort seit 20 Jahren gibt, soll im Sommer geschlossen werden. Die Londoner Eigentümer haben fristgemäß zum 31. Juli gekündigt. Der Gewerbemietvertrag, so wurde den Café-Betreibern mitgeteilt, werde nicht verlängert.

„Uns wurde bedeutet, der Laden passe nicht mehr ins Konzept des Kiezes, es sei nicht schick genug“, sagt Nadja S. Sie betreibt das Kiez-Café gemeinsam mit ihrem Mann Daniel S. seit 15 Jahren. Beide haben drei Kinder und beschäftigen drei Angestellte. Das „Filou“ mit der markanten blau-weißen Markise vor dem Schaufenster ist weit und breit der einzige Laden im Reichenberger Kiez, in dem man Brot kaufen kann. 14 verschiedene Sorten Brot und zirka 20 Sorten Brötchen sind im Angebot, aber es gibt auch Kleinigkeiten zur Mittagszeit wie selbstgemachte Suppen, Wiener Würstchen und Kartoffelsalat.

Nun ist das Nachbarhaus fertig, nun kommt die Kündigung

Ganz ohne Gegenwehr wollen Sandra und Daniel nicht weichen. Auf Aushängen informieren sie ihre Kundschaft über die Kündigung. Sie hätten ihr Café längst renovieren wollen, sagt Daniel. Aber die Hausverwaltung habe ihnen zuletzt davon abgeraten -  wegen der Baustelle in der Nachbarschaft sei mit erheblichen Beeinträchtigungen und Schmutz zu rechnen. Nun ist das Nachbarhaus fertig, nun kommt die Kündigung.

Dass der Neubau mit der begrünten Fassade an der Glogauer Straße 9, der in den vergangenen zwei Jahren auf dem Gelände eines ehemaligen Autohandels entstand und in dem Ferienwohnungen geplant sind, denselben Eigentümer wie das Nachbarhaus mit dem „Filou“, ist für Magnus Hengge von der Nachbarschaftsinitiative Bizim Kiez kein Zufall. „Die Eigentümer wollen das Maximum aus ihrem gesamten Eigentum herausholen“, sagt er.

Das „Filou“ bringt mit seinen 76 Quadratmetern den Eigentümern derzeit monatlich 1085 Euro bruttokalt ein. „Man hat mir deutlich gemacht, dass dort das Vierfache an Miete möglich ist“, sagt Noch-Pächter Daniel S.

Bizim Kiez und weitere Nachbarschaftsinitiativen rufen zur Solidarität mit den „Filou“-Pächtern auf. Am nächsten Freitag (27.1.) um 19 Uhr ist vor Ort ein Nachbarschaftstreffen geplant, um mögliche Aktionen zu besprechen.