Demonstranten haben am Freitag die Zwangsräumung einer Wohnung in Wedding vorerst verhindert. Etwa 50 Unterstützer der Mieterin hätten der Gerichtsvollzieherin den Weg versperrt, teilte das Bündnis „Zwangsräumung verhindern“ mit. Die Räumung wurde daraufhin verschoben, wie ein Gerichtssprecher bestätigte.

Ob es nun Gespräche mit der Mieterin geben werde, sei nicht klar. Auch einen neuen Räumungstermin nannte er nicht. Die Frau lebt nach Darstellung des Bündnisses seit fast 40 Jahren in ihrer Wohnung – da es zu Missverständnissen wegen der Miete gekommen sei, solle sie nun ausziehen.

Ein Fall von vielen

Der Fall ist einer von vielen. Allein die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen, die sich einer besonderen Verantwortung gegenüber den Mietern verschrieben haben, setzten im vergangenen Jahr 887 Räumungen durch. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine Anfrage des Abgeordneten Oliver Höfinghoff (Piraten) hervor. Mit 252 Wohnungen liegt die Gesobau (39 400 Wohnungen) an der Spitze. Es folgen die Gewobag (57 421 Wohnungen) mit 210 Räumungen, die Degewo (63 370 Wohnungen) mit 198 Räumungen, die Howoge (54 134 Wohnungen) mit 121 Räumungen, die Stadt und Land (39 370 Wohnungen) mit 76 Räumungen und die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (28 041 Wohnungen) mit 30 Räumungen. Nicht immer sind die geräumten Wohnungen noch bewohnt. Sehr häufig erfolgen die Räumungen bei Wohnungen, die von den ehemaligen Mietern bereits verlassen wurden.

Die Gesobau erklärte auf Anfrage, eine Wohnungsräumung sei immer „eine Ultima-Ratio-Maßnahme“. Sie stehe erst am Ende eines langen Vermittlungsprozesses. Wenn dieser Prozess scheitere, liege es unter anderem daran, dass Mieter nicht bereit seien, die ihnen zustehende Unterstützung vom Amt in Anspruch zu nehmen.

Der Piraten-Abgeordnete Höfinghoff kritisiert die landeseigenen Vermieter. „Sie kommen ihrer sozialen Verantwortung nicht nach“, sagte er. Die starke Zunahme von Mietkonflikten der landeseigenen Gesellschaften, die vor Gericht landen, lasse für die Zukunft nichts Gutes erahnen. (mit dpa)