Berlin - Mit einer "Zombie-Parade" haben über tausend Menschen Samstagnachmittag gegen steigende Mieten und die Verdrängung von Bewohnern aus dem Stadtzentrum demonstriert. Anlass für den Protestmarsch war die Räumung des alternativen Wohnprojektes Liebig 14 in Friedrichshain vor einem Jahr. Dort war es zu Krawallen und einem massiven Polizeieinsatz gekommen.

Um 15 Uhr versammelten sich die Teilnehmer des Protestzugs am Bersarinplatz. Fast eine Stunde später setzte sich der Zug in Richtung Rigaer Straße in Bewegung - begleitet von einem enormen Polizeiaufkommen. Rund hundert Mannschaftswagen waren vor Ort, zum Teil aus anderen Städten wie Erfurt. Die Zahl der Demonstranten belief sich nach Polizeiangaben auf etwa 1200 Personen. Das Motto der Demonstration: "Für eine Stadt für alle".

Brachflächen für bezahlbaren Wohnungsbau nutzen

Unter den Demonstranten: Viele junge Menschen und Familien mit kleinen Kindern. Mit weißer Schminke hatten einige Demonstranten ihre Gesichter bemalt und schwangen Totenkopffahnen. Als Untote Verkleidete röchelten hinter Polizeibeamten her.

"Miete verweigern, Kündigung ins Klo, Häuser besetzen sowieso", skandierten die Protestierenden. Eine ihrer Forderungen: Brachflächen sollten für bezahlbaren Wohnungsbau genutzt werden. Viel verändert habe sich in seinem Viertel, meinte ein junger Mann. Er ist in Friedrichshain geboren und arbeitet in einem Buchladen in der Liebigstraße. Um eine weitere Gentrifizierung zu verhindern, sei er bei der Demonstration dabei.

In seinem Urteil nicht so sicher war sich Peter Pohlmann aus Mahrzahn, der die Demonstration zusammen mit Christa Strauß beobachtete. "Ich weiß nicht, ob das Demonstrieren nicht langsam zum Sport wird." Seine Freundin macht sich um ihre Wohnsituation Sorgen. 530 Euro zahlt sie warm für ihre 60 Quadratmeter Wohnung in einer unsanierten Platte im Prenzlauer Berg. "Was bei mir an Miete kommt, wenn saniert wird, weiß ich noch nicht."

Gegen 17 Uhr beendeten die Veranstalter die Demonstration.