Seit Ende Juli vergangenen Jahres sitzt Ali K. auf der Anklagebank. Der 44-Jährige bestreitet, Georgine getötet zu haben. 
Foto: Olaf Wagner

BerlinSie ist vielleicht die letzte Zeugin, die in diesem Prozess um den Mord an der 14 Jahre alten Georgine Krüger aussagt. Tatjana D. ist an diesem Mittwoch extra aus der Schweiz angereist. Sie war zehn Jahre alt, als sie an einem Nachmittag auf der Reinickendorfer Straße in Wedding von einem Autofahrer angesprochen wurde. „Er wollte mich in sein Auto locken“, sagt sie. Doch sie habe sich geweigert.  

Der Autofahrer sei ihr damals hinterhergefahren, sagt sie nun. Er habe sie immer wieder gelockt, sie gefragt, ob sie sich am nächsten Tag nicht treffen wollten. 15 Jahre liegt dieser Vorfall nun schon zurück, sie kann sich nicht mehr an die Farbe des Auto erinnern. Doch die heute 25-Jährige ist sich sicher, als sie auf den angeklagten Ali K. zeigt: „Das war er. Wirklich.“ Er habe dieselben Augen, dieselbe Nase wie jener Mann damals. Sie könne sich gut an das Gesicht erinnern. Tatjana D. erklärt, dass sie sich Gesichter gut merken könne.

Leiche von Georgine Krüger bis heute verschwunden

Der Mann, den sie meint, sitzt auf der Anklagebank. Ali K. soll 2006 ein Nachbarsmädchen, die 14-jährige Georgine Krüger, in seinen Keller in der Stendaler Straße in Moabit gelockt, niedergeschlagen, missbraucht und getötet haben. Das tote Mädchen soll der 44-jährige Vater von drei Kindern dann im Abfallcontainer entsorgt haben. Die Leiche der Schülerin ist bis heute verschwunden. Es fehlt auch ein Geständnis des Angeklagten. Zumindest in diesem Prozess, der Ende Juli begann.  

Trotzdem ist sich die Staatsanwaltschaft sicher, dass mit Ali K. der Mörder von Georgine auf der Anklagebank sitzt. Erst 2017 kamen die Ermittler auf die Spur des Mannes, der schon einmal eine Jugendliche in seinen Keller gelockt und sexuell missbraucht hatte, und der deswegen wegen sexueller Nötigung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde.

Fall Georgine Krüger: Verdeckte Ermittler eingesetzt

Und die Fahnder nutzten ein seltenes Mittel, Ali K. zu überführen: Sie setzten über viele Monate hinweg drei verdeckte Ermittler auf den Tatverdächtigen an, die sich in das Leben des Mannes einschleichen und ihm ein Geständnis entlocken sollten. Einem von ihnen soll sich Ali K. schließlich offenbart und den Mord an der Jugendlichen zugegeben haben. Später betonte Ali K., er sei mit einer Lockvogelgeschichte hereingelegt worden.

Tatjana D. sagt, der Mann im Auto habe sie damals fünf bis zehn Minuten lang belästigt. Sie sei froh, dass sie als Zehnjährige nicht in den Wagen gestiegen sei. Dann wäre sie vielleicht heute nicht mehr am Leben.

Die Verteidiger von Ali K. halten die Aussage der Zeugin für nicht relevant. Tatjana D. habe keine konkreten Erinnerungen mehr an das, was 2005 geschehen sei. Schon am Donnerstag könnte die Beweisaufnahme geschlossen werden, die Staatsanwaltschaft plädieren. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass die Anwälte von Ali K. weitere Beweisanträge stellen.