Der Reise-Jet der Kanzler Schmidt und Kohl, der legendäre Rosinenbomber und die Cessna, mit der „Kreml-Flieger“ Mathias Rust 1987 mitten in Moskau landete – sie alle gehören zur Luftfahrtsammlung des Deutschen Technikmuseums in Berlin. Und schon bald könnte ein Teil davon an einem der interessantesten Orte der Luftfahrtgeschichte zu sehen sein: im Flughafen Tempelhof.

„Wir sind interessiert daran, den Flughafen Tempelhof zu nutzen“, sagt Museumsdirektor Dirk Böndel. „Wir würden gerne den Hangar 6 übernehmen, um dort unsere Sammlung von Flugzeugen aus der Nachkriegszeit zu präsentieren.“ Der Hangar 6 wäre ideal geeignet, weil er sich in direkter Nachbarschaft zum geplanten Alliiertenmuseum befindet, das in Hangar 7 einziehen will. „Wir haben mehr als 25 Flugzeuge, von denen wir 80 Prozent sofort ausstellen könnten“, so Böndel. Die übrigen Flugzeuge werden noch restauriert.

Das Technikmuseum wollte eigentlich schon nach Einstellung des Flugbetriebs 2008 nach Tempelhof ziehen, war aber nicht zum Zuge gekommen, weil der Senat einen Mietvertrag mit der Modemesse Bread & Butter schloss. Der sieht vor, dass die Messe alle Hangars bis 2019 zwei Mal im Jahr nutzen kann.

Nachdem die Messe Insolvenz anmelden musste und von Zalando übernommen wurde, gilt der Mietvertrag zwar weiter, trotzdem werden kräftig Pläne für eine neue Nutzung der Hangars geschmiedet. So sind neben dem Alliiertenmuseum die Volksbühne und die Neue Nationalgalerie als kulturelle Nutzer im Gespräch. Jetzt knüpft auch das Technikmuseum an seine alten Pläne an.

Zustimmung für die geplante Ausstellung

„Wir könnten schon 2016 anfangen“, sagt Direktor Böndel. Sowohl Airbus, die Lufthansa-Stiftung als auch Rolls-Royce unterstützten die Idee einer Ausstellung in Tempelhof im Rahmen eines „Luftfahrt-Themenparks“. Die Weltraumsparte von Airbus sei dringend auf der Suche nach einem Ausstellungsort in Berlin. Falls ein geeigneter Ort gefunden werde, sei damit zu rechnen, dass Großobjekte wie das frühere Weltraumlabor Spacelab kurzfristig zur Verfügung gestellt werden.

Der Hangar 6 ist laut Böndel so groß, dass alle Maschinen dort untergebracht werden können. „Mit einem Umzug nach Tempelhof könnten wir viele Flugzeuge, die jetzt noch in Depots lagern, einem breiten Publikum zugänglich machen“, so der Museumsdirektor. „Wir könnten dadurch Kosten für die Anmietung der Depots sparen.“ Auch die Restaurierungswerkstatt lasse sich zum Flughafen Tempelhof verlagern – sodass die Besucher den Restauratoren künftig bei der Arbeit zusehen könnten.

Die Palette der Flugzeuge, die das Museum in Tempelhof zeigen möchte, reicht vom ehemaligen Kanzler-Jet über den Rosinenbomber bis zur viermotorigen Focke-Wulf Fw 200 „Condor“, die gerade restauriert wird. Die Cessna von Kreml-Flieger Rust ist derzeit noch im Stammhaus des Museums in der Trebbiner Straße zu sehen, könnte aber vielleicht später nach Tempelhof umziehen.

Sollten im Hangar 1 und 2 Flüchtlinge untergebracht werden, wie zurzeit überlegt wird, wäre das für das Museum kein Problem. „Wir denken, dass die geplante Unterbringung von Flüchtlingen in Tempelhof sich mit unserem Konzept vereinbaren lässt, weil genügend Platz in den Hangars vorhanden ist“, sagt Böndel.

In der Politik stößt das Museum mit seinen Plänen auf Wohlwollen. „Wir wollen den Flughafen Tempelhof zu einem dauerhaften Ort für Kunst, Kultur und Geschichte entwickeln“, sagt Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). „Ich kann mir das Deutsche Technikmuseum sehr gut im Zusammenspiel mit dem Alliiertenmuseum vorstellen. Zeit- und Technikgeschichte gehören in Tempelhof zusammen.“