Berlin - Die Planung für den Bau des 150-Meter-Hochhauses des US-Investors Hines am Alexanderplatz gerät ins Stocken. Der Grund: Mehrere U-Bahnstrecken verlaufen unter dem Alexanderplatz. Eine davon, die Linie 5 nach Hönow, führt so dicht am geplanten Standort für den Wolkenkratzer vorbei, dass Schäden durch den Bau des Hauses nicht ausgeschlossen sind. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) verlangen deswegen von Hines im Vorfeld eine Klärung, wie der U-Bahnverkehr während der Bauarbeiten aufrechterhalten werden kann.

Unterstützung erhält die BVG von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Solange die offenen Fragen nicht geklärt sind, soll kein Planungsrecht für den Neubau geschaffen werden. Das Bebauungsplanverfahren, in dem die mögliche Größe und Nutzung des Hochhauses festgeschrieben werden soll, wurde zunächst unterbrochen, erfuhr die Berliner Zeitung.

Der Verkehr wäre länger eingestellt

Die Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde, Petra Rohland, bestätigte dies: „Es ist zutreffend, dass das Bebauungsplanverfahren für das Hines-Hochhaus am Alexanderplatz seit August 2013 unterbrochen ist, um offene Fragen zu klären“, sagte sie. „Das betrifft den die Baufläche tangierenden Tunnel der U-Bahnlinie 5.“ Das Verfahren werde dann weitergeführt, wenn die offenen Fragen geklärt seien und ein städtebaulicher Vertrag mit Hines in seinen wesentlichen Eckpunkten als abschlussfähig gelte. Hines habe zur Überbaubarkeit der U-Bahntunnel ein Gutachten in Auftrag gegeben, sagte Rohland. Zu Lösungen und Kosten gebe es jedoch noch keine endgültig abgestimmten Ergebnisse. Das Planungsrecht für den Bau des Turmhochhauses solle aber, nach einvernehmlicher Klärung der offenen Fragen, „so schnell wie möglich geschaffen werden“. Am Ende muss das Abgeordnetenhaus über den Bebauungsplan beschließen.

Hines hatte ursprünglich bereits Anspruch auf ein 150-Meter-Hochhaus. Doch weil das Unternehmen infolge einer Umplanung den Standort ein Stück nach Norden verschob, wurde ein neues Bebauungsplanverfahren nötig. Das Problem: Der Tunnel der U-Bahnlinie 5 verläuft in einem Bogen um das Baugrundstück. Durch den Bau des Hochhauses könne es beim Tunnel der U5 zu Setzungen bis zu rund 1,6 Zentimeter kommen, heißt es im Entwurf des Bebauungsplans.Sollte es zu Absackungen des Tunnels kommen, befürchten Experten, dass sich Risse bilden. Durch diese könnte Grundwasser ins Innere der Tunnelröhre eindringen. Sollte es dazu kommen, müsste der Verkehr – je nach Schadensgröße – kurzzeitig unterbrochen oder länger eingestellt werden.

Das will die BVG vermeiden, schließlich gehört die U5 zu einer der wichtigsten Verbindungen zwischen Zentrum und Stadtrand. BVG-Sprecherin Petra Reetz sagte: „Der U-Bahnverkehr darf nicht durch die Bauarbeiten behindert werden. Die Bahnen müssen während der gesamten Bauarbeiten störungsfrei fahren können.“ Das wolle die BVG in einer nachbarrechtlichen Vereinbarung mit dem Investor regeln. Dem Investor sei klar, dass die BVG eine solche Vereinbarung fordere, sagte Reetz. „Wir wollen eine Situation wie am Leipziger Platz vermeiden, wo der Verkehr auf der Linie 2 wegen einer Havarie auf der Baustelle des ehemaligen Wertheim-Grundstücks mehrere Wochen unterbrochen war“, sagte Reetz.

Lösung vom Investor gefordert

„Wie die technische Lösung am Alexanderplatz aussehen muss, damit der U-Bahn-Verkehr nicht behindert oder unterbrochen wird, ist Sache des Investors.“ Der Investor sei angehalten, ein Konzept zu erstellen, das „im Havariefall zur schnellen Handlungsfähigkeit befähigt und den U-Bahnverkehr sicher aufrecht erhält“. Dieses Lösungskonzept sei im Vorfeld zu erstellen. Der Fahrgastverband IGEB unterstützt die BVG. „Die Stadt muss technisch funktionieren“, sagte IGEB-Sprecher Jens Wieseke.

Beim Investor Hines hält man sich mit Kommentaren zurück. „Wir sind auf einem guten Weg und gehen von einer kurzfristigen Klärung aus“, ließ das Unternehmen zum Stand der Verhandlungen mitteilen. Der US-Investor will im nächsten Jahr mit dem Bau des Hochhauses beginnen. Dort sollen Wohnungen und ein Hotel entstehen. Hines will bis zu 250 Millionen Euro investieren.