Geplantes Stadtquartier in Blankenburg: Partizipation erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl

Ausgerechnet Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), die bisher so sehr für mehr Bürgerbeteiligung eingetreten ist, hat sich bei der Debatte über das geplante Stadtquartier im Blankenburger Süden und jetzt auch noch in Neukölln auf den Buckower Feldern in Sachen Partizipation gehörig blamiert.

Während in Pankow bis zum Auftakt der Bürgerbeteiligung am Sonnabend lediglich die Rede vom Bau von 5000 Wohnungen in dem neuen Stadtquartier die Rede war, wurden die Bürger bei der ersten großen Informationsveranstaltung damit überrascht, dass es auch rund 10.000 Wohnungen werden könnten. In Neukölln sind die Zahlen zwar kleiner, der Vorgang ist aber ähnlich.

Lompscher bezeichnet Auftakt als „nicht gelungen“

Das wäre schon unter der Amtsführung der SPD-Senatoren Michael Müller und Andreas Geisel Anlass für die Bürger gewesen, den Mächtigen zu grollen. Unter der Amtsführung von Katrin Lompscher ist es aber in besonderem Maße Anlass zur Verärgerung, weil die Linken-Politikerin schließlich mit dem Anspruch angetreten ist, die Bürger besser zu beteiligen. Wer wichtige Planungs-Parameter wie die Zahl der zu bauenden Wohnungen aber mal eben verdoppelt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er das Vertrauen die Bürger verliert.

Es spricht für Lompscher, dass sie selbst den Auftakt zur Bürgerbeteiligung im Blankenburger Süden als „nicht gelungen“ bezeichnet, den Prozess intern aufarbeiten will und für die Zukunft mehr Transparenz verspricht. Die ist tatsächlich nötig. Denn nur wenn die Behörden bei den aktuellen Bauvorhaben alle Karten auf den Tisch legen, kann es gelingen, bei den Bürgern Akzeptanz für den nötigen Wohnungsneubau zu erlangen.

Welche Vorteile erwarten die Bürger?

Der Ansatz, den Lompscher zur Partizipation mal präsentiert hat, sollte dabei unbedingt weiterverfolgt werden. Dazu gehört die frühzeitige – richtige und vollständige – Information der Bürger und die Präsentation von Bebauungsvarianten. Außerdem sollte ein Bauprojekt für die Anwohner einen Mehrwert haben.

Denn wenn die Bürger sehen, dass sie selbst Vorteile von dem neuen Quartier haben, etwa durch den Bau einer dringend benötigten Kita oder eines Pflegeheims, werden sie Unannehmlichkeiten beim Bau akzeptieren. Wenn Lompscher dahin zurückfindet, kann ihre Partizipation am Ende ein Erfolg werden.