Christian P. tötet Ex-Freundin und sagt: „Jetzt ist sie tot, sie hat es verdient“

In Potsdam hat der Prozess gegen einen Mann begonnen, der unter Drogeneinfluss seine Ex-Freundin getötet haben soll. Er selbst spricht von einem Blackout.

Das Justizzentrum Potsdam, wo sich auch das Landgericht befindet.
Das Justizzentrum Potsdam, wo sich auch das Landgericht befindet.dpa/Christoph Soeder

Landgericht Potsdam, kurz vor 9 Uhr: Vor der Tür zum Saal 8 ist schon aufgeregtes Stimmengewirr zu hören. Darunter eine Gruppe aus fünf jungen Frauen; sie machen hier eine Ausbildung zur Stenotypistin. Sie sagen, es sei Teil ihrer Ausbildung, bei solchen Terminen dabei zu sein. „Aber heute ist es das erste Mal bei so einem Fall“, sagt die 20-jährige Chiara. Sie lächelt unsicher. Einige Aussagen, sagt sie, könnten sie heute mehr mitnehmen als sonst. Sarah, 20: „Man versucht, so was nicht mit nach Hause zu nehmen.“

Der Fall, der verhandelt wird, ist in der Tat blutig: Am 1. März dieses Jahres soll der 41-jährige Potsdamer Christian P. auf seine ehemalige Lebensgefährtin, die 43-jährige Josefine U., 26-mal mit einem Küchenmesser eingestochen haben. Die Frau starb. Danach habe er auch ihren ältesten Sohn, den 21-jährigen Taylor, mit dem Messer angegriffen. Er wollte seiner Mutter zu Hilfe kommen. Dabei kam es zu Verletzungen an Brust, Bauch und der rechten Hand, die jedoch nicht lebensgefährlich waren. P. wird jetzt des Mordes an Josefine U. sowie des versuchten Mordes und versuchter Körperverletzung an ihrem Sohn beschuldigt.

Christian P. gab vor Gericht an, direkt vor dem Angriff in der Potsdamer Wohnung von Frau U. Amphetamine in großem Umfang konsumiert zu haben. Er habe einen Blackout während der Tat erlebt – er erinnere sich also kaum an das Zustechen, gibt aber zu, Josefine U. tödlich verletzt zu haben. Er hätte sich verteidigen müssen, als Jamie, der 17-jährige zweite Sohn von Josefine U., ihn selbst mit einem Küchenmesser angegriffen haben soll. Unter Tränen erzählte er, wie er im Blackout „irrtümlich“ über seine Ex-Frau herfiel. Erst als er wieder zu sich kam, sah er sie blutüberströmt vor sich am Boden; auch an den Angriff auf Taylor U. erinnere er sich nicht.

Im Nebenzimmer schlief der einjährige Sohn

Taylor U. sagt: „So ist es aber nicht passiert.“ Am Abend vor der Tat hätte seine Mutter mit Christian P. Schluss gemacht, weil er „mit Taschen voller Drogen“ in der Wohnung erschienen war. Das habe sie ihm untersagt zuliebe ihres gemeinsamen Sohnes, der im Januar 2021 zur Welt kam. Am nächsten Tag sei er zurückgekommen. Christian P. habe Jamie U. provoziert, sagt Taylor. „Er sagte, er wäre ein Hurensohn, wir seien Dreckskinder.“ Aber er habe seinen Bruder nicht zu einem Messer greifen gesehen, so wie Christian P. behauptete. Jamie habe dann die Wohnung verlassen, Taylor ging in sein Zimmer – bis er P. „brüllend“ in der Küche hörte. Er ging sofort hin – und musste zusehen, wie Christian P. auf seine Mutter wiederholt mit einem Messer einstach. Nur „bitte“ konnte Josefine U. noch sagen. Ihr knapp einjähriger Sohn schlief im Nebenzimmer.

Taylor U. erzählt, er habe einst Christian P. in einer Vaterrolle für sich gesehen; am Anfang der Beziehung sei er „sympathisch“ gewesen, sie konnten miteinander über ihre Probleme reden. Das habe sich aber geändert, nachdem Christian P. kurz vor Weihnachten 2021 aus einem dreimonatigen Aufenthalt in einer Klinik wegen eines Rückfalls bei Amphetaminen zu der Familie zurückkehrte. Er sei nicht mehr wiederzuerkennen gewesen. 

Christian P. habe dann geredet, als ob er Gott wäre; er meinte zu der Familie, er würde die Menschheit retten, sagt Taylor. Er stritt immer öfter mit Josefine U.: In einem Fall nahm er sie in den Schwitzkasten, ein anderes Mal ging er so weit, dass sie die Polizei riefen. Mehrmals trennten sie sich und kamen wieder zusammen. Taylor U. sagt, P. sei „krankhaft eifersüchtig“ gewesen – er war davon überzeugt, Josefine U. hätte über eine Facebook-Gruppe für Singles in Berlin und Brandenburg Kontakt zu anderen Männern gesucht und sei fremdgegangen. Aber wiederholtes Durchsuchen ihres Handys konnte dies nie bestätigen, so Taylor U.

Im Angriff auf Josefine U. wurde eine Herzkammer durchgestochen

Im Prozessauftakt sagten auch mehrere Nachbarn der Familie U. sowie Augenzeugen der Tat aus, wie sie am Nachmittag des 1. März die Hilferufe von Taylor U. hörten. Einer habe versucht, bei Josefine U. Erste Hilfe zu leisten, aber es war schon zu spät; Eine Herzkammer war bei dem Angriff durchstochen worden. Die Polizei wurde gerufen, Christian P. ließ sich auf der Straße vor der Wohnung widerstandslos festnehmen.

Eine Passantin, die zusammen mit ihren kleinen Kindern zur Augenzeugin der Tat wurde, erzählte, wie sie Christian P. „blutbefleckt“ vor seiner Festnahme auf einer Treppenstufe vor dem Wohnhaus sitzen sah. „Er saß einfach da und sagte eiskalt: ‚Ja, jetzt ist sie tot, sie hat es auch verdient‘“, erzählte sie. „Das sind Bilder, die ich nicht so schnell vergessen werde.“ Sie besuche eine Traumatherapie wegen allem, was sie an diesem Tag gesehen hat.

Am 7. Oktober wird der Prozess fortgesetzt. Ein Urteil wird am 11. November erwartet.