Potsdam - Sechsmal ist Frank F. im Sommer 2012 zur Papierbank gefahren und hat dort Papier abgeliefert. Dafür hat der 40-Jährige nach eigenen Angaben jeweils 25 bis 50 Euro erhalten. Bei einem Preis von fünf Cent für das Kilo Papier muss Frank F. also mit jeder Fuhre 500 bis 1000 Kilogramm Papier abgeliefert haben. Bei sechs Fahrten also bis zu 6000 Kilogramm, das sind umgerechnet sechs Tonnen. Eine riesige Menge.

Es war nicht irgendwelches belangloses Altpapier, das der arbeitslose und bereits wegen Betrugs vorbestrafte Tischler aus Fahrland (Potsdam-Mittelmark) zu Geld gemacht hat. Vielmehr waren es Briefe, die von Ende Juni bis September 2012 nie ihren Empfänger erreicht haben. Dafür sprach ihn nun ein Schöffengericht in Potsdam der Hehlerei sowie der gewerbsmäßigen Hehlerei schuldig. Der Vater von fünf Kindern wurde zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss der Mann, der von Sozialhilfe lebt, 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Grabstelle für den Sohn

Frank F. gab vor Gericht zu, die Briefe, meist adressierte Info- oder Werbesendungen, von seinem Freund erhalten zu haben, der als Postbote „keine Lust darauf hatte, die viele Post auszuliefern, die sowieso niemanden interessiert“. „Ich habe weniger Arbeit, und Du verdienst ein bisschen Geld“, soll der Bekannte zu dem Angeklagten gesagt haben.

Später habe er von dem Freund auch zwei Pakete erhalten – mit einem Handy und einem Computer. Das Handy habe er behalten, den Computer auf einem Flohmarkt für 100 Euro verkauft, erklärte der Angeklagte. Mit dem Geld, so sagte Frank F., habe er eine Grabstelle für seinen tot geborenen Sohn bezahlen wollen. „Das Sozialamt hat nur die Kosten für einen anonyme Beerdigung übernommen. Es sollte aber ein richtiges Grab sein“, erklärte Frank F.

Glaubt man den Ausführungen des Angeklagten, so brachte der Postbote offenbar jeden Tag zwei Kisten mit Post vorbei. Frank F. lagerte die Briefe in der Garage. Er sortierte sie nach eigenen Worten nach Sortenreinheit. Wenn genug Papier zusammengekommen war und sich der Transport zur Papierbank in Fahrland lohnte, fuhr er los. Den Altpapierhandel favorisierte er, weil dort gleich bar bezahlt wurde. Später kamen zu den Briefen auch Kataloge und leere Kartons von offenbar unterschlagenen Paketen.

Dollarzeichen in den Augen

Frank F. erzählte auch, dass sein Freund ihm drei Laptops geschenkt habe – für die Kinder. „Er hat gesagt, das er die Möglichkeit hat, über die Post so etwas billiger zu bestellen“, sagte er. Geahnt habe er später schon, dass die Geräte nicht redlich erworben worden seien. „Was ich gemacht habe, war dumm“, sagte er.

Frank F. gab auf eine Nachfrage des Staatsanwalts auch zu, dass ihm der Lebensstil seines Freundes schon beeindruckt habe: ein neuer Fernseher, permanent neue Klamotten, ein neues Laptop und das neueste iPhone. „Und da sind bei Ihnen die Dollarzeichen in den Augen aufgeflammt“, warf ihm der Staatsanwalt vor.

Und es wäre wohl immer so weiter gegangen, wenn nicht der Vermieter in der Garage von Frank F. auf Hunderte von Briefen gestoßen wäre und die Polizei alarmiert hätte.

Richterin Cornelia Michalski sagte in ihrer Urteilsbegründung, Frank F. habe durch die Taten keine Einnahmen von erheblichen Umfang gehabt. Schlimmer sei jedoch der immaterielle Schaden und der Imageverlust der Post. „Der Bürger muss darauf vertrauen können, dass seine Post ankommt. Was Sie getan haben, ist ein erheblicher Eingriff in die Gesellschaft“, sagte die Richterin. Sie glaube aber dem Angeklagten, dass er die Taten bereue.

Eigentlich hätte der Freund von Frank F. mit auf der Anklagebank sitzen müssen. Der 45-jährige Zusteller der Post in Stahnsdorf soll laut Anklage in 61 Fällen insgesamt 1268 Postsendungen, darunter 55 Pakete, nicht an die jeweiligen Empfänger überbracht haben. Den Inhalt der Pakete soll er teilweise behalten haben, um ihn später zu verkaufen. Der Mann meldete sich jedoch kurz vor Prozessbeginn krank, so dass das Verfahren gegen ihn später stattfinden wird.