Gerichtslaube Brunnen, Ephraim Palais: Ein Überblick über die verwirrenden Standort-Wechsel

Als wüsste sie nicht, wohin mit dem Krempel, hat die Stadt Berlin – Ost wie West, zu Kaisers, Führers wie zu Honeckers Zeiten – einige ihrer schönsten Denkmäler irgendwo abgestellt, wenn sie am ursprünglichen Ort störten. In manchen Fällen besteht zwischen historischem Objekt und heutigem Standort keinerlei sinnhafter Zusammenhang.

Die Gerichtslaube fällt als besonders frühes und krasses Beispiel auf. Sie entstand als Anbau zum Alten Rathaus um 1270. Da war die Doppelstadt Berlin/Cölln ein von umtriebigen Bürgern geleitetes, aufblühendes Gemeinwesen. Die Gerichtsbarkeit gehörte zu dessen Fundamenten. Als der Backsteingotik-Bau 600 Jahre später dem neuen Rathaus zu weichen hatte, erhob sich in der Bürgerschaft ernster Widerstand. Schließlich siedelten die Originalteile der Gerichtslaube um und stehen nun, etwas überformt, im Park Babelsberg.

Schönheit sollte Anstand haben

Wenn nun endlich daran gedacht wird, der alten Berliner Mitte wieder ein Bild von sich selbst zu geben, gehört die Gerichtslaube zu den ersten Kandidaten – zumindest die Umsetzung des Laubennachbaus aus der Poststraße auf die Kreuzung Spandauer Straße und Rathausstraße wäre zu erwägen. Auch andere Kunstwerke dürfen auf Heimkehr aus unfreiwilligem Exil in ihren alten, sinnvollen Zusammenhang hoffen, sobald das Schloss mit dem barocken Äußeren wiedererstanden ist.

Es handelt sich dabei um Objekte, die einst die Stadt schmückten, Bürger und Hof erfreuen sollten. Stadtplaner glaubten damals, Schönheit im Stadtbild würde Moral und Anstand der Bürgerschaft heben.

Der Schlossbrunnen zierte den Schlossplatz, heute sitzt Neptun als Punkt auf der sozialistischen Prachtachse, weiß weder mit Fernsehturm noch mit Häuserriegeln zu harmonieren. Seine Versetzung ist leicht. Schwieriger stellt sich die Rückholung der Königskolonnaden aus dem Kleistpark an den ursprünglichen Standort dar: Am Eingang zur Stadt vom Alexanderplatz her bildete die doppelte Säulenreihe einst den Beginn des Prachtweges entlang der Königstraße (Rathausstraße) über die Lange Brücke (Rathausbrücke) zum Schloss.

Auf der Brücke dominierte das prächtige Schlüter’sche Reiterstandbild des Großen Kurfürsten. Diese Reihung betonte den herausragenden Rang der Straße. Das wäre wieder sichtbar zu machen.

Die beiden Rossebändiger-Skulpturen, ein Geschenk von Zar Nikolaus I., können auf der Lustgartenseite des Schlosses mühelos ihre Plätze einnehmen. Auch die Preußen-Generäle Bülow und Scharnhorst haben neuerdings Chancen auf Rückkehr vor die Neue Wache.

Heute liegen die Teile des historischen Berlin-Puzzles verstreut. Wie soll man sich ein Bild machen? Ein Gefühl für das Woher und Wohin entwickeln? Das Zusammenfügen kann ein Prozess der Freude sein.