Berlin: Buchhalterin überweist sich 375.000 Euro für Online-Spiel

Die 40-Jährige wird zu einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Die Richterin weist darauf hin, dass es ihr „auch sehr leicht gemacht“ wurde.

Kriminalgericht in Moabit: Hier wurde Nicole Z. heute verurteilt.
Kriminalgericht in Moabit: Hier wurde Nicole Z. heute verurteilt.Benjamin Pritzkuleit

Weil sie als Buchhalterin insgesamt rund 375.000 Euro Firmengeld auf eigene Konten umgeleitet haben soll, ist eine 40-Jährige zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Berliner Landgericht sprach die Frau am Donnerstag der Untreue in 665 Fällen schuldig. Die Vorsitzende Richterin wies in ihrem Urteil darauf hin, dass es der damaligen Buchhalterin leicht gemacht worden sei, weil es kaum Kontrollen gegeben habe.

Am Morgen, als das Verfahren gegen Nicole Z. begann, wirkte sie ruhig und gefasst. Die Staatsanwältin verlas am Donnerstagmorgen, kurz nach 10 Uhr im Landgericht in Moabit die Anklage. Im Jahr 2014 habe Nicole Z. angefangen bei der britischen Firma VCCP zu arbeiten, kurz darauf ging es dem Unternehmen nicht gut. Damals habe Z. beim Verschleiern einer offenen Rechnung gemerkt, wie einfach das möglich sei. Die Finanzen wurden zwar offiziell durch die Geschäftsleitung überprüft, dies sei jedoch blind geschehen, sodass ein Betrug nicht auffiel. Daraufhin begann Nicole Z., eine Online-Überweisung auf ihr eigenes Konto durchzuführen.

Zur Verschleierung nutze Frau Z. Sozialversicherungs- und Krankenkassenzahlungen, in dem sie diese zweimal durchführte: einmal vorschriftsgemäß und einmal mit gleichem Betrag und Verwendungszweck, allerdings auf ihr privates Konto. Außerdem hatte die Angeklagte Zugang zu zwei Firmenkreditkarten und nutzte die Karten außerdem zur Begleichung von Rechnungen. Im Laufe der Zeit habe sie das mehr als 1000-mal getan und insgesamt rund 570.000 Euro veruntreut. Im Rahmen der Verhandlung einigte sich das Gericht jedoch darauf, die Anklage auf 665 Fälle zu beschränken, bei denen sich der Schaden auf insgesamt knapp 375.000 Euro beläuft.

Die Angeklagte selbst schildert das Geschehene ruhig und gefasst. Als es der Firma 2016 schlecht ging, war sie gestresst und überfordert. Statt mit ihren Vorgesetzten zu reden, habe sich die 40-Jährige in die virtuelle Welt eines zahlungspflichtigen Online-Spiels geflüchtet. Nach eigenen Angaben verbrachte die Angeklagte drei bis vier Stunden am Tag mit dem Spiel, an Wochenenden oft auch den gesamtem Tag. Das veruntreute Geld ihrer Firma habe sie überwiegend zur Finanzierung ihrer Spielsucht eingesetzt.

Mit dem Beginn der Corona-Pandemie und dem einsetzenden Homeoffice, „habe ich erst wirklich begonnen, meine Taten zu realisieren“, sagt die Angeklagte. Bis dahin habe sie den Betrug weitestgehend verdrängt. Sie begab sich selbst in psychiatrische Behandlung. Sie nahm daraufhin auch selbst mit der Geschäftsführung der Firma Kontakt auf, um den Fall aufzuklären. „Mir war es wichtig“, betont sie im Gerichtssaal, „dass der Verdacht nicht auf andere fällt.“ Das Ausmaß der abgezweigten Beträge habe sie sich lange nicht bewusst gemacht. Inzwischen sei sie nach einer Therapie „standhaft“.

Im Jahr 2020 nahm auch die Berliner Polizei die Ermittlungen auf. Der Bank der Angeklagten waren die vielen Ab- und Eingänge ihres Kontos im sechsstelligen Bereich verdächtig vorgekommen. Vermutet wurde Geldwäsche. Da sich der Berliner Geschäftssitz der Firma zu diesem Zeitpunkt bereits in der Auflösung befand, zogen sich die Ermittlungen hin. Die britische Firma hat bis zum Start der Gerichtsverhandlung keine Entschädigungsforderungen an die Angeklagte gestellt.

Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Die Richterin begründete das Urteil mit dem hohen Schaden und der langen Zeitspanne der Taten, hielt der Angeklagten aber auch ihr Geständnis und kooperatives Verhalten zugute. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.