Marie-Luise P. ist eine alte Dame von 82 Jahren. An Gehhilfen kommt sie in den Gerichtssaal. Sie nimmt Platz, gegenüber den Männern, die sie am 13. Februar dieses Jahres in ihrer Wohnung bestohlen haben. Als angebliche Polizisten hatten sie der Frau „hilfsbereit“ die Einkäufe bis zu ihrer Wohnung im dritten Stock getragen. Dann wollten sie in die Wohnung gelassen werden. „Sie sagten, in meine Wohnung wäre eingebrochen worden. Und nun müssten sie schauen, ob etwas fehlt. Geld oder Schmuck“, erinnerte sich die Frau. Und als die beiden Männer wieder gingen, fehlte wirklich etwas – eine Geldbörse mit 900 Euro und eine EC-Karte.

Für diese Tat verurteilt der Amtsrichter Andreas Rische an diesem Montag die beiden falschen Polizisten wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in Tateinheit mit Amtsanmaßung. Der 45-jährige Lolek K. muss für ein Jahr und drei Monate ins Gefängnis. Eine Bewährungsstrafe schließt Rische aus. Zumal der Bundeszentralregisterauszug des Angeklagten 27 Einträge aufweist.

Der 26-jährige Juliano H., der der alten Dame einen gefälschten Ausweis des Landeskriminalamtes vorgehalten hatte, wird zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss Juliano H. insgesamt 900 Euro an die Opfervereinigung Weißer Ring zahlen. Einen dritten Angeklagten spricht der Richter frei. Nicht, weil er ihn für unschuldig hält. Er sagt, man habe ihm eine konkreten Tatbeteiligung nicht nachweisen können.

„Tatplangemäß auf die alte Dame konzentriert“

Es ist eine Betrugsmasche, die der Polizei derzeit in ganz Deutschland zu schaffen macht. Die Täter geben sich als Polizisten aus und gelangen so in die Wohnung der meist hochbetagten Opfer. So auch in diesem Fall. Am 13. Februar waren die Angeklagten und ein untergetauchter vierter Tatbeteiligter mit einem Mietwagen umhergefahren, um sich, wie Rische sagt, ein Opfer auszusuchen.

In Steglitz sahen sie Marie-Luise P. „Sie haben sich tatplangemäß auf die alte Dame konzentriert“, sagt der Richter zu den zwei Verurteilten. Sie hätten sich ihr schließlich als Kripo-Beamte vorgestellt und ihr vorgegaukelt, dass bei ihr eingebrochen worden wäre. Die so überrumpelte Frau ließ sie zum Nachsehen in ihre Wohnung.

Schon kurze Zeit nach der Tat konnten die Täter gefasst und das Geld von Marie-Luise P. sichergestellt werden – durch die Aufmerksamkeit richtiger Polizisten. Einer Streife war schon am Mittag das Auto mit den Männern aufgefallen. Vor allem ein Insasse war den Beamten bekannt, Jimmy K., der sich schon mehr als 30 Mal als Polizist ausgegeben haben soll, der deswegen mit Haftbefehl des Amtsgerichts Wuppertal gesucht wird und nun untergetaucht ist.

Observation erfolgreich

Die Polizei observierte den Wagen, bis das Auto in Steglitz hielt, und Lolek K. und Juliano H. in einem Haus in Steglitz verschwanden. Zwei Männer blieben im Auto. Eine Abfrage der Beamten in der Dienststelle ergab, dass in dem Haus nur eine alte Dame lebte, die in das Opferschema der falschen Polizisten passte: Marie-Luise P.

Als Lolek K. und Juliano H. das Haus wieder verließen und im Auto davonfuhren, ging eine richtige Polizeibeamtin zu der alten Dame und fand ihren Verdacht bestätigt. Die Polizistin erzählte vor Gericht, dass Marie-Luise P. zunächst sehr misstrauisch gewesen sei, weil schon wieder Polizei vor der Tür gestanden habe. Erst da bemerkte die Seniorin, dass ihre Geldbörse mit der Rente fehlte. Das Auto wurde zur Fahndung ausgeschrieben, die Täter kurz darauf festgenommen.

Richter Rische findet am Ende scharfe Worte für Lolek A. und Juliano H.: „Was passiert ist, ist eine Sauerei.“ Die Angeklagten hätten sich eine alte, gehbehinderte Dame ausgesucht, die durch einen gefälschten Polizeiausweis leicht zu beeindrucken gewesen sei. Es sei nicht der Verdienst der Angeklagten gewesen, dass Marie-Luise P. ihr Geld wiederbekommen habe.