Die Frau spricht von Rehen, Füchsen, Wildschweinen und einem Dachs. Cornelia H. sagt, dass sie noch niemals so viele Waldtiere gesehen habe wie auf ihren Fahrten von Wutzetz im Havelland zu ihrer Wohnung in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist erstaunlich, was die 57-Jährige an diesem Montag vor der 35. Großen Strafkammer des Landgerichts Berlin so erzählt. Denn es geht nicht um Tiere, es geht um das Mordkomplott an der jungen Pferdewirtin Christin R. aus Lübars. Cornelia H. ist die Mutter des Hauptangeklagten und einstigen Freundes des Opfers. Sie muss sich wegen Anstiftung zum Mord verantworten. Ihrem Sohn Robin H. wird Mord vorgeworfen. Er hatte die Vorwürfe am vorangegangenen Verhandlungstag bestritten.

30 Minuten lang liest die Angeklagte ihre Erklärung vom Blatt ab. Sie spricht schnell, sie sagt, ihr Sohn Robin und sie hätten nichts mit dem schrecklichen Tod von Christin zu tun. Nur einmal stockt die Stimme der Frau. Als sie zugibt, der Pferdewirtin auf dem Pferdehof im Wutzetz zwei Monate vor dem Mord ein Messer in den Rücken gerammt zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dies der erste Versuch war, Christin R. zu töten – um an 2,4 Millionen Euro aus den Lebensversicherungen der 21-Jährigen zu gelangen. Cornelia H. sagt dagegen, sie könne sich die Tat nicht erklären. Sie beschreibt eine Art Blackout.

Gift war für Pferde bestimmt

Zu ihrer Suche im Internet nach Medikamenten und Giften sagt Cornelia H., dies habe sich nicht auf Christin bezogen. Das Kaliumchlorid, mit dem die Pferdewirtin laut Anklage bei einem zweiten Mordversuch vergiftet werden sollte, sei für die Pferde gewesen. Als Nahrungsergänzungsmittel.

Christin R. war in der Nacht zum 21. Juni 2012 in Lübars erdrosselt worden. Zuvor hatte sie offenbar noch versucht, die Notrufnummer der Polizei auf ihrem Handy zu wählen. Dabei soll sie sich jedoch in ihrer Todesangst verwählt haben.

Insgesamt müssen sich seit März 2013 fünf Angeklagte vor Gericht verantworten. Neben Mutter und Sohn stehen auch die 28-jährige Tanja L., deren Bruder und ein Bekannter des Bruders vor Gericht. Tanja L. hatte zu Prozessbeginn die Anklage bestätigt. Sie gestand dabei auch, im Auftrag von Robin H. der Pferdewirtin Kaliumchlorid in den Sekt gemischt zu haben. Das Gift ist aber nur tödlich, wenn es intravenös verabreicht wird. Robin H. wiederum bezichtigte am vorigen Donnerstag Tanja L., die Drahtzieherin des Mordes gewesen zu sein. Sie habe sich mit der Tat einer Nebenbuhlerin entledigen wollen.

Ab Ende Mai könnten in dem Verfahren die Plädoyers gehalten werden. Mit einem Urteil ist nicht vor Juli zu rechnen.