Berlin - Armani, Strenesse, Escada und Prada - immer mehr Luxus-Modeläden mieten Ladenflächen am Kudamm und am Tauentzien an. Die Immobilienmakler freuen sich. „Dieses Jahr war das beste, das wir jemals hatten“, sagte Rüdiger Thräne, Regional-Direktor des Maklerunternehmens Jones Lang Lasalle (JLL), am Donnerstag.

Durch das wachsende Interesse werden Läden immer teurer. In den vergangenen fünf Jahren zogen die Mieten für Einzelhandelsflächen am Kurfürstendamm und am Tauentzien um rund 40 Prozent an, hat JLL errechnet. Am Kudamm wird mittlerweile eine Spitzenmiete von bis zu 220 Euro je Quadratmeter Ladenfläche bezahlt, am Tauentzien werden bis zu 240 Euro monatlich fällig. Damit zahlen Geschäftsleute in Berlin eine höhere Spitzenmiete als sie in Großstädten wie Hamburg (235 Euro), Stuttgart (235) oder Köln (230 Euro) laut JLL verlangt wird. Nur in München, Frankfurt am Main und Düsseldorf sind Einzelhandelsflächen noch teurer.

Alexanderplatz weiter die Nummer 1 im Osten

Berlin gelte international als „cool und modern“, sagt JLL-Direktor Andreas Kogge. Auf einer Handelsmesse im südfranzösischen Cannes habe vor Kurzem „jeder“ aus der Branche nach Berlin gewollt. Dass das Interesse an Berlin wächst, liegt auch an der zunehmenden Zahl von Touristen. Denn rund ein Drittel der Tourismuseinnahmen landet laut JLL in den Kassen des Einzelhandels. Im vergangenen Jahr waren das immerhin rund 3,6 Milliarden Euro.

Kudamm und Tauentzien gehören mit zusammen mehr als 320 Geschäften zur Top-Einkaufsmeile. Im nächsten Jahr kommen weitere Läden hinzu: im Frühjahr soll im Neuen Kranzler Eck eine „Urban-Outfitters“-Filiale eröffnen, die Mode für ein jüngeres Publikum anbietet; und im Sommer macht der Computerhersteller Apple am Kudamm einen Berlin-Store auf.

Der Alexanderplatz behauptet sich als größter Einzelhandelsstandort im Ostteil Berlins. Durch die Eröffnung des Einkaufszentrums Alexa, durch C&A, die Erweiterung des Kaufhofs und den Bau des Geschäftshauses „Die Mitte“ hat sich die Verkaufsfläche am Alex innerhalb von fünf Jahren nahezu verdoppelt. Die Kunden können am Alexanderplatz nun auf einer Fläche von 146.000 Quadratmetern einkaufen. Zum Vergleich: Kudamm und Tauentzien haben mit einer Verkaufsfläche von 276 000 Quadratmetern noch immer die Nase vorn. Die Spitzenmiete am Alex beläuft sich auf bis zu 180 Euro je Quadratmeter. Sie ist in den vergangenen fünf Jahren um 75 Prozent gestiegen.

Auch am Leipziger Platz tut sich was

In der Friedrichstraße zogen die Mietpreise im selben Zeitraum um 37 Prozent an, rund um den Hackeschen Markt in Mitte sogar um 108 Prozent. Mancher Geschäftsmann konnte da nicht mithalten und musste seinen Laden schließen.

Im Gegensatz zum allgemeinen Preisanstieg sanken in der Schlossstraße in Steglitz die Mieten laut JLL in den vergangenen fünf Jahren um gut 18 Prozent, in der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg sogar um 20 Prozent. Grund: In beiden Straßen wurde viel gebaut. In Steglitz dauern die Arbeiten an. Hier entsteht am Standort des früheren Kaufhauses Wertheim zurzeit das Shopping Center Boulevard Berlin mit 180 Geschäften und der gigantischen Fläche von 76 000 Quadratmetern. Die Gesamtverkaufsfläche in der Schlossstraße wächst damit auf mehr als 200.000 Quadratmeter an. Im nächsten Jahr soll der Boulevard Berlin eröffnen.

„Spannend“ verspricht laut JLL die Entwicklung am Leipziger Platz zu werden. Dort baut der Berliner Unternehmer Harald Huth (“Das Schloss“, „Gropius Passagen“) derzeit ein neues Einkaufszentrum auf dem Areal, auf dem früher das Kaufhaus Wertheim stand. Ist es fertig, könnte es nach Einschätzung der JLL-Experten eine gute Verbindung vom Potsdamer Platz bis zur Friedrichstraße schaffen.

Der Run auf die Einzelhandelsflächen macht sich auch in steigenden Verkaufszahlen bei den Geschäftshäusern bemerkbar. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres wurden laut JLL Einzelhandels-Immobilien im Wert von 528 Millionen Euro veräußert. Darunter das Geschäftshaus „Die Mitte“ (Saturn) am Alexanderplatz, das Sport-Scheck-Haus an der Steglitzer Schlossstraße, das Friedrich Carré sowie das Philip-Johnson-Haus in Mitte.