Berlin - Überall Pakete, hier ist es ganz schön voll, Frau Wolfbauer!

Ja, das sind Geschenke für etwa 250 Kinder und Jugendliche. Ich werde einen kleinen Transporter mieten müssen, um sie in die Motardstraße zu schaffen.

Wo kommen die Geschenke denn her?

Von Freunden und deren Freunde. Ich habe einfach eine E-Mail an alle meine Kontakte geschickt und zu Geschenkspenden aufgerufen. Seitdem klingelt es bei uns fast jeden Abend und Leute bringen Pakete vorbei. Ich bin mit meinem Kind oft auf dem Spielplatz, da habe ich Eltern angesprochen, die ich vom Sehen kannte. Ein Freund arbeitet bei einem Mode-Label, der hat viele Klamotten gespendet und ein Turnverein Bälle und Hüpfseile. Ein Bekannter kam mit den Mitarbeitern seiner Agentur vorbei und wir haben stundenlang wie am Fließband Geschenke eingepackt.

Es war also leicht, Spender zu finden?

Es haben fast alle mitgemacht, die ich gefragt habe. Ich habe das Gefühl, dass zur Zeit viele sensibilisiert sind für die Lage der Flüchtlinge. Und sehr interessiert, ich musste jeden Abend per E-Mail viele Fragen zu der Aktion beantworten. Die Leute wollten wissen, wie die Kinder dort leben, wie ich die Geschenke verteile und so weiter.

Das klingt nach viel Arbeit ...

Ja, ich bin seit vier Wochen ziemlich eingespannt. Aber ich liebe das, organisieren liegt mir einfach. Und weil ich gerade in Elternzeit bin, habe ich die Zeit dafür.

Was brauchen die Kinder am Dringendsten?

Es fehlt an allem. Ich habe mich von den Mitarbeitern des Heims beraten lassen und speziell um Stifte, Malblöcke, Bastelsachen und Kuscheltiere gebeten. Sachen, die lange halten. Aber auch warme Kleidung wird dringend benötigt. Die Menschen kommen ja mit nichts oder gerade mal einer Plastiktüte hier an.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Ich hatte mal Kleiderspenden in die Motardstraße gebracht, und bemerkt, dass es dort nichts gibt für die Kinder, keinen Fußballplatz, keinen Sandkasten, einfach nichts. Da wollte ich ihnen letztes Jahr zu Weihnachten Spielzeug schenken. Aber mir war von Anfang an klar: Wenn ich einem Kind etwas schenke, müssen die anderen auch etwas bekommen. So fing es vergangenes Jahr an. Da haben die Geschenke aber noch in ein Auto gepasst.

Wie leben die Flüchtlinge denn dort?

Allein die Lage im Industriegebiet, das kann man sich nicht vorstellen. Man fährt an einem Discounter und an Fabrikschornsteinen vorbei. Und dann ist man da, bei den Containern. Bei meinem ersten Besuch war ich wirklich geschockt.

Was muss sich denn Ihrer Meinung nach ändern?

Das Wichtigste ist meiner Meinung nach: Die Menschen sollten arbeiten dürfen. Arbeit ist doch der wichtigste Integrationsfaktor. Und sie sollten in belebteren Gegenden untergebracht werden, wo sie Kontakte knüpfen können. Da draußen im Industriegebiet in Spandau würde niemand freiwillig auch nur ein paar Tage verbringen.

Wie wird die Übergabe der Geschenke denn ablaufen?

Ein Freund spielt den Weihnachtsmann, eine Gruppe von Helfern ist dabei. Es muss alles perfekt organisiert sein, denn wir haben nur wenige Stunden Zeit für Hunderte von Kindern.

Die Mehrzahl der Flüchtlinge ist nicht christlich. Ist es nicht komisch, sie gerade zu Weihnachten zu beschenken?

Hier ist ein Foto aus dem letzten Jahr: Der kleine Junge mit dem Paket im Arm strahlt übers ganze Gesicht ... Egal, welche Religion er hat, er freut sich doch trotzdem.

Gibt es schon Nachahmer der Aktion?

Ja, Bekannte von mir aus einem Dorf bei Passau waren so begeistert von der Idee, dass die das jetzt auch machen. Es wäre toll, wenn noch mehr Leute dazukommen.

Das Gespräch führte Katharina Bueß.