Selbstverständlich hat Annette Pohlke ein Lichtschwert, was für eine Frage! „Sowas erwarten die Leute sicher nicht von einer Theologin, aber ich habe sogar jahrelang darauf gespart“, sagt die 48-jährige Steglitzerin. Das Schwert könne die Farbe des Lichts ändern, wahlweise leuchtet die Klinge grün, rot oder auch pink. „Im Sommer 2014 hab ich es in den USA bestellt, für 400 Euro.“

Annette Pohlkes teures Lichtschwert kommt am Freitagabend wieder zum Einsatz: Dann wird sich die freiberufliche Autorin und Dozentin eine schwarze Robe anziehen, eine schwarze Maske aufsetzen und samt Schwert ins Kino Cinestar nach Treptow fahren und mit Gleichgesinnten im Foyer stehen – als Dekoration sozusagen. Pohlke wird Kylo Ren verkörpern, eine Figur aus dem jüngsten „Star Wars“-Film, der ab Donnerstag im Kino zu sehen ist – fast 38 Jahre, nachdem mit „Krieg der Sterne“ der erste Teil der Weltraum-Saga in die (west)deutschen Kinos kam.

Nur wenige Filme haben das Zeug, die Berliner Kino-Gemeinde so sehr in Aufruhr zu versetzen. „Harry Potter“, „Der Herr der Ringe“, „Star Trek“, „Die Tribute von Panem“ – es sind vor allem Mehrteiler, die ein Millionenpublikum in die Kinos locken und Fanclubs entstehen lassen. Weil das auch bei Star Wars so ist, zeigen rund 20 Kinos in Berlin den Film am Donnerstag um 0.01 Uhr – jeder will der erste sein. Und weil die ersten Mitternachtsvorstellungen ausverkauft sind, stellen einige Multiplexkinos bereits Ersatz-Plätze zur Verfügung – und öffnen weitere Säle.

Annette Pohlke hat sich noch keine Karte gekauft, das braucht sie nicht: Sie wird den Film nach ihrem Kylo-Ren-Auftritt als Dankeschön sehen können. Sie gehört zum Star-Wars-Dinner – einem Zusammenschluss von Fans, die sich seit mehr als 20 Jahren immer am ersten Sonnabend im Monat in einer Pizzeria in der Reichsstraße in Westend zum gemeinsamen Austausch treffen und auch für Veranstaltungen angefragt werden. „Manchmal sind wir 15, manchmal 35 Leute“, sagt Pohlke. „‚Star Wars‘ hat uns zusammengeführt, aber ich sage immer: Wir reden über alles, außer über ‚Star Wars‘.“ Stimmt natürlich nicht. Sie haben in den vergangenen Wochen auch viel über Episode 7 gesprochen, über ihre Erwartungen und darüber, wie sie zum Fan wurden.

Seminararbeit im Studium

Annette Pohlke selbst kam erst als Erwachsene dazu. Sie habe die Lucas-Filme nicht im Kino gesehen, sondern später im Fernsehen, erzählt sie. „Da fand ich sie nett, mehr nicht.“ Erst, als der Dreiteiler technisch völlig überarbeitet Ende der 90er-Jahre noch einmal ins Kino kam, sah auch Pohlke die Sternen-Saga erstmals auf großer Leinwand. „Der dritte Teil hat mich dann völlig umgehauen, den hab ich in einer Woche gleich drei Mal gesehen“, sagt sie. So wurde die Theologin zum Fan – und versuchte sogar zu ergründen, was genau sie da eigentlich so begeistert. Während ihres Theologie- und Geschichtsstudiums schrieb sie eine Seminararbeit über das Filiarchat – die Herrschaft der Söhne. „Der Sohn, der den Vater töten muss, um seinen Platz einzunehmen – das ist ödipale Geschichte pur“, sagt sie. Aber nicht nur die psychologische Komponente habe sie interessiert, sondern auch die Frage nach Macht und Ethik. Aber natürlich möge sie auch Action- und Fantasie-Filme. „Über den neuen Film weiß ich aber noch wenig, ich lass mich einfach im Kino überraschen.“

Nur zwei kleine Wermutstropfen gibt es für Annette Pohlke: Sie kann am Donnerstagfrüh nicht zur Premiere – sie arbeitet für die Piratenpartei in Steglitz-Zehlendorf, und dort tagt das Bezirksparlament. Und ihrem Lichtschwert für ihre Kylo-Ren-Figur fehlt ein ganz wichtiges Bauteil – die Parierstange. Aber das würden eh nur Fans merken.