Neuerdings soll man überall mitmachen. Auf dem Spielplatz hängt Sonntags ein Transparent: „Putzaktion 11 – 16 Uhr“ steht drauf. Thermoskaffeekannen sind auf Biertischen aufgereiht. Müllsäcke liegen parat. Stolz lächeln uns Menschen mit Müllzangen in den Händen entgegen. Wir umrunden sie weiträumig, legen uns in die Sonne und rühren keinen Finger. In der Oderberger Straße hängen Zettel an jeder Haustür: „Liebe Nachbarn, wir …“

Es geht ums gemeinsame Putzen, Begrünen, Schrubben, Reinigen, Pflegen. Die Kita hat eine Mail geschickt. Erzieher sind krank, Eltern sollen aushelfen. Geht leider nicht. Zeit und Nerven reichen nicht, um zu helfen. Im Hausflur hängt ein Zettel: „Große Hausreinigung in 3 Tagen, bitte die Fußmatten entfernen.“ Na gut, das wird man vielleicht noch hinkriegen, wenn man dran denkt. Also wahrscheinlich eher nicht.
In der Zeitung liest man von einer Bürgerinitiative, die sich der Reinigung von Parks verschrieben hat. Man trifft sich, die BSR leiht Müllsäcke und Zangen und dann wird gemeinsam geputzt.

Sich raushalten? Nicht ohne schlechtes Gewissen

Man selber macht bei gar nix mit. Bepflanzt keine Baumscheibe, hebt anderer Leute Müll nicht auf, grüßt mit knapper Not die Nachbarn, hält sich aus allem raus. Warum? Weil man ein Großstädter ist! Hätte ich Lust auf Gemeinschaft und gesellschaftliches Engagement, würde ich in einer Kommune oder auf dem Dorf leben. Oder in eine Sekte eintreten. Also sich raushalten? Das ist ohne schlechtes Gewissen kaum mehr möglich.

Wer sich raushält und sich nicht beteiligt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn alles kaputtgeht und verdreckt. Um alles muss man sich selber kümmern. Um Mülleimer, Ampelschaltungen und Fahrradwege, Parkplätze und Parklets. Für alles gibt es pro und kontra Bürgerinitiativen. Die Politik schafft es nicht mehr, jetzt müssen die Bürger mithelfen.

Berlin soll schöner werden – und das gemeinsam

Ist die neue Gemeinsamkeit Folge der katastrophalen Berliner Stadtpolitik? Wird der BER einst von einer Bürgerinitiative im Eigenbau fertiggestellt und dann mit Erbpachtvertrag betrieben werden? Wenn alle mit anpacken, kriegen wir das hin mit dem Brandschutz und den Kabelschächten.

Werden Straßenschäden von engagierten Nachbarn demnächst in Sonntagseinsätzen geflickt? Gibt es bald Patenschaften für defekte U-Bahnwaggons von solidarischen Automechanikern? Unsere Stadt soll schöner werden. Wenn alle mithelfen, kriegen wir das hin. Wir schaffen das.