Ganze sieben Minuten dauerte der Antrittsbesuch von Tierparkdirektor Andreas Knieriem bei dem kleinen Eisbärchen, dann waren Begutachten, Wiegen, Vermessen, Chippen, Entwurmen, Streicheln und sogar ein bisschen Spielen erledigt. Wenig später stand der hochgewachsene Tierparkchef wieder vor dem Eisbärengehege, auf dem Eisbär Wolodja noch eine ganze Weile laut und eindringlich brüllte. „Der Bär hat natürlich gemerkt, dass wir in der Wurfhöhle waren“, erklärte der Zoo- und Tierparkchef das Verhalten.

„Es ist ein Bub“

Und dann verkündete er, worauf Interessierte seit der Geburt von Wolodjas Nachwuchs am 3. November mehr als zehn Wochen gewartet lang warten: „Es ist ein Bub.“ Dank Fotos und Videoaufnahmen aus dem Gehege habe man im Tierpark schon länger geahnt, dass es sich bei dem Jungtier um ein Männchen handelt, doch nun habe die erste Untersuchung Gewissheit erbracht. Und außerdem das: „Der kleine Bär wiegt jetzt etwa 4,5 Kilogramm – was sehr gut ist – und misst von der Nasenspitze bis zum Schwänzchen genau 61 Zentimeter.“

Aufs Privileg nicht verzichten

Eigentlich wäre die erste Inaugenscheinnahme des Jungtieres Sache des Tierpark-Veterinärs gewesen. Doch Direktor Andreas Knieriem, selbst ausgebildeter Tierarzt, wollte auf dieses seltene Privileg nicht verzichten. „Ich sitze viel am Schreibtisch“, sagte er zur Begründung, „und kümmere mich zu 90 Prozent um Verwaltungsangelegenheiten.“ Das Recht, einen kleinen Eisbären persönlich begrüßen zu können, habe er sich deshalb nicht nehmen lassen wollen. Begleitet wurde Knieriem von dem versierten Eisbärenpfleger Detlef Balkow, der sich bereits mehrfach im Tierpark um Eisbärennachwuchs gekümmert hat. Die jetzige Geburt ist die erste seit 1994.

Sieben Wochen lang war die Untersuchung des kleinen Bären vorbereitet worden, die sechsjährige Tonja, die 2013 mit dem etwas jüngeren Wolodja aus Moskau in den Tierpark gekommen war und sich bereits Wochen vor der Geburt in eine Wurfhöhle im hinteren Teil des Bärengeheges zurückgezogen hatte, musste ganz behutsam daran gewöhnt werden, dass sich zwischen ihr und ihrem Nachwuchs ein Gitter befindet. Erst, als die Bärenmutter die Trennung lange genug ertrug, konnte das kleine Bärchen erstmals untersucht und dabei auch das Geschlecht bestimmt werden.

So richtig glücklich sei der Kleine allerdings nicht gewesen über den Besuch. „Wir hatten uns ja auch nicht angekündigt“, sagte Knieriem danach augenzwinkernd. Als er das Bärchen hochgehoben habe, habe es sofort protestiert und geschrien. Schnell sei das Kleine begutachtet, gewogen und vermessen worden. „Mutter Tonja war anfangs noch ruhig, ist dann aber auch aufgeregter geworden.“ Das wiederum habe auch Eisbär Wolodja verunsichert, er habe in das Gebrüll eingestimmt.

Der Nachwuchs habe dann noch eine Spritze bekommen („zum Entwurmen“) und einen Transponder unter das Fell („wie bei allen Säugetieren am linken Schulterblatt“), dann habe er – Knieriem – die Gunst der Stunde genutzt und mit dem Bärchen noch etwas gespielt. „Dabei hat es mich gleich in den Finger gebissen“, sagte Knieriem und deutete seinen rechten Zeigefinger, wo am Beginn des Fingernagels eine rote Stelle zu sehen war. „Es war deutlich zu merken, dass der Bär schon ein paar Zähne hat. Das hat wehgetan.“ Er sei jedoch froh über diese Reaktion, sagte Knieriem, zeige sie doch, dass der kleine Eisbär ganz natürlich reagiert.

Und überhaupt: Alle im Tierpark seien sehr froh über diese natürliche Eisbärenaufzucht und darüber, dass Mutter Tonja ihre Rolle so gut angenommen habe. „Schließlich ist es ja ihr erstes Kind.“ Aber die Bärin mache intuitiv alles richtig.

Leser dürfen Namensvorschläge unterbreiten

Als im Tierpark am 3. November die frohe Kunde von einer gleich zweifachen Bärengeburt die Runde machte, waren viele überrascht – der Direktor inklusive. „Ich hatte eigentlich erst in einem Jahr mit Nachwuchs gerechnet“, sagt er, zudem gebe es Eisbärennachwuchs meist erst im Dezember. Allerdings starb ein Tier wenige Tage nach der Geburt. Nun aber sei alles wunderbar: „Im Zoo die Pandas, im Tierpark ein Eisbär – da kann das Jahr ja nur gut werden“, so Knieriem.

Im März, so schätzt er, werde der Kleine öffentlich gezeigt. „Bis dahin kann er Tonja sicher folgen.“ Und bis dahin seien auch nötige Umbauten am Bärengehege erfolgt. Noch seien die Stufen zum Wassergraben viel zu hoch, „der Kleine muss ja auch nach oben kommen können.“

Zuvor aber muss das Bärchen erst einmal einen Namen bekommen. Berliner Zeitung, Berliner Kurier, der Radiosender radioBerlin 88,8 und RBB Media haben die Patenschaft übernommen, Leser und Zuhörer können Vorschläge für einen Namen unterbreiten.

Vorgaben gibt es keine, aber der Tierpark-Chef hat durchaus Wünsche. „Der Name soll kurz und knackig sein“, sagt er. Er solle gut zu einem kleine Bären passen, aber auch zu einem ausgewachsenen Tier. „Der erwachsene Bär soll sich nicht dafür schämen.“