Wenn Arbeit und Familienleben jetzt zeitgleich stattfinden, kann es schon mal Chaos geben.
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Papa: Jetzt sieh doch auch mal die guten Seiten! Endlich haben wir mal Zeit füreinander! Und der Sozialstress mit all den Verabredungen fällt weg!

Mama: Im Gegenteil! In sozialen Medien kommunizieren alle unaufhörlich! Ich höre tausend virtuelle Stimmen in meinem Kopf!

Vierjähriges Kind: Ich-ich-ich-ich-ich-ich (zerstört irgendetwas).

Papa: Magst du nicht mal in dein Zimmer gehen und deinen Lego-Dinosaurier zusammenbauen, für den du zu jung bist und dessen Teile du deswegen ständig verlierst?

Vierjähriges Kind: Unter absolut keinen Umständen baue ich diesen Lego-Dinosaurier, für den ich zu jung bin und dessen Teile ich deswegen ständig verliere, ein viertes Mal auseinander und wieder zusammen! Ich weigere mich, irgendetwas anderes als den Dino für noch ältere Kinder zu bauen, sonst zerstöre ich die Wohnung.

Mama: Überall Fotos von Klopapier!

Papa: Aber beim Dino für noch ältere Kinder fehlen doch mehrere Teile – vermutlich eingesaugt von der Putzkraft, mit deren Anheuerung ich im Gegensatz zu Mama mehr aus Imagegründen denn aus finanziellen Erwägungen sehr lange gehadert habe - schließlich spielte ich einst in einer Punk-Band. Außerdem wird beim Versuch, den Dino für noch ältere Kinder zu bauen, unweigerlich eine Situation entstehen, wie sie vom renommierten Schweizer Pädagogen Remo Largo als Misfit identifiziert wird. Wie wäre es also mit dem kleineren Dino?

Vierjähriges Kind: Wie bereits angemerkt, weigere ich mich, irgendetwas anderes an den Dino für noch ältere Kinder zu bauen, sonst zerstöre ich die Wohnung, außerdem claime ich für mich das Recht, dich als Kackapups zu bezeichnen.

Mama: Hast du eigentlich dran gedacht, der Putzkraft, die wir uns als Freiberufler angesichts der neuen Situation ja eh nicht mehr leisten können, für heute wegen der Corona-Krise abzusagen?

Es klingelt an der Tür.

Papa: Die Putzkraft!

Mama: Leider kann man das Wort, mit dem ich dich jetzt gerade bezeichne, nicht in einer Zeitung abdrucken.

Vierjähriges Kind: Kackapups!

Papa: Durch die Corona-Krise hat das metaphernhafte Setting von Jean Paul Sartres berühmten Stück “Geschlossene Gesellschaft”, welches die Hölle als drei Menschen in einem Zimmer darstellt, eine unerwartet praxisnahe Neurelevanz erhalten. (Er geht in die Küche und knallt die Tür zu)

Es klingelt erneut. Mama lässt die Putzkraft herein.

Putzkraft: Hallo!

Mama: Bitte zuallererst Hände waschen!

Putzkraft: Okay. (Sie geht ins Bad)

Mama: Bitte verzeihen Sie die Unordnung hier. Eigentlich wollten wir absagen wegen, Sie wissen schon. Es tut mir sehr leid. Ich räume schnell die Spielsachen …

Vierjähriges Kind: Eigentlich würde ich unter keinerlei Umständen zulassen, dass meine Spielsachen weggeräumt werden. Doch die unerwartete Anwesenheit der Putzkraft hat in mir einen Stimmungswechsel hervorgerufen. Wie auch die letzten Male wird die Putzkraft mich gleich als süß bezeichnen, was meine durch die dauerbeengte Situation und ihre mangelnde pädagogische Begabung eh stark herausgeforderten Eltern endgültig über die Klippe schicken wird. Das wird gut!

Putzkraft: Süß!