Gesicht zeigen: Plakatkampagne „Typisch Deutsch“ zeigt engagierte Flüchtlinge

Sie leben noch nicht lange in Berlin, haben aber bereits viel für die Stadt getan: Acht Geflüchtete werben seit Montag auf Plakaten an Bahnhöfen und in Wartehallen für Engagement und Vielfalt. Jeder von ihnen floh vor wenigen Jahren vor Krieg und Not nach Deutschland, jeder hat sich seitdem in besonderem Maße um das Zusammenleben hier verdient gemacht. Mal als Basketballtrainer für Kinder, mal als Brückenbauer auf YouTube und mal als Kämpferin für Frauenrechte.

Die Protagonisten sind Teil der neuen Senats-Kampagne „Farben bekennen“, die Staatssekretärin Sawsan Chebli am Montag vorstellte. „Die öffentliche Debatte um Migration ist geprägt von einem verzerrten Bild“, sagte die 39-Jährige. Geflüchtete würden oft als unwillig und nicht integrierbar abgestempelt.

„Seit 2015 sind Dinge passiert, die dieses Bild schüren: das Anzünden eines Obdachlosen oder der Anschlag vom Breitscheidplatz. Auf der einen Seite sind das Erinnerungen, mit denen wir umgehen müssen. Auf der anderen macht die AfD ganz bewusst Stimmung damit und erklärt Geflüchtete zum Sündenbock.“ Mit der Kampagne wolle man nicht nur Erfolgsgeschichten erzählen, sondern auch zeigen, dass Geflüchtete etwas zurückgeben.

„Typisch Deutsch“, prangt auf jedem der 1500 Plakate unter einem Gesicht. Dabei steht, welche Eigenschaft die Erzählenden mit ihrer neuen Heimat verbinden, gleichzeitig aber auch selbst in die deutsche Gesellschaft einbringen wollen. „Hilfsbereit sein“, hält etwa Mohammed Noor al Ghosh für eine deutsche Tugend – und für eine Selbstverständlichkeit. Nachdem Anis Amri einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt lenkte, rief der 25-Jährige eine Blutspende-Aktion unter Geflüchteten ins Leben.

Menschen mit Fluchtgeschichte übernehmen Verantwortung und gehören zu Deutschland, ist so die Botschaft der Kampagne. „Deswegen heißt sie auch ,Farben bekennen’, also in der Mehrzahl“, erklärt Sawsan Chebli. „Es geht nicht um das Bekenntnis zu bloß einer Sache, sondern zu ganz vielen Lebensentwürfen, die unsere Gesellschaft ausmachen.“

Chebli ruft auch die Berliner auf, sich zu bekennen – und zwar gegen Hass und Hetze. Auf der neuen Website www.farbenbekennen.de kann sich jeder informieren, ein Social-Media-Wettbewerb fordert die Hauptstadtbewohner auf, zu erzählen, was sie für typisch deutsch halten. Entstehen soll das, was Berlin für Sawsan Chebli und die Protagonisten der Kampagne sein soll: ein Mosaik aus vielen Menschen, die sich helfen und sich einander verpflichtet fühlen.