Der Zettel ist jetzt drei Jahre alt, doch was darauf steht, ist immer noch aktuell. „Auf Anweisung des Schulamtes ist die obere Halle vorläufig gesperrt“, hat der frühere Schulleiter der Grundschule am Kollwitzplatz im Dezember 2010 auf den Aushang geschrieben.

Bis heute hat sich nichts geändert. Die obere Etage der Doppelsporthalle an der Sredzkistraße ist immer noch wegen Schäden an der Hallendecke gesperrt. Seit Mai 2011 versucht das Landgericht herauszufinden, wer die Schuld und damit die Reparaturkosten in Höhe von 1,1 Millionen Euro trägt. Es gibt Gutachten und Gegengutachten, Ende Juni wird ein Zusatzgutachten erwartet. Wann der Streit zwischen Bezirk und dem Statikerbüro entschieden wird, weiß derzeit keiner.

Protest im Bezirksparlament

Doch Eltern, Lehrer, Sportler und die Trainer vom Hockeyverein Rotation Prenzlauer Berg, die einst in der Halle geübt hatten, wollen nun nicht länger warten. „Das Maß ist voll“, sagt Julia Gerometta, Elternsprecherin der Turnhallen-AG. Die Mütter und Väter wollen, dass die obere Sporthalle sofort saniert wird, unabhängig vom Ende des Rechtsstreits, der noch weitere Jahre dauern kann. Am heutigen Mittwoch gehen die Eltern mit ihren Kindern zur Juni-Sitzung der Bezirksverordneten in die Fröbelstraße. Die Kinder werden Sportzeug anhaben.

Die Sperrung der oberen Turnhalle in der Sredzkistraße dauert zwar besonders lange. Aber es ist längst nicht der einzige Fall in Berlin. Auch andere Bezirke mussten Schulsporthallen schließen, weil es bauliche Mängel gab. Zurzeit benötigen die Berliner Bezirke etwa 200 Millionen Euro, um ihre Turnhallen und Sportplätze zu reparieren. 64,3 Millionen Euro stellt der Senat 2013 aus dem Schulanlagensanierungsprogramm bereit, weitere neun Millionen Euro sind für Sportanlagen vorgesehen. Schulen haben immer Vorrang, erst dann kommen Hallen und Plätze.

Schule mit Sportschwerpunkt

In Steglitz-Zehlendorf musste das Bauamt vergangenes Jahr elf Hallen schließen, derzeit sind es noch drei. Die Grundschule am Karpfenteich bekommt eine neue Halle, ebenso das Arndt- und das Goethe-Gymnasium. Doch bis neue Sporthallen geplant, genehmigt und gebaut sind, vergehen meist Jahre. Und so geduldig sind engagierte Eltern meist nicht. An der Mahlsdorfer Grundschule gründeten sie im vergangenen Jahr eine Initiative, nachdem die Turnhalle im Herbst 2012 wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde. Die Sportlehrer improvisierten im Klassenraum, die älteren Schüler fuhren in eine andere Halle. Nach Petitionen an das Abgeordnetenhaus und 4 000 Unterschriften zog der Bezirk den für 2015 geplanten Neubau vor. Baubeginn für die 2,9 Millionen Euro teure Doppelsporthalle ist nun 2014.

In der roten Klinkerturnhalle in der Sredzkistraße, von Architekten zur Eröffnung vielgelobt, sollten 800 Schüler Sportunterricht erhalten. Die obere Sporthalle des acht Millionen Euro teuren Baus war komplett für die Grundschule am Kollwitzplatz reserviert. Die Schule hat einen auf Sport orientierten Schwerpunkt. Sie kooperiert mit den Basketballern von Alba, die in der alten Turnhalle Kinder und Jugendliche trainieren.

Hockeyverein verliert Mitglieder

Von 2002 bis 2010 funktionierte dieses Konzept. Dann wurde die obere Halle gesperrt. „Seitdem können wir nicht mehr unseren Lehrplan erfüllen“, sagt Schulleiterin Janett Hartig. Die Kapazität der unteren Halle reicht nicht aus, denn dort haben auch Schüler zweier benachbarter Schulen Sport. Seit drei Jahren heißen manche Sportstunden nur noch Bewegungsstunden, bei gutem Wetter finden sie auf dem Hof statt, bei schlechtem im Klassenzimmer. Ballspiele und Laufübungen fallen dann aus. Eltern haben ausgerechnet, dass es statt 70 Sportstunden pro Woche nur noch 30 gab. Die Schule fürchtet um ihren guten Ruf. „Wir arbeiten erfolgreich, aber wir werden nicht ernst genommen. Wir wollen ein vernünftiges Ausweichprogramm“, sagt Schulleiterin Hartig.

Bis zur Schließung konnten auch die Hockeyspieler der SG Rotation Prenzlauer Berg die Halle nutzen. Doch dann reichte der Platz nicht mehr aus. Der Verein verteilte seine Trainingsstunden auf zwölf Hallen in der Stadt, zurzeit sind es sieben. „Aber keine Halle ist gut für Hockey geeignet“, sagt Trainer Robert Kanold. Immer weniger Kinder kommen zum Training, Eltern sind die Trainingsorte zu weit entfernt.

Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) sagt, sie könne die Dauer des Rechtsstreits nicht beeinflussen. „Und Sporthallen kann ich nicht zaubern.“ Knapp 300 000 Euro hat der Bezirk bisher schon gezahlt für die Stützpfeiler unterm Dach der gesperrten Halle.