Werbung für ein Sonderangebot (Symbolbild).
Foto: Petra Schneider/Imago

BerlinIch habe es getan. Ich war bei einem Textildiscounter der mittleren Preisklasse und habe den Kauf eines Fünferpacks Unterhosen erwogen. Das war jetzt aber noch nicht das Geständnis. Das Geständnis ist: Ich habe das Gespräch zweier Kundinnen belauscht, unfreiwillig. Ehrlich. Es ging um Trump und Greta und dann fielen diese Sätze: „Chris und ich überlegen inzwischen ernsthaft, ob wir uns wirklich noch ein drittes Kind anschaffen sollen.“ Die andere: „Ist ja ganz normal bei allem, was so auf einen einprasselt, Klima und so.“

Jetzt muss ich erst einmal nachdenken. Über das Wort „anschaffen“ im Zusammenhang mit Kind und Klima und Textildiscounter. Neben der Rolltreppe hängt eine Tafel mit der Aufschrift: UG Kinder. Doch von einer Erweiterung des Sortiments im Untergeschoss hätte ich garantiert etwas mitbekommen. Auch dürfte es sich nicht um einen versteckten anatomischen Hinweis handeln, einen Tipp für die familiäre Erweiterung des Sortiments sozusagen.

Gesprächsfaden am Unterhosen-Grabbeltisch

Beim Googeln mit dem Handy verliere ich den Gesprächsfaden am Unterhosen-Grabbeltisch. Dafür erhalte ich im Internet andere interessante Informationen: Bei den Stichwörtern Kinder und Klima lande ich bei Greta Thunberg und Donald Trump und CO2, und weil ich über diese Thunberg-Trump-CO2-Sache schon gefühlt tausendmal irgendwo etwas gelesen habe, suche ich nach Kinder und CO2 und komme rasch bei Frau Verena Brunschweiger an. Die hat herausgefunden, dass Kinder extrem klimaschädlich sind.

Genau genommen hat sie das nicht selbst herausgefunden, sondern ein Buch darüber geschrieben und ist damit offenbar einigermaßen bekannt geworden. Herausgefunden hat diesen skandalösen Sachverhalt die University auf British Columbia in Vancouver. Kaum zu glauben, dass man mit dem Verzicht auf ein Kind 50 Tonnen pro Jahr einspart.

Gut, dass das erst mit den heutigen wissenschaftlichen Methoden nachweisbar ist. Sonst hätte Frau Brunschweiger ja kein Buch darüber schreiben können, denke ich, so klimafreundlich abgeschafft, wie sie wäre.

Flugreisen gelten ja klimatechnisch eher als Todsünde

Ich google Flugreise, Tokio, CO2, Ausstoß, weil lange Flugreisen ja klimatechnisch als Todsünde gelten und Tokio ein lohnendes Ziel sein könnte, wegen Olympia 2020 zum Beispiel. Die gut sechs Tonnen Treibhausgas sind ja geradezu ein Witz, scheint mir, aber wir sind schließlich auch nicht schlecht unterwegs. Fahren mit unserer acht Jahre alten CO2-Schleuder Bahn, jetzt wieder mit dem ICE über die Herbstferien zur Oma. Mehr geht unter den gegebenen Umständen wirklich nicht, sage ich mir und greife wahllos zu einer Unterhose vom Grabbeltisch, die Trunk heißt. „Made in Vietnam“, steht auf dem Etikett. Sechs Tonnen CO2. Lieber nicht.

Die eine Kundin hat sich hinsichtlich ihrer Anschaffung entschieden. Sie steht in der Warteschlange an der Kasse mit einem Packen Unterhosen in der Hand. Für Chris vermutlich. Hoffentlich sind die Dinger wenigstens hilfreich fürs eheliche Klima.