Berlin - Berlins wohl modernste Bibliothek entsteht hinter der Barockfassade des neuen Schlosses. Die Zentral und Landesbibliothek (ZLB) will im künftigen Humboldtforum auf dem Schlossplatz ab dem Jahr 2019 Bücher, CDs, DVDs zum Thema Dialog der Kulturen in exklusivem Design präsentieren. Mittelpunkt ist ein etwa 60 Meter langes begehbares Bücherregal. Die Pläne für die Bibliothek sind das Ergebnis eines Wettbewerbs zur Innengestaltung des Humboldtforums. Die Vorschläge dazu sind seit Montag in einer Ausstellung in der Humboldt-Box auf dem Schlossplatz zu sehen.

Sieger des Wettbewerbs wurde, wie berichtet, das Büro Holzer Kobler Architekturen aus Zürich zusammen mit dem Leipziger Grafikbüro Gourdin & Müller. Neben den Ideen für die Gestaltung der Bibliothek sollten die Planer noch Vorschläge für den Innenraum mit Empfangstresen, Kassentheken und Sitzmöbeln machen.

Der preisgekrönte Entwurf zeichnet sich durch moderne Elemente aus. Er sieht für die Eingangshalle turmartige Leuchttafeln vor, die den Besuchern den Weg zu Ausstellungen und Veranstaltungen im Schloss weisen sollen. Das begehbare Bücherregal der ZLB soll über die gesamte Breite des Gebäudes im ersten Obergeschoss an der Ostseite entstehen.

Die ZLB ist einer von drei Nutzern des neuen Schlosses. Auf einer Fläche von rund 4000 Quadratmetern will die ZLB Medien zu den Gebieten Tanz, Bühne, Film, Kunst und Musik zur Verfügung stellen. Hauptnutzer im neuen Schloss wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die in dem Gebäude ihre außereuropäischen Sammlungen präsentieren möchte. Die Humboldt-Uni will als dritter im Bunde ihre wissenschaftsgeschichtlichen Sammlungen präsentieren.

Bald in der heißen Phase

Die Arbeiten für das neue Schloss sind bereits in vollem Gange. „Wir kommen jetzt allmählich in die heiße Phase des Projekts“, sagte Manfred Rettig, Geschäftsführer der Stiftung Berliner Schloss Humboldtforum, am Montag. Die Stiftung ist Bauherr des 590 Millionen Euro teuren Projekts. Zurzeit sind die Bauleute damit beschäftigt, Altlasten aus dem Boden zu entfernen.

Dazu gehören die Überreste der Holzpfähle, die vor gut 300 Jahren bei der geplanten Aufstockung des Münzturms in den Untergrund eingebracht worden waren. Bekanntlich war der Turm wegen des schlechten Baugrundes im Jahr 1706 zusammengefallen, was das Karriereende von Andreas Schlüter als Schlossbaumeister bedeutete.

Der Vorfall ist der Stiftung auch heute noch Warnung vor dem schlechten Baugrund. Stiftungschef Rettig sagte, bisher sei man statt auf alte Holzpfähle jedoch nur auf „fauliges Wasser“ im Untergrund gestoßen. Ob dies für den Bauverlauf günstiger oder ungünstig sei, lasse sich derzeit nicht sagen. Derzeit werde das Grundwasser abgesenkt, um die vermuteten Holzpfähle herauszuziehen. Wenn es keine Holzpfähle mehr gebe, sei die Grundwasserabsenkung nicht nötig.

Mehrere Fragen werden derzeit unter den Planern heiß diskutiert. Zum Beispiel, ob auf dem Humboldtforum ein Dachrestaurant entsteht. Die Entscheidung darüber soll im Herbst fallen, sagte Rettig. Klar ist indes die Nutzung der Kuppel. Sie soll durch das Museum für asiatische Kunst genutzt werden.

Zum bevorstehenden Freiraumwettbewerb für den Schlossplatz sagte Rettig, er wünsche sich, dass eine spätere Rückkehr des Neptunbrunnens möglich sei. Bisher ist die Rückkehr nicht geplant. Der Brunnen soll weiter vor dem Roten Rathaus bleiben. Der Wettbewerb für die Gestaltung des Areals um das Schloss soll in Kürze starten und Anfang kommenden Jahres abgeschlossen werden.

Die Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten für die Innengestaltung des neuen Schlosses ist in der Humboldt-Box bis 17. September täglich von 10 bis 20 Uhr zu sehen (7. und 13. September geschlossen).