Berlin - Der zweieinhalb Meter lange Harald-Juhnke-Weg ist weiterhin im Rennen. Bürger, Initiativen und Verbände haben in den vergangenen Wochen und Monaten 331 Vorschläge für die Gestaltung des Tempelhofer Feldes eingereicht. Die etwas skurrile Idee einer Ehrung des Volksschauspielers an einem winzigen Fleckchen des riesigen Geländes gehörte zu den populärsten. Nun ist die erste Phase des Beteiligungsverfahrens, aus dem am Ende ein Entwicklungs- und Pflegeplan für das Feld erwachsen soll, beendet – und die Koordinatoren ziehen eine positive Bilanz.

„Wir sind sehr zufrieden mit der spannenden Debatte“, sagte Tilmann Heuser, der Koordinator für das Beteiligungsverfahren für die Zukunft des Tempelhofer Feldes. Jetzt wird die zweite Phase eingeleitet, die Werkstattphase.

Vom 8. Mai an treffen sich Runden zu Themenfeldern wie Naturschutz, Freizeit und Erholung, Sport oder Geschichte und Gedenken. Bis Herbst soll ihre Arbeit beendet sein. Ende 2015 sollen anhand der abgestimmten Vorschläge eine Beschlussempfehlung für das Abgeordnetenhaus verfasst werden.

Viele wollen keinen Zaun

Viele Vorschläge, die über das Internet eingingen oder persönlich vorgetragen wurden, stimmten überein, sagte Heuser. So gebe es große Sympathien für Sitzbänke, Schattenplätze, Toiletten und ein besseres Gastronomieangebot. Positiv überrascht war Heuser, dass die unterschiedlichen Nutzer – vom Urban Gardener, über den Griller bis zum Drachenflieger – sehr tolerant miteinander umgingen. „Alle sagen: Das Feld gehört allen. Und alle sagen: Wir brauchen nicht wahnsinnig viele Nutzungsregeln“, so Heuser.

Er berichtete aber auch von Konflikten. So seien immer noch viele gegen den Zaun. Sie fordern, dass das Gelände rund um die Uhr zugänglich ist. Dagegen sähen Umweltschützer in dem früheren Exerzierplatz und späteren Flughafen eine einzigartige Naturlandschaft, die durch Zäune und Schließzeiten geschützt werden müsse. Schwierig sei auch die Abwägung für den Bereich am Columbiadamm. Dort gibt es Baseballplätze und eine Minigolfanlage, der Bedarf an weiteren Sport- und Freizeitstätten sei groß. Dagegen stehe der Wunsch, die Geschichte des Zwangsarbeiterlagers zu dokumentieren, das die Nazis in diesem Bereich betrieben haben.

In dieser zweiten Phase wollen die Aktivisten möglichst viele Menschen einbinden, die bisher nicht beteiligt waren. Dazu sind unter anderem sogenannte Felddialoge geplant, Diskussionen mit Nutzern an Ort und Stelle. Auch deren Ergebnisse sollen in die Beschlussempfehlung fürs Parlament einfließen.

Die Bebauung ist noch nicht ad acta

Nur eines sei sicher, sagte Heuser: Die gewonnene Volksabstimmung gegen eine Randbebauung im vorigen Mai und das aktuelle Beteiligungsverfahren haben dazu geführt, dass die Feld-Freunde ein starkes Selbstbewusstsein entwickelt haben. „Jeder, der in den nächsten Jahren versuchen sollte, Bebauungspläne durchzusetzen, wird das zu spüren bekommen.“

Das darf der Regierende Bürgermeister als Warnung verstehen. Michael Müller, in dessen Amtszeit als Stadtentwicklungssenator die Niederlage beim Volksentscheid bekanntlich fiel, hat sich noch nicht von einer Bebauung verabschiedet.

„Ich vermute, irgendwann in der nächsten oder übernächsten Legislaturperiode wird das Thema wieder aufgegriffen“, sagte der SPD-Politiker vor einem Monat dem Magazin Focus. Gleichzeitig zeigte sich Müller „enttäuscht, wie wenig konkrete Vorschläge aus der Bürgerschaft es für eine weitere Nutzung“ gebe. Ein Harald-Juhnke-Weg reicht dem Regierenden, der gleich um die Ecke wohnt, offenbar nicht aus.