„Gestillt?“: Diese Fragen bekommen Eltern ernsthaft bei der Schulanmeldung gestellt

„Sind Sie denn handwerklich begabt und könnten uns bei Arbeiten auf dem Schulhof helfen?“ Solche Fragen werden Eltern gestellt, die ihr Kind in diesen Tagen an einer Grundschule anmelden wollen. Es geht hier nicht um teure Privatschulen, sondern um ganz normale Regelschulen.

Nicht wir suchen die Schule aus – sie sucht uns aus

Während auf dem Dorf viele Kinder noch einfach in die einzige Schule der Ortschaft gehen, sieht es in städtischeren Gebieten anders aus. Da wird das Bildungsinstitut zum Dienstleister, die Elternschaft zum Kunden. Passen Sie überhaupt zu uns?

In manchen Schulen müssen Väter und Mütter mehrseitige Fragebögen ausfüllen. Ob die Geburt normal verlief, wie lange sie gestillt haben, wann das Kind trocken wurde – und ob der getrennt lebende Vater allein oder in einer neuen Partnerschaft lebt.

Wir haben Eltern nach ihren Erfahrungen bei der Schulanmeldung gefragt.

Handwerklich begabt?

Wir sollten in einem Fragenkatalog ankreuzen, wie wir uns als Eltern einbringen könnten: „Kreuzen Sie an: Ich kann gut handwerken, ich kann gut basteln, ich kann gut backen.“

Trocken werden

Eine Freundin musste Auskunft geben, wann das Kind keine Windeln mehr brauchte.

Migrationshintergrund

Ich bin Halb-Italienerin, der Vater meines Kindes deutsch. Wir wurden gefragt, ob unser Sohn italienisch spricht. „Nein“, sagte ich, „er kann nur italienisch fluchen.“ Die Lehrerin kreuzte daraufhin „zweisprachig“ an - und „Migrationshintergrund“. Wir haben dann eine andere Schule gewählt.

Rechtschreibschwäche

Im Schul-Fragebogen sollten wir ankreuzen, ob unser Kind eine Lese-/Rechtschreibschwäche hat. Unser Sohn war fünf und konnte gerade einmal seinen Namen schreiben.

Hochbegabt

„Wie kommen Sie zu so einem intelligenten Kind? Sie haben doch beide nur den Hauptschulabschluss!“, fragte uns eine Lehrerin. Unser dritter Sohn sollte wegen einer getesteten Hochbegabung vorzeitig eingeschult werden.

Wie lange gestillt?

Wir sollten angeben, wie lange unser Kind gestillt wurde. Ankreuz-Möglichkeiten: nicht gestillt, weniger als einen Monat, 1-3 Monate, 4-6 Monate, mehr als 6 Monate, unbekannt. Dazu sollten wir noch notieren, bis zu welchem Lebensmonat das Kind voll gestillt wurde. Was tut das zur Sache?

Immer so ängstlich?

Wir betreten das Büro mit drei uns natürlich völlig fremden Frauen. „Guten Tag. Ja, wir machen die Formalitäten mit Ihnen, und du gehst dann mal mit Frau Sowieso mit in ein anderes Zimmer.“ Unser Sohn wollte natürlich nicht. „Ist der immer so ängstlich?“ Fast sechs Jahre bringe ich meinem Kind bei, nicht mit Fremden mitzugehen. Und dann kommen die...

Bitte zeichnen

Unsere Tochter sollte bei der Schul-Eingangsuntersuchung einen Sekretär samt Schublade korrekt nachzeichnen. Selbstverständlich sah das Bild nur annähernd so aus. Unsere Ergotherapeutin meinte, das sei eine Aufgabe für Neunjährige.

Laufrad fahren?

Wir sollten ankreuzen, ob unser Kind Laufrad gefahren sei. Wir kreuzten „Nein“ an, was unserem Sohn als Mangel ausgelegt wurde. Dass er lieber direkt Fahrrad fuhr – und das auch auf Anhieb mit vier Jahren konnte – wurde dabei nicht berücksichtigt.

Neuer Partner?

Auf unserem Fragebogen sollten wir Angaben machen, bei wem das Kind hauptsächlich wohnt. Bei den leiblichen Eltern, bei der Mutter mit Partner/in, bei der Mutter alleinerziehend, bei dem Vater mit Partner/in. Mit dem Vater alleinerziehend, im Heim, bei Pflege-/Adoptiveltern, bei anderen Familienmitgliedern, bei anderen Personen.

Sprich mir nach!

Die Amtsärztin bei der Schuluntersuchung meiner Tochter kam nicht aus Deutschland und hatte einen starken Akzent. Meine Tochter sollte ihr genau nachsprechen: „Boostguttschä“, was meine Tochter auch tat, sie sagte gehorsam, wenn auch etwas verwundert: „Boostguttschä“. Es sollte Postkutsche heißen.