Der Senat prüft Schadensersatzansprüche gegen die Schule, aus der die Prüfungsunterlagen für die schriftliche Mathe-Prüfung zum Mittleren Schulabschluss (MSA) am Wochenende gestohlen worden waren. Denn dadurch entstand dem Land Berlin ein erheblicher Mehraufwand, wie Thorsten Metter, Sprecher der Bildungsverwaltung, sagte.

In Berlin und Brandenburg mussten rund 40.000 Exemplare der Reserveaufgaben neu ausgedruckt werden, weil man befürchtete, dass die gestohlenen Unterlagen noch vor der Mathe-Prüfung am Dienstagmorgen im Internet auftauchen. Allein in der Berliner Bildungsverwaltung wurden am späten Montagabend noch 25.000 Exemplare à neun Seiten an Repromaschinen ausgedruckt.

Am Dienstagmorgen um sieben Uhr kamen dann Lehrer aus 166 Oberschulen in die Verwaltung am Alexanderplatz, um die neuen Unterlagen abzuholen. Kleinere Schulen hatte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gebeten, die Unterlagen aus dem Internet herunterzuladen und selbst auszudrucken. Unterdessen lieferten manche Boten morgens noch die alten Aufgaben an Schulen aus. Sie konnten teilweise nicht mehr aufgehalten werden. Berlin und Brandenburg schreiben die Mathe-Prüfungen zusammen, allerdings erhalten in Brandenburg die Gymnasiasten andere, schwerere Mathe-Aufgaben für den MSA.

Im Jahr 2008 kursierten die MSA-Mathe-Aufgaben schon einen Tag vor der Prüfung im Internet. Seinerzeit wurde vermutet, dass ein Mitarbeiter einer Privatdruckerei, in der die Bögen vervielfältigt worden waren, diese unter der Hand weiterverkauft haben könnte. Seither waren meist landeseigene Druckereien beauftragt worden.

Ersatzaufgaben auch für Englisch

Für jede schriftliche MSA-Prüfung werden in einem aufwendigen Verfahren drei Aufgabensätze erstellt – neben den Aufgaben, die erste Wahl sind, Ersatzaufgaben sowie Aufgaben für die Nachschreibetermine. Alle Aufgabensätze sollen gleich schwer sein, deshalb werden sie von Lehrergruppen vorher mehrfach getestet und bewertet.

Am Dienstagmorgen kamen nun bei 33.000 Berliner und 10.000 Brandenburger Zehntklässlern die Ersatzaufgaben zum Einsatz. Nach ersten Erkenntnissen bereitete eine Dreiecksberechnung in der Aufgabe 2b vielen Schülern große Probleme. Hier gab es nämlich zwei unterschiedliche Lösungen, je nachdem ob ein Schüler mit Sinus- oder Kosinussatz rechnete. Nach aufgeregten Anrufen aus den Schulen musste die Bildungsverwaltung in einem Rundschreiben klar machen, dass beide Lösungswege korrekt sind.

Den ganzen Ärger ausgelöst hatten bisher unbekannte Diebe, die in der Nacht zum vergangenen Sonntag in die private Immanuel-Gesamtschule in Oranienburg eingebrochen waren. Das ist eine kleine freikirchlich-evangelikale Schule. Ein Mitarbeiter der Schule hatte am Sonntagmittag den Einbruch bemerkt. Bei der Aufnahme der Anzeige meldete er aber nur den Verlust von zwei Laptops, einem Beamer und einem Kassettenrekorder, wie die brandenburgische Polizei mitteilte. „Es ist in den vergangenen zwei Monaten bereits der dritte Einbruch in das Schulgebäude gewesen.“

Von den gestohlenen Prüfungsunterlagen erfuhren die Behörden erst später. Anders als in Berlin werden in Brandenburg die Prüfungsunterlagen gebündelt bereits drei Tage vor der ersten Prüfung von einem Boten in die Schule gebracht. Deshalb müssen sie dort in einem abgeschlossenen Behälter aufbewahrt werden. Ob das an der Oranienburger Schule der Fall war, ermittelt derzeit die Schulaufsicht.

Da bei dem Einbruch auch eine Hörverständnis-CD für die MSA-Prüfung in Englisch entwendet wurde, erhalten Schulen am Donnerstag auch hier Ersatzaufgaben.