Berlin - Nach dem Diebstahl der goldenen Skulptur aus der Grundschule am Fuchsberg in Biesdorf werden neue Details zur Tat bekannt. Nach Informationen der Berliner Zeitung sollen die Täter sehr schnell gehandelt haben und den Raub innerhalb von etwa 14 Minuten ausgeführt haben. Offenbar brachen sie in der Nacht zu Mittwoch kurz nach Mitternacht mit Spezialwerkzeug eine recht kleine Öffnung in die mit kugelsicherem Panzerglas geschützte Vitrine, in der das „Goldene Nest“ des Künstlers Thorsten Goldberg ausgestellt wurde. Dann holten sie Zweig um Zweig aus der Glasvitrine heraus, nur ein kleiner Rest des Kunstwerks, dessen Materialwert auf mindestens 28.000 Euro geschätzt wird, blieb dort liegen.

Bereits am Tag nach der Tat durchsuchten Polizisten und Spezialkräfte mehrere Immobilien, die polizeibekannten arabischen Clans zugerechnet werden. Darunter auch das Haus von Clan-Chef Issa Remmo in Alt-Buckow. Die Ermittlern prüfen zudem, ob der Einbruch in eine Feuerwache in Johannisthal mit der Tat in Zusammenhang steht. Damals waren unter anderem Trennschleifer und Hydraulikspreizer aus Fahrzeugen entwendet worden.

Möglichkeiten eines Nachbaus werden geprüft

„Ich hätte nicht gedacht, dass das Kunstwerk tatsächlich gestohlen wird“, sagte Gordon Lemm (SPD), Schulstadtrat von Marzahn-Hellersdorf am Donnerstag. Denn es sei besser gesichert gewesen als die Goldmünze, die mutmaßlich von arabischen Clan-Mitgliedern aus dem Bode-Museum gestohlen worden war. Geprüft werde noch, wem das Goldnest genau gehört habe und ob eine Versicherung greife, sagte Lemm. Womöglich könne das Kunstwerk mit anderem Material nachgebildet werden. „Gold scheint Fantasien zu wecken.“

Das Werk war als „Kunst am Bau“ in den Neubau gekommen. Bei öffentlichen Bauten wird ein Prozent der Bausumme für Kunst ausgegeben werden. So sollen Künstler unterstützt werden. Eine Kommission unter Vorsitz von Karin Scheel, heute Leiterin der Galerie Schloss Biesdorf, habe den Entwurf unter vielen Bewerbungen ausgewählt, bestätigte Lemm. Seit Herbst 2018 befand sich das Werk in der Schule, es gab bereits zwei Raubversuche. Eingelassen war die Vitrine in die Wand zwischen Foyer und Schulhof, von außen sichtbar. Die Täter sollen Fenster im ersten Stock aufgebrochen haben, um in das Gebäude zu gelangen.

„Es ist wirklich sehr traurig, dass das Nest den Kindern gestohlen wurde“, sagte der Künstler Thorsten Goldberg. Die Schule hätte das 818 Gramm schwere Kunstwerk aus 999er Gold nach 14 Jahren gegen seinen Materialwert eintauschen können. „Das Geld wäre für die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder eingesetzt worden“, betonte der in Steglitz lebende Künstler. „Kunst am Bau“ gibt es an vielen öffentlichen Neubauten. Vor der 2011 fertiggestellten Staatlichen Ballettschule in Prenzlauer Berg steht etwa eine rötliche Stahlskulptur, die einen Bühnenvorhang symbolisiert.