An den Flughäfen der Stadt mangelt es an einer durchdachten Teststrategie
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BerlinManchmal hilft es, Fachleuten zuzuhören. Auch wenn’s weh tut. Die Testpflicht von Reiserückkehrern aus Risikogebieten ist eigentlich schlau. Man fischt diejenigen, die sich den Virus im Ausland eingefangen haben, raus und schickt sie in häusliche Quarantäne. Alle anderen, und das ist der überwiegende Teil, wären gut dran. Für sie könnte das Leben – natürlich unter Einhaltung der bekannten Hygieneregeln – weitergehen, Schulen, Geschäfte und Kneipen dürften offenbleiben. Ein weiterer systembedrohender Lockdown wäre nicht nötig, nicht nur die Reisebranche könnte vielleicht noch mit einem blauen Auge aus dem Katastrophenjahr 2020 kommen.

Das alles hörte sich richtig gut an, wie ein geübter Umgang mit dem Virus. Da war es dann fast schon nachrangig, ob die Pflichttests weiterhin kostenlos blieben – was logisch klingt – oder kostenpflichtig würden – was gesellschaftlich fair wäre.

Doch leider funktioniert die Testpflicht nicht. Sagen die Fachleute – in diesem Fall die Mediziner und die Laborbetreiber. Sie erinnern daran, was das Robert-Koch-Institut von Anfang an gesagt hat: Das massenhafte Testen symptomloser Menschen, von denen man nicht einmal weiß, ob sie sich überhaupt in coronakritischen Situationen befunden haben, hilft nicht. Das wiege die negativ Getesteten allenfalls in einer vermeintlichen Sicherheit, die sie möglicherweise leichtsinnig werden lasse. Schlimmer noch: Die an anderen Stellen dringend benötigten Testkapazitäten werden knapp.

Also was ist zu tun? Ein erster Schritt wäre es, die Kapazitäten massiv zu erhöhen. Auch ein möglichst zielgenaues Testen von Corona-Verdachtsfällen wäre sicher richtig. Dazu braucht man Personal an Flughäfen, das diese Fälle herausfiltert. Warum nicht die Bundespolizei? Alles immer noch besser, als alle Rückkehrer ausnahmslos in 14-tägige Quarantäne zu stecken. Das wäre ein schwerer Rückschlag im Umgang mit dem Virus.