Ungehindert fegt der Wind über die große leere Fläche. Lediglich ein paar Fahrkartenautomaten und ein provisorisch wirkendes Kioskgebäude trotzen den Böen. Für Zugreisende gibt es in Berlin wohl nirgendwo sonst ein so trostloses Entree wie am Bahnhof Gesundbrunnen, wo seit sechs Jahren auch Regional- und ICE-Züge halten. Doch das soll sich ändern. Auf dem Platz über den Gleisen, der nach der Hertha-Legende Hanne Sobek benannt worden ist, will die Deutsche Bahn (DB) für neun Millionen Euro ein Empfangsgebäude errichten.

Geschützt vor Wind und Wetter

„Wir wollen den Bauauftrag innerhalb der nächsten zwei Wochen vergeben. Im März oder April 2013 soll der Bau beginnen“, sagte Uwe Marxen von DB Station & Service am Dienstag. Ende 2013, spätestens 2014 soll das eingeschossige Gebäude mit der Glasfassade fertig sein. Auf 6000 Quadratmeter Fläche werden unter anderem ein Reisezentrum mit Fahrkartenverkauf, Läden und gastronomische Betriebe einziehen. Vor allem aber werden dort die Fahrgäste vor Wind und Wetter geschützt auf ihre Züge warten können. Heute müssen sie noch auf den Bahnsteigen ausharren.

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Eigentlich sollten die Bautrupps schon vor rund einem Jahr loslegen. Doch um Kosten zu senken, waren Umplanungen nötig. Eine Photovoltaik-Anlage, die auf dem Dach aus Sonnenlicht Strom erzeugt, soll die Wirtschaftlichkeit verbessern.
Bahnhof Zoo wieder mit Terrasse

Ursprünglich hatten die Architekten Ingrid Hentschel und Axel Oestreich ein viel größeres Bahnhofsgebäude entworfen – mit einer dunkelroten Klinkerfassade, die zu dem benachbarten U-Bahnhof Gesundbrunnen passen sollte. Die Bahn strich aber selbst die abgespeckte zweigeschossige Version (Eigenanteil: 20 Millionen Euro) aus ihren Plänen.

Ein attraktives Projekt

Ein weiteres Projekt könnte bald ebenfalls in die nächste Phase gehen: die Sanierung und der Umbau des Bahnhofs Zoo. In den kommenden Wochen will der DB-Vorstand entscheiden, ob er Geld für die Entwurfs- und Genehmigungsplanung freigibt. Nach Informationen der Berliner Zeitung wird auch dieses Vorhaben auf ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis getrimmt. Darum stünde noch nicht fest, wie viel Geld die DB aufwendet, um den in die Jahre gekommenen einstigen Fernbahnhof der City West aufzupolieren. Was von dem Projekt bekannt wurde, mutet attraktiv an.

So ist im Gespräch, aus dem ehemaligen Restaurant Terrassen am Zoo wieder einen „Freisitz“ zu machen – eine echte Terrasse, auf der die Gäste wie früher ihren Kaffee unter freiem Himmel trinken können. Zum Konzept gehört auch eine Glasfassade am Hardenbergplatz. Innen soll der Bahnhof Zoo heller und freundlicher werden. Der Umbau könnte 2014 beginnen, hieß es.

In die Berliner und Brandenburger Bahnhöfe werden im nächsten Jahr 89 Millionen Euro investiert, so der DB-Konzernbevollmächtigte Ingulf Leuschel. Mit den Investitionen ins Schienennetz werden sich die Ausgaben für die Infrastruktur auf 541 Millionen Euro summieren. Zum Vergleich: In diesem Jahr werden 513 Millionen Euro investiert, 2011 waren es 544 Millionen Euro.

Schienenersatzverkehr 2013

Fahrgäste müssen auch 2013 mit Schienenersatz- und Pendelverkehr rechnen. So fahren im Sommer acht Wochen keine Züge auf dem Südring – dort werden Gleise erneuert. Dann müssen auch Fahrgäste der S 1 auf Busse umsteigen. Ebenfalls im nächsten Jahr will die Bahn damit beginnen, die S-Bahnstation Prenzlauer Allee mit einem zweiten Zugang auszustatten. Die Treppe zur Dunckerstraßen-Brücke soll im zweiten Quartal 2014 fertig sein.

Noch bis 26. April 2013 bleibt die Bahn Berlin–Rostock gesperrt. Sie wird für Tempo 160 ausgebaut. 2014 müssen die Züge Berlin–Dresden einen Umweg fahren. Dann wird auch diese Strecke für länger gesperrt.